Kritik

Mit einem spannenden Kammerspiel des britischen Vielschreibers Alan Ayckbourn hat das Kleine Theater am Gänsemarkt Premiere gefeiert: „Falsche Schlange” bietet routinierte Krimikost mit einer dreifachen Prise Zickenkrieg.

Der Tod ihres Vaters bringt die herzkranke Annabel zurück ins Elternhaus. Die Freude, ihre Schwester Miriam wiederzusehen, die sich bis zuletzt um den Vater gekümmert hat, wird jedoch bald getrübt: Denn die ehemalige Pflegerin Alice taucht auf und beschuldigt Miriam, den Vater umgebracht zu haben. Ein Brief des Vaters soll die Tat belegen. Da Miriam beinahe mittellos ist, verlangt Alice für ihr Schweigen 100 000 Euro von Annabel.

Ayckbourn versteht sein Handwerk: Er würzt sein, im Garten des Elternhauses angelegtes, Verwirrspiel mit schwarzem Humor, einer Prise Küchenpsychologie und der einen oder anderen Wendung.

Regisseurin Petra Broszeit konzentriert sich dabei vor allem auf das Psychospiel zwischen den Schwestern: Barbara Winter lässt ihre Miriam zwischen gefährlichem Wahn und kindlicher Naivität pendeln. Den passenden Kontrast dazu bietet Iris Wendel, die Annabels Fassade als reife, aufgeklärte Frau spürbar bröckeln lässt. Kalt berechnend und unnahbar wirkt Birgit Wendt als Alice Moody.

Wenngleich sich die Pointe schon früh ankündigt, macht es Spaß, dem Trio zuzuschauen.