Kufen (CDU) fordert Köpfe

Der Stadionneubau an der Hafenstraße bleibt ein Politikum.
Der Stadionneubau an der Hafenstraße bleibt ein Politikum.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
CDU-Fraktionschef Thomas Kufen fordert OB Paß auf, personelle Konsequenzen aus der „Stadion-Affäre“ zu ziehen und nimmt beim Ruf nach der Aufklärung auch auf Parteifreunde keine Rücksicht.

Essen.. Angesichts der finanziellen Ungereimtheiten um den Bau des neuen Fußballstadions an der Hafenstraße fordert der Fraktionschef der CDU und Oberbürgermeisterkandidat seiner Partei, Thomas Kufen, personelle Konsequenzen. Auf dem Kreisparteitag der Christdemokraten am Samstag in der Messe Essen (siehe Bericht unten) stellte Kufen die aus seiner Sicht rhetorische Frage, warum die Stadt sich noch nicht vom ehemaligen Geschäftsführer der Grundstücksverwaltung Essen (GVE) und Bauherrn des Stadions, Andreas Hillebrand, getrennt habe. Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) attestierte der Herausforderer mangelndes Interesse Licht ins Dunkel zu bringen.

Kufen drängte vor den 200 Delegierten auf eine rückhaltlose Aufklärung der Vorgänge, ohne Rücksicht auf Parteifreunde oder parteipolitische Befindlichkeiten. „Christian Hülsmann kann sich selbst verteidigen“, sagte Kufen in Anspielung darauf, dass offene Fragen um das Stadionprojekt in die Amtszeit Hülsmanns als Stadtdirektor fallen. Der Angesprochene, der die Leitung des Parteitages inne hatte, gab sich gelassen: „Ich bin da ganz entspannt. Ich habe im Zweifel das bessere Gedächtnis und auch die besseren Unterlagen“, entgegnete Hülsmann, vom Podium aus.

Weitere Details zu Honorarzahlungen

Wie berichtet, hatte Hülsmann im Gespräch mit der WAZ hervorgehoben, dass die Entscheidungen beim Stadionbau seinerzeit sehr wohl im Einvernehmen mit führenden Vertretern von SPD, CDU, Grünen und FDP getroffen worden seien. Ob aus Hülsmanns Unterlagen auch hervorgeht, wie die GVE der Unternehmensberatung Roland Berger 3,3 Millionen Euro für ihre Dienste rund um das Stadionprojekt zahlen konnte, bleibt bis auf weiteres unbeantwortet. „Warum hat da nicht einer die Reißleine gezogen?“, fragte Kufen.

Derweil werden immer weitere Details zu den Honorarzahlungen bekannt, die sich auf elf Rechnungen über einen Zeitraum von rund drei Jahren verteilen. So sollen vier Zahlungen über insgesamt 1,7 Millionen Euro durch GVE-Chef Hillebrand an ein und dem selben Tag angewiesen worden sein.

Aufsichtsrat nicht korrekt informiert

Die fragwürdigen Vorgänge um den Stadionbau nannte Kufen eine Katastrophe für die Stadt und eine Belastung für die Solidarität unter den NRW-Kommunen. Das gelte insbesondere für das Verhältnis zu jenen, die in den Stabilitätspakt des Landes einzahlen, aus dem Essen Millionen erwarten darf.

[kein Linktext vorhanden] Ob Oberbürgermeister Paß an SPD-Mann Hillebrand festhält und dieser zur Stadtverwaltung zurückkehren wird, dürfte davon abhängen, ob der Ex-GVE-Chef den Eindruck widerlegen kann, er habe den Aufsichtsrat über die Stadionkosten nicht korrekt informiert. Andernfalls, so ist im Rathaus zu hören, sei Hillebrand auch bei der Stadt nicht mehr zu halten.