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Folkwang-Studenten führen durch „Ruhrblicke“

22.04.2010 | 12:50 Uhr
Folkwang-Studenten führen durch „Ruhrblicke“

Essen.Folkwang-Studenten haben den „Ruhrblicke“-Kurator Thomas Weski durch seine Ausstellung geführt. Ab Samstag beantworten sie die Fragen der Besucher. Ein Semester lang haben sie sich auf diese Aufgabe vorbereitet, immerhin ist die Ausstellung einer der Höhepunkte des Kulturhauptstadtjahres.

Information
Neue Blicke aufs Ruhrgebiet

Die Foto-Schau „Ruhrblicke“ ist vom 24. April bis 24. Oktober im Sanaa-Gebäude auf der Zeche Zollverein (Gelsenkirchener Straße 209) zu sehen. Sie zeigt Werke von elf bedeutenden Fotografen wie Andreas Gursky, Hilla Becher oder Thomas Struth. Sie alle haben einen Bezug zum Ruhrgebiet und sich in ihren Arbeiten mit der Region im Wandel auseinandergesetzt. Die Ausstellung der Sparkassen-Stiftung gilt als einer der Höhepunkte des Kulturhauptstadtjahres.

Geübte Ausstellungsbesucher kennen die Situation: In einer Gruppe drängen sie sich um einen Experten und versuchen, sich die ein oder andere Hintergrundinformation zu den gezeigten Werken abzulauschen. An diesem Nachmittag aber befindet sich Kurator Thomas Weski in der exklusiven Lage, als einziger Zuhörer gleich von einem guten Dutzend kundiger Studenten durch die eigene Ausstellung geführt zu werden. Die heißt „Ruhrblicke“, gilt als einer der Höhepunkte des Kulturhauptstadtjahrs und ist ab Samstag im Sanaa- Bau auf Zollverein zu sehen.

Ein Semester lang haben sich 14 Studenten aus dem Fachbereich Gestaltung der Folkwang Universität auf die Aufgabe vorbereitet, Ausstellungsbesuchern einen Zugang zu den Fotografien zu vermitteln. Thomas Weski hat die angehenden Führungs-Kräfte bereits einmal im Seminar besucht und nimmt sich nun Zeit für eine Generalprobe mit den Studenten. Und damit ja keine Nervosität entsteht, schickt er vorweg: „Sie müssen immer bedenken, dass kein Mensch so viel weiß wie Sie!“

Elf international bekannte Künstler haben an Ausstellung gearbeitet

Das ist in seinem Fall natürlich eine charmante Lüge, immerhin sind die meisten der gezeigten Werke gleichsam in seinem Auftrag und exklusiv für die Schau entstanden. Elf international bekannte Künstler haben zum Thema „Ruhrblicke“ gearbeitet, und weil kaum ein Jahr zur Vorbereitung blieb, sprach man ausschließlich Künstler an, die schon einen Bezug zum Ruhrgebiet hatten, die also nicht bei Null anfangen mussten.

Das seien Informationen, die man den Ausstellungsbesuchern zur Begrüßung an die Hand geben dürfe, sagt Weski. Dann schweigt der Kurator, lauscht Sabine Peretzke, die über das Werk von Elisabeth Neudörfl spricht. „Habitat 2010“ hat die ihre Schwarz-Weiß-Serie betitelt, die in Bochum, Essen und Dortmund entstanden ist. Wo lässt sich kaum sagen, die Hochhaussiedlungen sind schwer zu verorten. Das ist, erklärt Peretzke, selbstverständlich gewollt: Die Künstlerin zeige urbane Strukturen, lege die Uniformität ihrer Motive bloß.

Geheimnisvolle Einblicke in industrielle Orte

Weski nickt. Er ist ein angenehmer Zuhörer, der nur gelegentlich eine Anmerkung macht, eine Frage stellt. Etwa die, warum die wenigsten Fotos Menschen zeigen. „Das kommt ja gleich bei Gursky“, ruft eine Studentin. Weski lacht. Das sei eine „Das haben wir später“-Antwort. Er glaube, dass es schwer sei, aus bestimmten Formen der Menschendarstellung herauszukommen, weshalb mancher völlig darauf verzichte. So gewährt Thomas Struth lieber Einblicke in industrielle Orte, die zwar mit der Ruhrgebiets-Identität eng verbunden, aber dennoch geheimnisvoll sind.

Wie sieht Dortmund bei Andreas Gursky aus, was bedeutet „Hier“ für die in Essen lebende Jitka Hanzlová und warum hat sich Oberbürgermeister Reinhard Paß von Hans-Peter Feldmann auf dem Burgplatz ablichten lassen? Das alles sind „Das haben wir später“-Fragen, die Sie bitte in dieser tollen Ausstellung an einen Studenten ihres Vertrauens richten sollten.

Christina Wandt

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