Das aktuelle Wetter Essen 10°C
Musik

Kult-Inszenierung "Aida" am Aalto Musiktheater in Essen

26.03.2013 | 20:20 Uhr
Posieren auf Probe: Die Aalto-Kinderstatisten üben unter Anleitung von Matthias Koziorowski schon mal, wie man auf der Bühne später gut steht und das imaginäre Holzschwert zieht.Foto: Kerstin Kokoska

Essen.  „Aida“ hat Kultstatus am Aalto. Matthias Koziorowski, der als Kinderstatist begonnen hat, ist auch fast 20 Jahre später bei der Wiederaufnahme dabei. Mittlerweile ist der 26-Jährige allerdings Statistenführer im Aalto und studiert nebenbei Gesang an der Folkwang-Uni.

Wenn ein Bühnen-Skandal so beliebt wird, dass das Publikum auch nach fast 25 Jahren nicht genug hat von all den grellen Farben, den überbordenden Ideen und der längst zu Patina gewordenen Provokation, dann nennt man das eine Kult-Inszenierung.

„Aida“ ist Aalto -Kult. Keine Inszenierung hat im Essener Musiktheater länger überdauert als Dietrich W. Hilsdorfs Verdi-Schocker von 1989 mit seinen kuriosen Menschentieren, dem erotisch-circensischen Aufgalopp namens Triumphmarsch, den kunstvoll getürmten Leichenbergen, an die sich Matthias Koziorowski noch erinnern kann.

Gesangsstudium an der Folkwang-Uni

Koziorowski war damals eines der ersten „Aida“-Statistenkinder und ist über die ganze Aufregung ziemlich unbeschadet 26 Jahre alt geworden – und heute Statistenführer im Aalto . Ein dynamischer, sympathischer und organisationstalentierter junger Mann, den die Begeisterung fürs Opernfach langsam, aber dann so heftig gepackt hat, dass er inzwischen an der Folkwang-Uni Gesang studiert und bald sein erstes Engagement am Musiktheater Gelsenkirchen bekommt.

Am Samstag aber wird er bei der jüngsten „Aida“-Wiederaufnahme auf der Bühne stehen und sich fragen, welcher der 24 Kinder diesmal in seinem Fischerhemd steckt.

Ungereimtheiten an der Oper

Es ist ja nicht so, als würde an deutschen Opernhäusern nicht nachhaltig gedacht. Die Kinderkostüme, die an diesem Nachmittag auf die Probebühne geschoben werden, haben schon manche Buntwäsche hinter sich. Wenn man die Erfahrungen von Koziorowski zugrunde legt, stehen die Jungs und Mädchen, die zur Kostümprobe erschienen sind, nicht zum letzten Mal auf der Bühne.

Video
Im Aalto-Musiktheater soll Verdis "Aida" wiederaufgenommen werden. Doch den Essenern sind die Darsteller ausgegangen. Also bekamen 20 Erst- und Zweitklässler die Chance, sich bei einem Casting für eine Statistenrolle zu empfehlen.

  Für Koziorowski jedenfalls war „Aida“ der Einstieg wie für viele andere. Ein Drittel der „Parsifal“-Statisten seien so ans Aalto gekommen, erzählt er. „Fähnchenschwenken bei Aida ist bei uns der Klassiker.“Der ehemalige Goethe-Gymnasiast weiß viel über Aida, über das Aalto, über Oper überhaupt, „die ja immer ein bisschen unlogisch ist“, wie er seinen Schützlingen erklärt. Dass Tote hier immer noch sehr schön weitersingen, ist beispielsweise so eine Ungereimtheit. Wird von der kindlichen Psyche aber offenbar problemlos akzeptiert.

Kunsttod mit Ketchup

So seien wegen mancher plakativ geratenen Szene im „Rheingold“ sogar mal psychologische Gutachten für die Kinderstatisten erstellt worden. Ergebnis: Mit den Auswüchsen des postmodernen Regietheaters haben sie keine Probleme, solange „Fricka“ mit ihnen später in der Kantine ein Schälchen Pommes ordert. Kunsttod gut und schön, aber bitte mit Ketchup.

„Für Kinder hat das was von Abenteuerspielplatz“, findet Koziorowski. Einer, für den man sogar Taschengeld bekommt. Fünf Euro pro Probestunde, 15 Euro je Vorstellung. Kein Grund natürlich, sein Aida-Fähnchen ewig hochzuhalten. Aber aller Karriere-Anfang ist manchmal eben ein Holzschwert-Auftritt in Ramses’ Heer.

Schminktipps vom Profi

Martina Schürmann



Kommentare
Aus dem Ressort
Familie nächtigte mit Baby in leer stehendem Ladenlokal
Polizei
Eine Familie samt Kind hat sich an der Steeler Straße Zugang zu einem leerstehenden Ladenlokal verschafft und dort ihr Nachtlager aufgeschlagen. Ob sie dort eine Nacht verbracht haben oder bereits länger in dem Gebäude gewohnt haben, ist nicht bekannt. Die Polizei ermittelt wegen Hausfriedensbruchs.
A40 am Samstag in Essen-Ost nur einspurig
Autobahn
Auf der A 40 im Essener Stadtgebiet kann es am Samstag wieder zu Verkehrsbehinderungen kommen. Darauf weist der Landesstraßenbaubetrieb Straßen.NRW hin.
Ex-Katholikin darf auf jüdischem Friedhof beerdigt werden
Gerichtsurteil
Eine Ex-Katholikin darf neben ihrem Ehemann auf dem jüdischen Friedhof beerdigt werden. Dies haben jetzt Richter entschieden, nachdem sich die jüdische Kultus-Gemeinde mehr als drei Jahre energisch geweigert hatte. Ausschlaggebend für die Entscheidung war letztlich ein alter Vertrag.
Hooligans drohten Gewalt an - Ermittlungen eingestellt
RWE
Im Oktober 2013 sprengte eine gewaltbereite Gruppe die geplante Vorführung der Anti-Nazi-Dokumentation „Blut muss fließen - Undercover unter Nazis“ beim RWE-Fanprojekt der Arbeiterwohlfahrt in Essen. Wer dahinter steckte, bleibt unaufgeklärt. Der Staatsanwalt hat die Ermittlungen eingestellt.
Essener (23) rettet seinen Nachbarn aus brennender Wohnung
Lebensretter
Semir Mandaric (23) zog seinen schwer verletzten Nachbarn aus dem Feuer. Die Feuerwehr spricht von Anerkennung, gleichzeitig aber auch von viel Glück: „Er hätte auch zum tragischen Helden werden können.“ 55 Einsatzkräfte kämpften fünf Stunden mit den Flammen in Altenessen.
Umfrage
Die Evag unterhält 250 Überwachungskameras an ihren Bahnsteigen. Ncht alle zeichnen dauerhaft auf. Bis 2015 sollen alle Kameras rund um die Uhr filmen, die Daten für 72 Stunden gespeichert werden. Wie finden Sie das? 

Die Evag unterhält 250 Überwachungskameras an ihren Bahnsteigen. Ncht alle zeichnen dauerhaft auf. Bis 2015 sollen alle Kameras rund um die Uhr filmen, die Daten für 72 Stunden gespeichert werden. Wie finden Sie das? 

 
Fotos und Videos
Erinnerungen an den ersten Schultag
Bildgalerie
i-Dötzchen
Krayer Kinderfest
Bildgalerie
Großes Kinderfest
Die Lokwerkstatt der Bahn
Bildgalerie
WAZ öffnet Pforten
Schnippeln für den guten Zweck
Bildgalerie
Lebensmittel