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Kunstmarkt

Collectors Sale: Sammler trennen sich von Kunst

03.08.2010 | 10:15 Uhr
Collectors Sale: Sammler trennen sich von Kunst
Roger Schimanski macht in der Galerie Heimeshoff einen „Collectors Sale“. Darunter sind etwa Arbeiten von Otto Piene (links im Bild). Foto: Walter Buchholz

Essen. Geschmäcker können sich ändern, das gilt auch für Kunstsammler. Galerist Roger Schimanski hat dazu einen „Collectors Sale“ ins Leben gerufen. In Ausstellungsform kümmert er sich um den Weiterverkauf ausgesonderter Werke.

Der Kunstmarkt scheint die Finanzkrise gut überstanden zu haben. Bereits Ende 2009 schnellten Auktionserlöse für Kunstwerke wieder in gewohnte Höhen. Passend dazu veranstaltet Roger Schimanski, Inhaber der Rüttenscheider Galerie Heimeshoff, noch bis 4. September in seinen Räumen einen „Collectors Sale“ – er verkauft für Kunden in Ausstellungsform ausgesonderte Werke.

Die Aufgabe, die Schimanski umsetzt, ist nicht ungewöhnlich. „Das ist eine Galeristen-Tätigkeit, die über das Jahr eher unsichtbar stattfindet“, erklärt er. Der große Unterschied: Der Kunstmarkt hat seine eigenen Regeln, etwa Diskretion, und in die eigenen Karten lässt man sich als Sammler nur ungern schauen. Wer gibt schon gerne zu, dass er vielleicht aus finanziellen Gründen ein Bild veräußert?

Hintergrund
Schätzwert bei Otto Piene war viel zu niedrig

Als Beispiel für einen arrivierten Künstler nennt Schimanski Otto Piene. Zwei von vier Arbeiten waren bereits vor Ausstellungsbeginn verkauft und sind mittlerweile abgeholt – Werke zum „Nachlegen“ hat der Galerist noch. „Piene ist im Moment sehr gefragt, er ist 80 geworden, es gab zuletzt sehr viele Ausstellungen“, sagt er. Ein Ölbild Pienes sei bei einem Schätzwert von 10.000 Euro kürzlich für einen Erlös von 100.000 Euro unter den Hammer gekommen. „Wer kauft, kann sein Bild sofort mitnehmen“, lacht Schimanski.

„Sammler wollen sich verkleinern oder vergrößern“, betont Schimanski. Die Gründe für eine Teilnahme am „Collectors Sale“ seien vielfältig. Da sind zum Beispiel die Investoren. „Man hat vielleicht vor 10 oder 15 Jahren etwas gekauft und will es nun gewinnbringend veräußern“, erzählt er. Das seien vielleicht 20 Prozent der Sammler. 80 Prozent seien eher vom Schlag „Ich muss damit leben oder ich finde das Bild schön“. „Jeder kommt an den Punkt, wo die Wertsteigerung so groß ist, dass er an Verkauf denkt“, gibt auch Schimanski zu.

Persönlicher Geschmack als wichtigstes Kriterium

Viele Verkaufsfälle ergäben sich durch Erbengenerationen, die die Stücke an den Markt brächten. Der wohl wichtigste Faktor ist jedoch der persönliche Geschmack und der kann sich von Jahrzehnt zu Jahrzehnt ändern.

Die Idee zum „Sammler-Verkauf“ kam dem Galeristen Anfang des Jahres. „Fünf hochkarätige Arbeiten waren der Auslöser“, erinnert er sich. Im Verlauf sei aus dem Projekt durch das rege Kundeninteresse ein Selbstläufer geworden.

Das Ergebnis kann sich sehen lassen: Otto Piene, Otmar Alt, Robert Rauschenberg, Isa Genzken, Gerhard Richter, Christian Rohlfs und viele andere arrivierte Namen finden sich. Für den Galeristen ist die Schau Kundenbindung, einige der angebotenen Werke sind bereits in der Vergangenheit bei Heimeshoff über den Tresen gegangen. „Das Zeitlose beziehungsweise Werke, die sich nicht an einem bestimmten Zeitgeist orientieren, verkaufen sich gut“, resümiert er.

Wie aber ermittelt man bei Kunst den realistischen Wert? Schimanski nennt mehrere Faktoren: „Bei einem Werk schaut man nach den bisherigen Auktionserlösen des Künstlers, ferner was so etwas in Berlin oder München kostet, dazu kommt noch, was will der Künstler.“ Alles zusammen ergebe dann den Preis – „und natürlich möchte der Galerist auch noch etwas dabei verdienen“.

Tim Walther

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Kommentare
12.08.2010
16:44
Collectors Sale: Sammler trennen sich von Kunst
von Bernd Hofmann | #1

Ein interessantes Konzept, dass natürlich intensive Marktkenntnisse für die Bewertung der Kunstwerke voraussetzt. Ich hatte bisher davon noch nichts gehört.

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