Elf Künstler zeigen Arbeiten zum Thema Migration
19.09.2010 | 15:52 Uhr 2010-09-19T15:52:00+0200
Essen. Angesichts der Debatte um Thilo Sarrazin, um gelungene oder gescheiterte Integration, bekommt die Ausstellung „Checkpoint“ im Kunsthaus Essen zum Thema Migration neue Aktualität.
„Eigentlich entstand die Idee schon vor drei Jahren“, sagt Kunsthausleiter Uwe Schramm. Die Schau „Checkpoint“, an der elf Künstler aus dem Kunsthaus sowie Gäste teilnehmen, ist ein Beitrag zum Verbundprojekt „GrenzGebietRuhr“, für das sich die Kunstvereine und Künstlerhäuser im Ruhrgebiet - insgesamt 14 Institute - im Kulturhauptstadtjahr zusammengeschlossen haben.
Einwanderung ist nicht nur Thema der Politik
Die künstlerische Auseinandersetzung mit Grenzen und Migration liege nahe, so Uwe Schramm. Schließlich sei das Ruhrgebiet wie keine andere Region geprägt durch die Zuwanderung von Menschen. Jeder zehnte Einwohner zwischen Duisburg und Dortmund besitzt keinen deutschen Pass. Außerdem dürfe man das Thema nicht ausschließlich der Politik überlassen. Und die Kunst eröffne da auch immer neue Sichtweisen.
Die Künstlerinnen Renate Neuser und Petra Göbel entwerfen in ihren Beiträgen zur Ausstellung sensible Porträts junger Migrantinnen. Neuser hat ein mit Stoffen drapiertes Gewandobjekt erstellt, um die verschiedenen Facetten einer jungen Frau zu zeigen, die sich im Spannungsfeld von traditioneller Herkunft und Integrationsbestrebungen behaupten muss. Göbel begleitete eine junge Deutsche mit türkischen Wurzeln während verschiedener Phasen ihres Lebens mit der Kamera und zeigt einzelne Fotos als Stationen des Langzeitprojekts.
Andere Werke setzen auf die Symbolik von Alltagsgegenständen. Gerda Schlembach arrangiert in ihrer Installation Dinge, die Menschen aus ihrer alten Heimat mitgebracht und bis heute aufbewahrt haben. Und Valentin Beinroth greift mit seinem Kofferobjekt das Symbol für Auswanderung schlechthin auf. Die Form seiner Arbeit erinnert nicht nur an alte Schrankkoffer, sondern auch an einen geöffneten Flügelaltar oder Schrein.
Spielerischer Zugang
Einen spielerischen Zugang zu Thema Migration verfolgen Johannes Gramm und Christoph Hildebrand. Gramm beschäftigt sich in seinen Fotografien mit den holländischen Wurzeln seiner eigene Familie und hinterfragt - mit Turban verkleidet - Klischees, über die Menschen im Alltag definiert werden. Mehrere Satellitenschüsseln hat Christoph Hildebrand außen am Uhrenturm des Kunsthauses anbringen lassen. Sie sind mit Flaggen dekoriert, die es so nicht gibt. Der Künstler entwirft ebenso kühne wie hintergründige Kombinationen aus jeweils zwei Nationalflaggen: So erscheint auf einer Schüssel die türkische Fahne in den deutschen Farben Schwarz-Rot-Gold.
Frische Diskussion
Ob sensibles Porträt oder provokantes Spiel mit kollektiven Symbolen: Die künstlerische Annäherung an das Thema Migration wirkt in der gegenwärtig zum Teil polemisch geführten Diskussion besonders erfrischend.
12:45
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