Das wohl kleinste Theater in Essen

Heiko Schiwy alias Hubert Dingenskirchen spielt im zweiten Theaterstück des „Leeren Raums“, in „Die Wanze“, alle Rollen vor puristischer Kulisse.
Heiko Schiwy alias Hubert Dingenskirchen spielt im zweiten Theaterstück des „Leeren Raums“, in „Die Wanze“, alle Rollen vor puristischer Kulisse.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Das Haus „Der leere Raum“ in Essen-Rellinghausen füllen scjhon ganze 20 Zuschauer. Inhaberin Claudia Maurer setzt im zweiten Stück „Die Wanze“ weiterhin auf Reduktion

Essen..  Ein Stuhl, etwas Licht, ein Schauspieler, mehr braucht es nicht, um den „leeren Raum“ mit Leben zu füllen. Vor einem Jahr hat die Regisseurin Claudia Maurer aus dieser Idee ihr eigenes Theater geschaffen – im Keller ihres Hauses. Mittlerweile plant sie dort bereits ihre dritte Premiere.

Familiäre Atmosphäre

Läuft man auf das Haus an der Frankenstraße 215 in Rellinghausen zu, dann begrüßt einen die Gastgeberin bereits draußen per Handschlag. „Schön, dass Sie gekommen sind! Willkommen!“ Diesen persönlichen Service kann sie durchaus jedem Gast anbieten, denn der Saal fasst gerade mal 20 Plätze – damit dürfte „Der leere Raum“ das kleinste Theater der Stadt sein.

Entsprechend familiär bleibt dann auch die Atmosphäre drinnen. Auf einem kleinen Service-Wagen stehen kühle Getränke bereit, die die Gastgeberin verkauft: Bier für einen Euro, Sekt für zwei, getrunken werden darf selbstverständlich im Saal. Klar, ein Foyer gibt es ja auch gar nicht.

Heute hat Claudia Maurer besonders gute Laune, denn die Vorstellung von „Die Wanze“ ist ausverkauft. „Das ist leider noch nicht immer der Fall“, räumt die gebürtige Bremerhavenerin ein. „Aber ich bin zufrieden, das Theater wird immer bekannter. Zum zweiten Stück sind schon Leute gekommen, weil sie das erste so gut fanden.“ Keine Freunde, versichert sie, sondern „richtige Zuschauer.“ Dennoch: In Sachen Werbung könne sie noch besser werden, sagt sie selbstkritisch, „aber ich lerne ja noch“.

Seit 2009 ist Claudia Maurer in Essen – „wegen meines Mannes“. Für sie war klar, dass sie in dieses Haus ziehen müssen, „gerade wegen des schönen Kellerraums.“ Schon damals war die Idee da, dort etwas eigenes zu schaffen, wenngleich sie zunächst versuchte, als Regisseurin in etablierten Häusern zu landen. „Doch es ist sehr schwer, in die geschlossenen Kreise hineinzugelangen“, hat die 41-Jährige bemerkt. Also hielt sie sich zunächst mit Schauspielunterricht über Wasser, bis der Drang, wieder selbst kreativ tätig zu werden, zu groß wurde.

Und so verwandelte Maurer den Kellerraum ihres Hauses in ein Theater, heuerte die Schauspielerin Ariane Raspe an und feierte mit ihr Ende 2013 die erste Premiere: „Sie haben heut’ Abend Gesellschaft” von Andri Beyeler. Bei der Inszenierung hat Maurer sich voll auf die Person konzentriert – ganz so, wie es die britische Theaterregisseur-Legende Peter Brook in seiner berühmten Schrift propagiert, der der kleinen Rellinghauser Bühne ihren Namen geliehen hat. „Wenn ich die Bühne voll knalle, habe ich keinen Kopf mehr für Illusionen“, ist sie überzeugt.

„Pulp Fiction“ trifft „Die Wanze“ noch vier Mal

Und so ist auch ihre zweite Arbeit nach diesem Muster gestrickt: Nicht nur, dass ihre Version von Paul Shiptons Krimikomödie „Die Wanze – der neueste Fall“ lediglich mit einem Stuhl und einem Glas auf der Bühne auskommt: Ein Schauspieler schlüpft auch gleich in 13 Rollen – ohne Kostümwechsel, in schwarzem Nadelstreifenanzug und Turnschauen, lässt Heiko Schiwy eine ganze Insektenhorde lebendig werden. Das sind Krabbeltiere wie der Mistkäfer und Kneipenwirt Dixie, dem Schiwy, der auch als der Musiker Hubert Dingenskirchen bekannt ist, eine schnoddrige Ruhrpottschnauze verleiht. Eine beachtliche Leistung, die gesamte Krimikomödie fast ohne Hilfsmittel tragen zu müssen.

Wenngleich noch einige Vorstellungen von „Die Wanze“ anstehen, plant Maurer schon ihre dritte Inszenierung im eigenen Theater: Lutz Hübners Komödie „Gretchen 89 ff“. Ein Zwei-Personen-Stück diesmal. Damit wird es auf der kleinen Bühne des „leeren Raums“ langsam eng... Aber als Familie rückt man ja gerne mal zusammen.