Künstler Paul Schwer stellt im Schloss Borbeck aus

Paul Schwer in der städtischen Galerie Schloss Borbeck.
Paul Schwer in der städtischen Galerie Schloss Borbeck.
Foto: Funke Foto Services
Die Galerie Schloss Borbeck wird demnächst umgebaut. Für den Künstler Paul Schwer die Chance, mit seinen Installationen Grenzen zu durchbrechen.

Borbeck.. Nicola Ukic nutzte die städtische Galerie Schloss Borbeck bei seiner Skulpturen-Ausstellung „Blow up - Findlinge“ in gewohnter Art. Klaus Schmitt („17 zu 7“) ging danach bis an die Grenzen der Räumlichkeiten. Und Paul Schwer, dessen Ausstellung „Licht auf Waldboden“ am Samstag (6. Juni) um 17 Uhr eröffnet wird, geht im ursprünglichen Sinne über die Grenzen hinaus.

Der anstehende Ausbau der Galerie ermöglicht Paul Schwer, die räumlichen Grenzen zu durchbrechen. So wird eine Lichtschiene samt Neonröhre, die bisher unter der Decke ihren vorgesehenen Dienst tat, zu einer Rauminstallation, indem sie von der Zimmerdecke heruntergezogen wird und nun wie ein Wegweiser bis auf den Boden reicht. Die zwei großen Raumzeichnungen aus zusammengeschraubten Leichtmetallstücken aus dem Flugzeugbau, teils versehen mit gelben Reflektoren, vereinen klassische orientalische Ornamente wie sie typisch für Fliesen sind in sich. Die beiden Installationen – die eine wächst vom Boden eine Wand hinauf, die andere steht mitten im Raum, durchdringt mit ihren Enden die nahestehende weiße Wand – wirken zerbrechlich. Ein gewollter Effekt.

Für Paul Schwer hat dies eine politische Botschaft. „Ich will eine Verbindung zwischen dem anstehenden Umbau der Galerie hier und den Bedrohungen der Kulturgüter in den orientalischen Ländern herstellen“, sagt er. Noch deutlicher wird dies bei den Löchern in einer alten Wand der Galerie. Mit einem riesigen Bohrer hat er Löcher durch die tragende Wand gebohrt. Von weitem betrachtet, formieren sich die Löcher zu einem Sternenhimmel. „Es könnten aber auch Einschusslöcher sein“, erklärt Paul Schwer, der zurzeit die Folgen der kriegerischen Auseinandersetzungen täglich zu sehen bekommt.

Bis Ende Juni arbeitet der Künstler noch mit einem Stipendium der NRW-Kunststiftung in Istanbul. „Überall in der Stadt sieht man syrische Flüchtlinge“, sagt Paul Schwer, der seinen Bosporus-Aufenthalt für die Ausstellung in Borbeck ein paar Tage unterbrochen hat. Den Titel der Ausstellung, „Licht auf Waldboden“, findet der Betrachter am stärksten bei zwei großen Fenstern wieder, die einen großzügigen Blick auf das Gelände auf der Rückseite des Gebäudes gewähren. Paul Schwer hat zwei übergroße, milchige Well-Polyester-Rechtecke aus dem Bauhaus vor die Fenster gestellt. Je nach Lichteinfall und Tageszeit verändert sich so das Grün der Bäume und Sträucher. Davor liegen Bruchstücke aus der durchbohrten Wand.

An welchem Tag die Ausstellung von Paul Schwer enden wird, steht nicht fest. „Bis zum Umbau“ heißt es auf der Einladung zur Vernissage. Ende August wird seine Kunst aber wohl für mehr Raum Platz machen müssen.

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