Kuhn-Orgel im Scheinwerferlicht

Der Jubilar wurde in mystischem Blau angestrahlt. Zum Klingen brachte ihn Roland Maria Stangier, schließlich kennt der Kustos ihn besser als jeder andere. Der Philharmonie sind zehn Jahre Kuhn-Orgel Anlass genug, dem viel gerühmten Instrument eine ganze Konzertreihe zu widmen. Kompositionen der Romantik kehrten diesmal besonders die französisch-orchestrale Farbgebung hervor.

Musik von César Franck rahmte das Programm mit dem Choral Nr.3 als großer, klangopulenter Eröffnung und dem ruhigen, leisen Schluss von „Prélude, Fugue et Variation“ für Orgel und Klavier. Ja, Stangier war nicht nur Solist an diesem Abend, sondern suchte auch das Zusammenspiel mit anderen Instrumenten. Da fügte sich etwa Oboistin Sandra Schumacher geradezu wie ein Soloregister in den Orgel­sound ein, da badeten Florian Geldsetzer (Violine) und István-Alexander Gaal (Cello) gemeinsam mit dem Organisten im wohltönenden Melos einer Rheinberger-Suite.

Umgekehrt dampfte Stangier in Sigfrid Karg-Elerts „Silhouetten“ an der Seite von Pianist Thomas Klak die 4502 Pfeifen zur intim-verhangenen Klangminiatur eines Harmoniums ein – nicht der einzige Beitrag der großbürgerlichen Salonkultur. Aber ein Orgel-Großmeister wie Charles-Marie Widor erfreute die Besucher dann doch noch durch Virtuosität und strahlendes Prinzipalwerk.