Kritik an Sonntagseinkauf wächst auch in Essen
05.02.2012 | 18:46 Uhr 2012-02-05T18:46:00+0100
Was den Sonntagseinkauf angeht, ist Essen gegenüber der Nachbarstadt Bochum klar im Vorteil. Dort hat der Rat der Stadt das Wochenend-Vergnügen schlicht verboten. Doch auch in Essen ist die großzügige Sonntagsregelung umstritten.
Schadenfreude ist anscheinend immer noch die schönste Freude: „Wir danken den Bochumern für den Wettbewerbsvorteil zu Gunsten der Essener City und unserer Stadtteilzentren“, feixte jüngst Hans-Peter Schöneweiß. Der FDP-Fraktionschef im Rat spielt auf einen Ratsbeschluss in der Nachbarstadt an, der die verkaufsoffenen Sonntage in Bochum komplett verbot. Ob der liberale Triumph von langer Dauer ist, steht allerdings auf einem anderen Blatt. Denn auch unter den hiesigen Ratsfraktionen ist die in Essen sehr großzügige Sonntagsregelung zunehmend umstritten - und das Bochumer Vorgehen könnte den Trend zur Verschärfung weiter anheizen.
Auffallend ist die Unaufgeregtheit, mit der die CDU das Thema behandelt, obwohl der Sonntag einer Partei mit christlichen Wurzeln durchaus heiliger sein könnte. Nur einer in der 26-köpfigen Ratsfraktion, Dirk Kalweit aus Kupferdreh, hält die Zahl von 36 Ausnahmegenehmigungen in Essen für entschieden zu hoch. Zum Vergleich: In Bochum waren schon 13 zu viel.
Ganz wohl ist CDU-Fraktionschef Thomas Kufen allerdings nicht: „Mehr sollten es in Essen wirklich nicht werden, eher weniger.“ Das Problem sei, eine einmal gewährte Tradition wieder einzusammeln. „Da will natürlich keiner der Buhmann im Stadtteil und für die Einzelhändler sein.“ Vier verkaufsoffene Sonntage pro Jahr gibt es in der City, in jedem der neun Stadtbezirke dürfen es ebenfalls bis zu vier sein - nicht alle schöpfen das aus, in einigen Stadtteilen aber würden um jeden Preis Anlässe gesucht, um die Sonntagsruhe möglichst oft zu umgehen. Mitunter reiche „das fünfjährige Jubiläum einer Pommesbude“, ätzt Linken-Fraktionschef Hans-Peter Leymann-Kurtz.
Sonntagseinkauf kommt bei Kunden gut an
Pragmatiker Kufen verweist auf „die Abstimmung mit den Füßen“, sprich: Wo auch immer sonntags geöffnet ist, sind die Händler am Abend glücklich, weil die Leute den Sonntagseinkauf rege annehmen. Auch die Essener SPD lässt das nicht kalt. Vor die Wahl gestellt, entweder alle 36 Veranstaltungen zu genehmigen oder wie in Bochum gar keine, habe die überwältigende Mehrheit in der Fraktion nicht der Spielverderber sein wollen, berichtet Fraktionsgeschäftsführer Roman Brüx. Allerdings stütze die SPD die Absicht der Landesregierung, „Wildwuchs“ abzustellen und im Sinne des Arbeitnehmerschutzes eine gesetzliche Regelung zu finden.
Deutlich harscher zur Sache gehen die Grünen, die Arbeitnehmer- und Sonntagsschutz verbinden, um sich „Seite an Seite mit den Gewerkschaften und Kirchen“ zu verbünden . Banale Anlässe wie die Eröffnung eines Supermarktes in Altenessen oder ein Kürbisfest „müssen nicht zwingend von Ladenöffnungen begleitet werden“, moniert Ratsfrau Elisabeth van Heesch-Orgass. Zwar sei die Bochumer Ratsentscheidung sehr radikal und insofern kein Vorbild für Essen, doch restriktiver als jetzt müsse es künftig in jedem Fall zugehen. Das findet auch EBB-Fraktionschef Udo Bayer, der einer „moderaten Rücknahme“ das Wort redet.
„Keine Notwendigkeit für Änderungen“ sieht hingegen Essen-Marketing-Geschäftsführer Karl-Heinz König und weiß sich einig mit den Interessenverbänden der jeweiligen Stadtteil-Geschäftsleute . Dort sind die Sorgen groß, zugunsten der Innenstadt hinten rüber zu fallen, wenn die Zahl der verkaufsoffenen Sonntage erst zusammengestrichen ist.
10:54
Korrekter Kommentar, so und nicht anders sehe ich das auch.
18:03
Sind die EssenerInnen bzw. die BürgerInnen in Deutschland wirklich nicht mehr in der Lage, den Sonntag mit anderen Dingen zu füllen als einkaufen zu müssen?
Deutschland ist Reiseweltmeister, Exportvizeweltmeister. Soll jetzt der Titel Sonntagskäuferweltmeister dazukommen? Was ist die Ursache dafür, dass viele Menschen sich nicht mehr anderweitig beschäftigen können als ausgerechnet am Sonntag einzukaufen. Angeblich gehen die Einkommen doch zurück.
Hier ein Zitat von Frank Zappa (Popmusiker): Kein Virus verbreitet sich weltweit schneller als die Dummheit.
15:32
Großes Lob für den Bochumer Rat.
Vielleicht kann Essen diesem Beispiel für mehr Menschlichkeit folgen!?
Werte (?) FDPler, es müssen nicht immer die Dummen die Welt regieren!!!!
15:13
Hohes Lob für Bochum!!!
Essen darf gerne folgen-es ist nicht verboten,sich guten Ideen anzuschließen.
Ganz toll finde ich Herrn Kalweit-offenbar ist er das einzige CDU-Mitglied,das das Grundsatzprogramm seiner Partei kennt.Ganz schrecklich finde ich die EMG-wozu braucht man diese Leute überhaupt?
14:56
Ganz einfache Lösung: Wir führen einen achten Wochentag ein, an dem dannkonsequent Ruhetag ist. So ist allen geholfen! Von Montag bis Sonntag kann man einkaufen gehen und am achten Tag sollst du ruhen. Man müsste sich nur darauf einigen, wie man diesen Tag nennt. Vielleicht Achttag oder Tranquillitag, Fiestag ginge auch.
13:35
Niemand ist gezwungen an Sonntagen zu öffnen. Das ist das eine . Das andere warum an einigen Sonntagen geöffnet wird,ist der Zweckverband der Einzelhändler ,welche beschließen an bestimmten Sonntagen zu öffnen um Kunden in ihre Geschäfte zu locken,welche an den normalen Tagen daran vorbei gehen und lieber in Einkaufzentren ihr Geld auszugeben.
Wenn man dann Montags in der Zeitung liest,wie erfolgreich der verkaufsoffene Sonntag war ,dann ist den meisten Menschen der Sonntag als Ruhetag,wie es die Kirchen fordern ,doch vollkommen egal . Man sollte auch mit der Heuchelei aufhören den Sonntag als Tag der Gläubigen hinzustellen an dem die Geschäfte geschlossen zu bleiben haben .. Denn wenn alle so gläubig sind wie vorgeben ,dann frage ich mich wieso immer mehr Kirchen geschlossen und abgerissen werden.
Also hört doch mit der Doppelmoral auf. Ich möchte dafür wetten das mindestens die hälfte derer die sich über den Sinn und Unsinn eines verkaufsoffenen Sonntag auslassen,die jenigen sind die dann im Urlaub in der Mittelmeerländern oder andere Urlaubsziele sich tierisch darüber aufregen das die "faulen " Einwohner es wohl nicht nötig haben am Sonntag oder am Samstag geöffnet zu haben ,um eben dem Touristen mal eben eine Tüte Erdnüsse , Pistazien oder eine Flasche Wasser zu verkaufen.
13:34
Sonntag muss ein Tag sein, an dem a l l e offen haben, Banken, Behörden, Werkstätten und auch der Betrieb, im dem S i e arbeiten. Und bei der Gelegenheit schaffen wir auch alle kirchlichen Feiertage ab,einschließlich Weihnachten, ist sowieso kein Mensch mehr religiös. Dann haben alle irgendwann Zeit einzukaufen, denn das einkaufen ist, vielleicht neben dem Blödball für viele das wichtigste im Leben. Arme Menschen...
13:19
Sonntag muss ein Tag sein an dem Geschäfte OFFEN HABEN !!!
Viele haben in der Woche keine Zeit, also schau Samstag alles VOLL!
So muss auch Sonntag auf sein!
Religion: EGAL!
Umsatz der Verkäufer: HOCH!
Verlust der Käufer: KEINEN!
12:35
das sie behaupten Sonntags arbeiten mehr als an anderen Tagen ?
12:22
"Lobbyist der Handelskonzerne"? Muhahaha, ich lach mich hier gleich scheckig. Wobei, besser nachher mal Kontoauszüge ziehen, vielleicht hab ich ja was nicht mitbekommen...