Aufführungsrechte
Bereits 90.000 Menschen fordern Reform der Gema
08.07.2009 | 08:59 Uhr 2009-07-08T08:59:00+0200
Essen. Die Verwertungsgesellschaft Gema will ihre Gebühren erhöhen, mancher Veranstalter ist sauer - auch wenn er nicht betroffen ist. Ein Konzertveranstalter rät Nachwuchskünstlern, nicht mehr Mitglied der Gema zu werden. Grund: Mit der Hälfte der Gebühren tanke sich Dieter Bohlen den Ferrari voll.
Die Wut ist groß. Über 90 000 Menschen haben inzwischen eine Bundestags-Petition unterzeichnet, die eine Reform der Gesellschaft für musikalische Aufführungs- und mechanische Vervielfältigungsrechte (Gema) fordert. Und wahre Mail-Wellen spülen Brandzeilen und die – falsche – Behauptung durchs Internet, die Gema wolle ihre Gebühren für Konzerte um sage und schreibe 600 Prozent erhöhen. Die Wut ist auch deshalb groß, weil sie nicht neu ist.
Die goldenen Türklinken
„Man redet ja gerne von den berühmten goldenen Türklinken, aber die Gema in Dortmund hat wirklich welche”, Stefan Belz vom Konzertveranstalter „Stamm & Belz”. Er empfiehlt Nachwuchskünstlern, nicht mehr Mitglied der Gema zu werden. Denn für sie bleibe nach einem Live-Abend nichts übrig. „Und von den Gema-Gebühren können sie sich vielleicht die Hälfte zurückholen, mit der anderen tankt der Dieter Bohlen seinen Ferrari voll.” Weil vor allem die Stars von der Verteilung der Gelder profitierten, so Belz.
Auch für Markus Meyer, der im Kulturzentrum Grend Konzerte veranstaltet, ist die Schmerzgrenze erreicht. Konzerte mit weniger als 3000 Besuchern sind zwar von der Erhöhung nicht betroffen, aber die Abgaben für einen Live-Abend in einem kleinen Club sind jetzt schon hoch. Wer zum Beispiel in einem 150 Quadratmeter großen Raum ein Konzert veranstaltet, zu dem der Eintritt 15 Euro kostet, bezahlt für den Abend über 200 Euro Gebühr. Egal, wie viele Leute zuhören. Meyer muss trotz Jahrespauschale und Soziokultur-Rabatt rund 100 Euro pro Abend bezahlen – was oft genug zehn Prozent der Einnahmen entspricht.
Entscheidung ist noch offen
Bei der Essen Marketing Gesellschaft (EMG) kochte das Thema vor ein paar Jahren schon einmal hoch. Und zwar über die Frage, ob man bei Festen wie „Essen Original” die Gebühr nach Zuschauerzahl oder genutzter Fläche berechne. Man einigte sich auf das Flächenmaß und seitdem war Ruhe. Im Moment laufe die Gebührenerstattung problemlos, sagt Dieter Groppe von der EMG.
Rund 3000 Euro bezahle die EMG an die Gema für das gesamte Original-Fest. „Wenn die Gebühren erhöht werden sollten, müssen wir das wohl akzeptieren”, so Groppe. Wie viel dann fällig sein wird, kann er noch nicht sagen. Noch ist ja nicht entschieden, ob die Erhöhung kommt. Die Konzertveranstalter haben Protest eingelegt und sich an eine Schiedsstelle gewandt. Ende noch offen.
Dem europäischen Niveau angleichen
Sowieso, man gleiche sich nur dem europäischen Niveau an, meint Bettina Müller, Sprecherin der Gema, derzeit nehme man bei Großveranstaltungen nur rund 1,5 Prozent der Einnahmen, nach einer stufenweisen Erhöhung sollen es 2014 rund 8 Prozent sein. Wobei die Frage, wer wie viel für was zahlt, kompliziert ist; immerhin gibt's 200 Tarife bei der Gema.
Nicht betroffen von einer Erhöhung dürfte die Philharmonie sein. Natürlich bezahlt auch sie Gema-Gebühren für die Eigenveranstaltungen, die Tarifsteigerungen beziehen sich allerdings nicht auf klassische Musik. Trotzdem wird das Thema zurzeit in dem Konzerthaus durchgerechnet. Dort läuft nämlich in einigen Wochen der Pauschalvertrag mit der Gema aus. „Wir müssen jetzt neu verhandeln”, sagt Johannes Bultmann, der Intendant der Philharmonie. Man prüfe jetzt, ob es wirtschaftlich sinnvoll sei, weiter per Pauschale zu bezahlen oder besser für einzelne Konzerte. Derzeit muss die Philharmonie pro Spielzeit eine sechsstellige Summe an die Gema bezahlen.
Hier geht's zur Bundestags-Petition.
12:41
Früher immer Ralph Siegel. Der hat sich daran jahrzehntelang an den Tantiemen eine goldene Nase verdient und ist nun beleidigt, weil man ihn nicht mehr zum Zug kommen lässt.
Siegel ist übrigens auch einer, der nicht unwesentlich von den Gema Topf profitiert, in den alle Einnahmen einfließen, die nicht eindeutig best. Komponisten zugeordnet werden können, für die aber die Veranstalter trotzdem zahlen müssen.
12:06
Außerdem könnte man bei der Gelegenheit gleich mitklären, wer immer diese äußert bescheidenen Verlierersongs beim European Songcontest usw. einreicht und damit genauso regelmäßig die deutsche Musikszene blamiert!
12:03
nette news von www.rockhard.de:
06.07.2009: Urteil gegen Deep Purple nach Konzert in Russland
Weil DEEP PURPLE auf einem Konzert in Russland ihre eigenen Songs spielten, wurden sie jetzt von einem russischen Gericht zu einer Strafe verurteilt. Offensichtlich hätten die Altrocker eine Lizenz bei NGO, der russischen GEMA, beantragen müssen. Laut The Highway Star müssen sie nun 30.000 Rubel (etwa 1.000 Dollar) pro gespieltem Song zahlen. Allerdings fließt ihnen als Autoren der Songs natürlich ein Teil der Gebühren zu. Irre.
12:00
Und bei der Berichterstattung über Bo Total hat die WAZ hat hervorragend mit der Eins-Live-Bühne kooperiert, der anderswo verteilte Nachwuchs wurde so gut wie totgeschwiegen bzw. mal am Rande erwähnt.
11:32
wir passen uns den europäischen Standarts an. Aber komischerweise immer nur nach oben.
Der Spritpreis liegt hier ja auch DEUTLICH über dem europäischem Standart. Aber den angleichen? nene.
11:29
Die Gema hat mit Radiospielungen nur insofern was zutun, dass sie für jede Sekunde in der ein Titel eines Komponisten läuft die entsprechenden Tantiemen an den Komponisten abführt... (dieser muss übrigens nicht zwingend der Interpret sein ... hat dieser den Song nicht geschrieben oder den Text dazu geschrieben, dann gibts auch kein Geld für den Interpreten)
Ansonsten zahlt die Gema die angefallenen Umsätze (genannt Tantiemen) an die Autoren (also Komponisten und Texter) nicht nur 2 mal, sondern 4 mal im Jahr aus.
Ich bin übrigens seit über 15 Jahren Gema Mitglied. Es gab für mich als Komponist niemals Grund zur Beschwerde über die Arbeitsweise der Gema.
Der Verrechnungsschlüssel für Live Auftritte mag ungerechtfertigt wirken. Allerdings kann man es auch so sehen: Warum ist man Gema Mitglied, wenn man die erforderlichen Umsätze nicht generieren kann?
Man sollte sich dort erst anmelden, wenn man auch entsprechende Umsatzerwartungen hat.
11:24
Klostermann, waren das damals Euro oder DM? Bitte entscheiden Sie sich!
Ich denke Sie haben sich einfach verdacht...passiert ja schnell :>
Aber sollten diese Werte stimmen erahnt man was für eine Abzocke hier stattfindet...
11:01
Stichwort Ausschüttung:
Wir haben mit unserer Band in den 90ern bei 100 Konzerten pro Jahr ca. 20.000 Euro für die Gema eingespielt - nur eigene Titel.
Als Vergütung bekamen wir 56,63 DM pro Bandmitglied pro Jahr zurück als Tantiemen für unsere Kompositionsrechte.
Das hat gerade mal unsere Mitgliedsbeiträge bei
der GEMA eingebracht.
Das ist die Realität bei der Gema, wenn man nicht zur Kuppel gehört.
10:13
Sach ma - der steht doch direkt drunter. Abgesehen davon: wieviel Ahnungslosigkeit hier herrscht, ist schon ein Hammer. Künstler bekommen von der GEMA anhand diverser Verteilungsschlüssel ein (u.U. auch zweimal) im Jahr eine Ausschüttung unter anderem für gespielte Konzerte. Des weiteren zahlen Clubbesitzer und Kneipiers ebenfalls Pauschalen (Grössenabhängig), welches ebenfalls umgelegt und ausgeschüttet wird. Ein nicht zu verachtender Teil kommt aber in der Tat aus Radioplays. Je häufiger eine Nummer dort läuft, desto höher wird sie innerhalb des GEMA -Schlüssels gewertet, sprich, der Rechteinhaber (Texter, Komponist) erhält nachher die Kohle - und in unserer mittlerweile ja leider Gottes völlig gleichgeschalteten Radiolandschaft sind das nunmal vor allem die Bohlens, Raabs, Madonnas, Robbie Williams dieser Welt, die die grossen Gewinner sind und natürlich kleineren Acts die Einsätze klauen. Mit jedem Einsatz eines DSDS Superstar-für-ein-halbes-Jahr klingelt`s bei uns Dieter auf`m Konto.
10:10
hm also eigentlich steht ganz unten im artikel ein Link zur bundespetition...ich kann natürlich nicht sagen, ob er auch schon vorhin dort stand.