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250 Stimmen preisen schwungvoll den Herrn

11.12.2011 | 18:50 Uhr
250 Stimmen preisen schwungvoll den Herrn
Foto: Kerstin Kokoska/WAZ FotoPool Essen

Es war sicherlich eine der stimmgewaltigsten Veranstaltungen, die jemals in der Lichtburg über die Bühne ging: Vor insgesamt 3500 begeisterten Zuschauern feierte das Gospelprojekt-Ruhr am Wochenende sein zehnjähriges Bestehen mit drei Konzerten. Bis zu 250 Sänger standen gemeinsam auf der Bühne, unterstützt von Ballett- und Hip-Hop-Tänzern, Saxofon und Keyboard sowie einer anspruchsvollen Lichtshow.

Vor allem die zwölf Solisten überzeugen mit starken Stimmen, aber auch die drei Formationen für Erwachsene, Teenager und Kinder ernten viel Beifall. Die kleinen Sänger werden stimmkräftig von drei Grundschulen, darunter zwei aus Essen und eine aus Bochum, unterstützt. Nach vier Wochen Probe in ihren Gospel-AGs stehen sie nun zum ersten Mal im Rampenlicht und schmettern Hits wie „In der Weihnachtsbäckerei“.

Seit einigen Jahren wirbt das Gospelprojekt-Ruhr mit kostenlosen Schnupperkursen an den Grundschulen um Nachwuchs und wird dabei punktuell vom Land NRW gefördert. „Die Kinder sind mein ganzer Stolz“, bekennt Julia Merle-Emmens, die Leiterin der Gruppe ab sechs Jahren, am Ende des Auftritts.

Angefangen hatte alles im April 2001. Damals gründete die Hernerin Christa Merle einen gemeinnützigen Verein, der Menschen aus dem Ruhrgebiet mit der Musik und den Inhalten des Gospels bekannt machen und ihre Begabungen fördern sollte. Die Resonanz war überwältigend: Schon das erste Weihnachtskonzert in der Sporthalle Wanne-Süd war restlos ausverkauft. Bereits im Jahr darauf sangen die Mitglieder des Gospelprojekts an Heiligabend in der Dortmunder Westfalenhalle.

Seitdem zählte das Projekt 170 000 Besucher bei seinen Auftritten, knapp 100 Ehrenamtliche engagieren sich derzeit für den Verein. Auch prominente Gäste wie Fußballer Gerald Asamoah und Sportreporter Werner Hansch standen mit auf der Bühne und unterstützen die Gospelsänger noch heute aktiv. Wenig verwunderlich also, dass Christa Merle in der Lichtburg ins Schwärmen gerät: „Wir sind glücklich, Teil dieses wunderbaren Projekts zu sein.“

Dabei hatten die Gospelsänger 2008 noch knapp vor dem Aus gestanden. Inmitten der Wirtschaftskrise fallen Fördermittel des Landes weg, das Projekt steht auf der Kippe. Doch den Organisatoren gelingt es, einen Freundeskreis zu gründen, der das Gospelprojekt-Ruhr mit regelmäßigen monatlichen Beiträgen unterstützt. Ende 2008 kommt ein Kuratorium hinzu. Inzwischen ist die Krise längst passé.

Dass die Gospelsänger längst ein fester Bestandteil des Kulturlebens im Ruhrgebiet sind, stellen sie auch in Essen unter Beweis. Die bunte Mischung aus bekannten und selbst komponierten Weihnachtsliedern, traditionellen Gospelstücken und Pop-Soul-Nummern begeistert das Publikum. Bei Evergreens wie „Hark The Herald Angels Sing“, „Glory, Glory, Hallelujah“ und „Oh Happy Day“ hält eshält es niemanden mehr auf den Sitzen. Wer sich traut, singt sogar mit, bei Texthängern hilft eine überdimensionale Leinwand. So singt und feiert eine Riesengemeinschaft mit purem Spaß am Gesang.

Sonja Dudenbostel

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