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Der Star, der keiner werden wollte

17.10.2012 | 18:22 Uhr
Der Star, der keiner werden wollte
Franz-Josef Selig im Aalto Theater vor den Kulissen von „Pelléas et Mélisande“.Foto: Sebastian Konopka

Essen. Franz-Josef Selig ist der Mann für die großen Rollen im Bass-Fach. Er singt in Bayreuth, an der Scala, an der Met - und heute Abend in Essen den Arkel in „Pelléas et Mélisande“. Seine Karriere begann in Essen, das weiß das Opernpublikum. Aber kaum einer weiß, wie.

Der studierte Kirchenmusiker Selig, geboren und aufgewachsen in der Eifel, war junger Kantor, als er 1986 seine erste Begegnung mit der Opernwelt hatte. In einer konzertanten Aufführung von Mozarts „Zauberflöte“ sang er den Part des weisen Priesters Sarastro. Im Publikum saß Manfred Schnabel, im Hauptberuf Opernintendant in Essen . Der war von Seligs Bass derart angetan, dass er ihn ein Telegramm schickte: Bitte baldmöglichst in Essen vorsprechen - stop - sind sehr interessiert - stop - Schnabel.

"Ich finde Opern schrecklich"

Als höflicher Mensch ist Selig der Einladung nachgekommen, obwohl er fest überzeugt war, dass dort ein Irrtum vorliegen müsse. „Bei mir seid ihr falsch, habe ich denen erklärt. Ich bin Kirchenmusiker und singe nebenbei. Außerdem finde ich Opern schrecklich!“

Doch Schnabel blieb hartnäckig. Drei Jahre dauerte sein Werben um den jungen Bass, bis der dem Drängen nachgab und am frisch eröffneten Aalto Ensemblemitglied wurde. Eine Entscheidung, die Selig erst einmal bitter bereuen sollte.

Er hatte das zweifelhafte Glück, seinen ersten Auftritt ausgerechnet in Dietrich Hilsdorfs skandalumwitterter „Aida“ 1989 zu haben. „Ich stehe da auch noch mitten im Publikum, warte auf mein Stichwort - und plötzlich tobt ein minutenlanger Buh-Sturm los“, erinnert er sich. „Ich dachte, meine Kniescheiben schlügen mir gleich unters Kinn.“

"Unter Wallberg konnte ich viel lernen"

Weglaufen oder Durchhalten? Selig summte nach Kirchenmusiker-Art vor sich hin („Bloß nicht den Einsatzton verlieren!“) und stand seinen Part tapfer durch. 40 Mal ist er 1995 in der Inszenierung aufgetreten.

An die Jahre unter Intendant Wallberg hat er warme Erinnerungen. „Unter Wallberg konnte ich viel lernen. Der hat jungen Musikern die Freiheit gelassen, sich auch mal gegen eine Rolle zu entscheiden. Das ist selten geworden.“

Erste Angebot treffen ein, immer mehr Bühnen wollen den Bass verpflichten. Die Weltkarriere Seligs beginnt. Der Kölner Opernkrach um den gefeuerten Intendanten Laufenberg machte es jetzt möglich, dass er heute und am nächsten Mittwoch wieder in Essen singen kann: „Eigentlich sollte ich in Köln den ,Fidelio’ einstudieren.“

Kai Süselbeck



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