Ein kompetenter Anwalt Bachs
05.02.2012 | 19:06 Uhr 2012-02-05T19:06:00+0100
Essen. Der Pianist Martin Stadtfeld widmete sich in der Essener Philharmonie den Klavierkonzerten von Johann Sebastian Bach - und überzeugte auf ganzer Linie.
Als kompetenter Anwalt der Klaviermusik Bachs hat sich Martin Stadtfeld in Essen schon mehrfach präsentiert. Bei seinem jüngsten Auftritt widmete er sich mit dem Philharmonischen Kammerorchester München den Klavierkonzerten des Leipziger Thomaskantors. Dieser Abend im Alfried-Krupp-Saal gab Anlass zu heller Begeisterung und legitimierte selbst ein Salonstück wie Gounods „Ave Maria“ als Zugabe.
Und einmal mehr zeigte sich, dass historische Aufführungspraxis mit Cembalo und Darmsaiten bespannten Streichern nur eine Alternative sein kann zum modernen instrumentalen Klangbild samt Steinway-Flügel. Denn was Stadtfeld im nahtlos ineinandergreifenden Wechselspiel mit Konzertmeister Lorenz Nasturica-Herschcovici und seinem Ensemble bot, war blühendes Leben, war mitreißend vitales Barockmusizieren.
Ob im Klavierkonzert Nr. 3, 4 oder 7 – überall bestach der kraftvolle Zugriff und die Konturenschärfe, durch die Bachs Musik wie eine kontrastreiche, abschattierte Schwarz-Weiß-Zeichnung erstand. Wie motorisch angetrieben entwickelten sich die Ecksätze, von Stadtfeld in klarem, bewusstem Anschlag und prägnant herausgemeißelter Basslinie modelliert, während er die langsamen Mittelsätze mit warmen Farbnuancen bereicherte und zu einer tief ausgeloteten, aber unsentimentalen Interpretation fand.
Mit der Hamburger Sinfonie G-Dur von Carl Philipp Emanuel Bach beleuchtete das Orchester sinnfällig den stilistischen Wandel zwischen Vater und Sohn vom Barock zur Galanterie der Klassik. Nasturica-Herschcovici konnte sich beim Spiel dem Publikum zuwenden und seine lebhafte Körpersprache mühelos auf das Ensemble übertragen, das die Akzente mit Verve und Präzision, mit Zucht und Musizierlust gleichermaßen beantwortete. So führte die Reise bis in die Frühromantik zu Mendelssohn und seiner Streichersinfonie Nr. 9, einem Jugendwerk, in dem der 14-Jährige Mozarts Grazie nachspürte und Schuberts melodischen Zauber verströmte.
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