Kritik an Ein-Euro-Jobs empört Stadtspitze
03.10.2010 | 13:25 Uhr 2010-10-03T13:25:00+0200
Essen. Mit ihren deutlichen, von Statistiken untermauerten Aussagen über die Schwächen der bisherigen Arbeitsmarktpolitik in Essen hat Arbeitsagentur-Chefin Katja Wilken-Klein in der Rathaus-Spitze und bei CDU- wie SPD-Politikern einen Sturm der Entrüstung ausgelöst.
Sie weisen den Vorwurf, es gebe erhebliche Fehler bei der Betreuung von Arbeitslosen in Essen, entschieden zurück.
Arbeitsagentur-Chefin Katja Wilken-Klein stützt sich bei der Analyse der Essener Schwächen auf ein neues Analyse-Instrument aus Nürnberg: Dem regionalen Arbeitsmarkt-Monitor. Diese Datenbank entlarvt Strukturmängel einer Stadt im Vergleich zu anderen Kommunen.
„Die Stadt Essen kann auf rund 30 Jahre erfolgreicher Arbeitsmarktpolitik für Tausende von Menschen zurückblicken. Sie ist gemeinsam mit allen konstruktiven Partnern im Essener Konsens fachlich hoch qualifiziert“, sagen Oberbürgermeister Reinhard Paß (SPD) und Sozialdezernent Peter Renzel (CDU).
Die Agentur-Chefin hatte anhand neuester Statistik-Modelle aus Nürnberg Defizite analysiert: Essen stecke mit über 40 Prozent der Bundesgelder zu viel Geld in Arbeitsbeschaffungsmaßnahmen und Ein-Euro-Jobs ohne berufliche Perspektive. Essen habe deshalb mit 22 Prozent eine sehr niedrige Quote an erfolgreichen Eingliederungen von Arbeitslosen. Essen müsse künftig viel stärker Arbeitslose qualifizieren als bisher.
Die Stadt argumentiert dagegen, unter den 27 000 Langzeitarbeitslosen seien viele aus mehreren Gründen schwer vermittelbar: Sie seien älter, ohne Schulabschluss, und lange Zeit dem Arbeitsleben entwöhnt. Man müsse sie erst an einen geordneten Tagesablauf gewöhnen. Dafür seien „Gemeinwohlarbeiten“, die im Volksmund „Ein-Euro-Jobs“ heißen, als „letztes Instrument“ gut geeignet.
Städtische Fachleute beteuern zudem, man habe bereits einen Kursschwenk eingeleitet: Früher habe man 55 Prozent der Mittel für ABM und Ein-Euro-Jobs ausgegeben, heute seien es nur 42 Prozent.
CDU-Fraktionschef Thomas Kufen meint zwar, dass Stadt und Agentur in der Analyse des Arbeitsmarktes nicht weit entfernt lägen, doch Vorgehen und Wertungen von Wilken-Klein seien nicht hinnehmbar. „Sie disqualifiziert ihre eigene Arbeit, die der Agentur und die Tätigkeit ihrer Amtsvorgänger. Das Vertrauensverhältnis ist gestört.“
„Wild schlagend“
CDU-Sozialexpertin Jutta Eckenbach betont, „für die CDU hat die Qualifizierung der Langzeitarbeitslosen stets oberste Priorität gehabt“. Daher wolle Essen Optionskommune werden und Langzeitarbeitslose künftig alleine ohne Arbeitsagentur betreuen.
Britta Altenkamp, SPD-Landtagsabgeordnete und Aufsichtsratschefin der Essener Beschäftigungsgesellschaft EABG, unterstellt der Arbeitsagentur-Chefin gar Rachegelüste. „Offenbar hat sie nicht überwunden, dass Essen Optionskommune werden will.“ Der Konflikt sei unnötig. Wilken-Klein kritisiere „wild um sich schlagend die bewährte und im Konsens praktizierte Essener Arbeitsmarktpolitik“.
Als „nicht nachvollziehbar“ bezeichnete auch SPD-Fraktionsvize Rainer Marschan die Kritik von Wilken-Klein. „Die Jobcenter haben bisher auch in der Kooperation mit der Bundesagentur einen hervorragenden Job gemacht.“
20:03
Erschreckend das mangelnde Wissen der Stadtoberen! Oder doch Vorsatz? Sollte die Stadt Essen tatsächlich Optionskommune werden, wird es nicht nur Nachteile für die Arbeitslosen, die Mitarbeiter und die Essener Bürger bringen! Da wir nun mal in einem Ballungsgebiet leben werden auch die umliegenden Kommunen/Jobcenter die Egoismen der Stadtverantwortlichen zu spüren bekommen. Stichwort Umzüge, Datenübermittlung, Amtshilfe......! Die Liste ließe sich beliebig fortsetze. Wann fangen die Verantwortlichen endlich mal an Politik für die Menschen zu machen?
12:55
@27! Genau
12:42
Unteranderem haben auch die Stadt und die Agentur für Arbeit und die JobCenter schuld.
Bieten Sie weder eine vernünftige Umschulung an, noch an die richtigen Leute!
Im Übrigen haben auch die Schuld, die Dampinglöhne anbieten und die, die sich mit Dampinglöhnen abspeisen lassen.
Außerdem, will jeder Arbeitgeber, junge Leute, höchstalter 21mit einer Berufserfahrung von 30 Jahren!
Es kommt aber auch wieder darauf an, was an Stellenangebote am Markt sind und welche Ausbildung der Arbeitslose hat!
Da tritt dann wieder der Mangel an Umschulungsplätze in Kraft.
Ich kann nicht alle Langzeitarbeitslose zur sogenannten Neuen Arbeit schicken, wo reguläre 400,- € Jobs in 1,25 € Jobs umdeklariert werden, schicken.Ich muß vielleicht auch mal auf die Wünsche der Arbeitslosen eingehen.
Aber Ihrer Meinung nach, hat man schon sein vorrecht sich die Arbeit o.die Umschulung, nach den eigenen Interessen auszusuchen, verwirkt, sobald man Arbeitslos wird.
Und eben, weil Langzeitarbeitslose weder dauer besoffen noch Doof sind, nehmen sie die Zwangs-, bzw. Sklavenarbeiten der Neuen Arbeit nicht an!
Und das ist ihr Recht!!!
11:33
... dann sagen SIE mir warum 27.000 nicht vermittelbar sind und 42.000 extra zum arbeiten nach Essen kommen!
jetzt warte ich nur noch darauf dass die Agentur oder Stadt die Schuld trägt!
11:16
@24 von observer , eigentlich ist Ihr Kommentar nur eine Riesengroße Frechheit!Gespickt von Beleidigungen und Diffamierungen!
10:15
@2:
Das hat nichts mit Volksverhetzung der H4ler zu tun, es ist Fakt, behaupte ich mal polarisierender Weise, dass von den 27.000 Langzeitarbeitslosen eine große Menge einfach blöd ist, ungebildet, ungeschult, oftmals mit Tausend Wehwehchen, Alkoholproblemen, ohne Führerschein und was es sonst noch für Hindernisse gibt, die eine Arbeitsaufnahme erschweren! Wir haben 42.000 Pendler, also wesentlich mehr als Langzeitarbeitslose, die tagtäglich nach Essen zum arbeiten kommen! Warum können dann die 27.000 H4ler nicht untergebracht werden? Vielleicht weil sie nicht das Anforderungsprofil besitzen?!
Ich denke, dass viele H4ler sich früher in den klassischen Einfach-Jobs tummelten, die Stadt hingegen ist immer mehr zur Dienstleistungs/Verwaltungsmetropole geworden und die Stellen der Hilfsarbeiter/Produktionshelfer etc. zurück gegangen. es gibt heute kaum mehr Jobs in denen man talentfrei unterkommen kann. Das ist das eigentliche Problem und deshalb muss man einfach sagen, auch wenn man sicherlich nicht Alle über einen Kamm scheren kann: Der Großteil derer die Langzeitarbeitslos sind, sind nun mal nicht qualifiziert genug, sei es im KnowHow oder halt im Oberstübchen! Also hört auf zu meckern un nehmt das mal zur Kenntnis und labert nicht von zu wenig Qualifizierung! Amen.
15:46
Tja, da kommts raus, wie verkrustet, rückständig und lebens- und realitätsfremd die sogenannten Politiker sind und was diese oft verbeamteten und eigentlichen Schmarotzer unserer Gesellschaft auf dem Kasten haben. Hauptsache, deren Bezüge und Pensionen sind sicher. Aber denkste!
Die werden sich noch umgucken. Armes Essen, eine Stadt von biedermaierlichen Oberspießern und Wegsehern.
13:38
Wir reden hier von LANGZEITARBEITSLOSEN, die das letzte mal in den 80ern die Schippe in der Hand hatten Hinzu kommt noch, dass von diesen bestimmt 80% keine Berufsausbildung haben, oftmals auch keinen Schulabschluss! Wie will man diese Menschen denn qualifizieren? Sie müssen doch erst mal wieder lernen die Schippe in die Hand zu nehmen, einen Rythmus für eine sozialversicherungspflichtige Beschäftigung bekommen! Das geht aber nicht bei einem normalen Unternehmen, die wollen direkt 100% Einsatz haben, also übt man in der Gemeinwohlarbeit ohne Verzicht auf die H4-Bezüge! Das ist keine Abzocke, sondern für Viele überhaupt noch eine Chance aus dem Sumpf zu kommen! Abgesehen davon das Ausnahmen die Regel bestätigen, aber das gibt es ja überall!
Fakt ist, und da ist eine Lösung wirklich schwer: Im Zeitalter wo für solide Handwerkerlehren bereits bevorzugt Abiturienten genommen werden, haben wir einfach zu viele Unterqualifizierte in der Republik!
13:27
Es ist schade, dass Frau Wilken-Klein erst jetzt mit diesen Zahlen auf den Markt kommt. Dass sie mit den Fakten
richtig liegt, merkt man an den Reaktionen der bei den bekannten Trägern involvierten Ratsherren. Es kann doch
nicht sein, dass durch den Essener Konsens der Wettbewerb um Lösungen und Vermittlungen unterbunden wird,
indem man die Langzeitarbeitslosen immer durch die Fachstellen bei EABG, Jugendhilfe und Diakonie schleust.
Nur bei den fast Unvermittelbaren bedient man auch noch einige andere Träger, die in das direkte Umfeld der
städtischen Sozialklüngelei zählen und steckt sie in die Zentren zur Joborientierung. Die meisten Fallmanager
und Vermittler lässt man aber nur höchst ungern in die gewerblichen Unternehmen, um nur ja die direkten
Kontakte und Arbeitsvermittlungen den Fachstellen zu überlassen. Nur deshalb können deren Zahlen auch nach
außen als so positiv verkauft werden. Hier wurde bereits eine parallele Verwaltungsstruktur neben dem Jobcenter
aufgebaut, die einen erheblichen Anteil des Eingliederungsbudgets über Trägerpauschalen für jeden
Langzeitarbeitslosen zusätzlich verschlingt. Interessant wäre in diesem Zusammenhang zu klären, wieviel
Gärtner noch bei der Diakonie ungefördert beschäftigt sind und wieviel soziale Träger für die eingesetzten Ein-
Euro-Jobber bei Privatpersonen abkassieren. Auch die Personalfluktuation scheint bei den Trägern sehr hoch, da
das Führungspersonal überdurchschnittlich gut und das wirklich engagierte Personal mit Zeitverträgen
überdurchschnittlich schlecht, teilweise sogar als Übungsleiter (Studenten) oder Minijobber bezahlt werden. Die
entstandenen Gewinne werden dann in Dienstwagen oder in Immobilien versteckt statt dass von dem Geld
Menschen mit geringen Chancen sozialpflichtig beschäftigt werden. Auch die Instrumente Jobperspektive und
Bürgerarbeit werden aus diesen Gründen in Essen nicht (mehr) eingesetzt, da sie den Trägern keine Gewinne
mehr bringen. Es ist eine Schande, dass Essen in Zukunft die Sozialkohle nur noch innerhalb des Klüngels
verteilen will ohne Rücksicht auf die Menschen, die unsere Unterstützung wirklich brauchen.
12:56
Das ganze Thema kommt doch nur auf, weil die Agenturchefin die Fakten mal beim Namen nennt.
Fr.Altenkamp und Herr Lorch sehen das natürlich ganz anders. Scheinen ja auch interessengeleitet. Je mehr Personen bei Ihnen in der EABG betreut werden, desdo sicherer Ihre Arbeitsplätz und hohen Gehälter. (Geschäftsführer EABG ca. 161.000 Euro und ein tolles Auto). Wir zahlen es ja.