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Die ganze Welt zu Gast im Revier

21.06.2010 | 11:39 Uhr
Die ganze Welt zu Gast im Revier
Die norwegische Künstlergruppe Verdensteatret arbeitet auch mit audiovisuellen Technologien.

Essen/Mülheim.Wenn am 30. Juni das Festival „Theater der Welt“ in Mülheim und Essen startet, kommt für 18 Tage die ganze Welt ins Ruhrgebiet. 32 Bühnenproduktionen mit 400 Künstlern aus 24 Ländern stehen auf dem Programm.

Japanische Schauspieler inszenieren eine Pop-Liebesgeschichte mit anschließender Chicken-Curry-Party. Ein russischer Regisseur nähert sich dem Holocaust in Osteuropa. Und ein Stammeshäuptling und Choreograf aus Samoa entzaubert seine traumschöne Heimat: Wenn am 30. Juni das Festival „Theater der Welt“ in Mülheim und Essen startet, kommt für 18 Tage die ganze Welt ins Ruhrgebiet. Das verspricht zumindest Festivalleiterin Frie Leysen, und das verrät auch ein Blick ins umfangreiche Programm. In Zahlen: 32 Produktionen werden gezeigt, darunter elf Welt- und sechs Europapremieren, mit etwa 400 Künstlern aus 24 verschiedenen Ländern von Ägypten bis Thailand.

Etwa die Hälfte davon findet in Essen statt. Grillo-Intendant Anselm Weber und Roberto Ciulli vom Mülheimer Theater an der Ruhr richten das Festival gemeinsam und in Kooperation mit der Ruhr.2010 aus.

Ausnahme für die Kulturhauptstadt

Die erste internationale Programmdirektorin des Festivals "Theater der Welt", die Belgierin Frie Leysen, Foto: ddp

„Theater der Welt“ ist das wichtigste internationale Festival Deutschlands. Eigentlich findet es alle drei Jahre statt, jedes Mal in einer anderen Stadt. Für die Kulturhauptstadt 2010 gibt es eine Ausnahme. 2008 war Halle Austragungsort, nur zwei Jahre später also kommt „Theater der Welt“ jetzt ins Ruhrgebiet. 1991 war das Festival des Internationalen Theaterinstituts (ITI) schon einmal in Essen, damals unter der Leitung von Börries von Liebermann.

Die norwegische Künstlergruppe Verdensteatret arbeitet auch mit audiovisuellen Technologien.„Theater der Welt“ vereint verschiedenste Ästhetiken und Spielformen. Für Kuratorin Frie Leysen ist es vor allem ein Festival der Künstler. Wie sehen junge internationale Künstler die Gesellschaft, in der sie leben? Welche Visionen haben sie, in Bangkok, Johannesburg oder Oslo? Und in welchem Zusammenhang stehen diese mit dem Ruhrgebiet? Auf diese Fragen soll das Festival eine Antwort geben. Bekannte Namen findet man nur wenige im Programm. Nicht die Großen von heute habe sie eingeladen, sondern die von morgen, erklärt Leysen. Die Auswahl der Inszenierungen in Essen reicht vom „MusSarahniktheater“ im Salzlager auf Zollverein bis zur Parcour-Performance in der Innenstadt, von Tanzstücken im Grillo Theater bis zur Reality Show im Parkhaus Grugabad.

Ein Häuptling kommt

Spannenden Besuch wird Essen haben. Zum Beispiel den Stammeshäuptling aus Samoa: Lemi Ponifasio ist Tänzer und Naturschützer. In seinen Choreografien verbindet er die Traditionen seiner Heimat mit zeitgenössischer Ästhetik, er arbeitet zusammen mit Dorfbewohnern, Priestern, Musikern und Architekten. Für Ponifasio handelt Kunst vom Leben. Er hofft, „auf diesem Weg einen Beitrag für einen Zustand von Wahrheit und Schönheit zu leisten“. Im Grillo Theater wird der Choreograf „Birds with Skymirrors“ zeigen, seine Analyse der globalen Welt zwischen Natur-Zauber und Müllhalde.

Der belgische Regisseur Guy Cassiers widmet sich Robert Musils Mammutroman „Der Mann ohne Eigenschaften“. Der Leiter des Toneelhuis Antwerpen ist bekannt für spektakuläre Videoprojektionen, für eine multimediale Bühnensprache. „Das Bild ist wie ein Schauspieler für ihn“, sagt Frie Leysen. Auch diese Inszenierung läuft im Schauspiel. Noch experimenteller geht es zu bei den Produktionen auf dem Gelände der Zeche Zollverein. In der ehemaligen Waschkaue (Pact Zollverein) erweckt die norwegische Theatergruppe Verdensteatret die Schönheit des Schrotts, wenn sie mit audiovisuellen Technologien und traditionellen Werkzeugen orchestrale Werke entstehen lässt. Tickets gibt es unter: Tel. 8122 200. Das Café Central im Grillo wird vom 8. bis 17. Juli zum Festivalzentrum.

Sarah Heppekausen

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