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Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter

09.02.2011 | 09:51 Uhr
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
Thyssen Krupp sponsert keine Profi-Sportvereine.

Essen.Die Essener Sportvereine profitieren kaum von den großen Konzernen in der Stadt. RWE hofft auf einen Wandel und setzt auf den Faktor Emotion. Dass etwa Evonik Bundesligist Borussia Dortmund unterstützt, enttäuscht die Fans an der Hafenstraße.

Der überdimensionale Scheck, den Sparkassen-Vorstand Hans Martz jüngst beim Neujahrsempfang des Essener Sports in der Messe Essen entgegen nahm, war nicht für den Bankschalter ausgestellt, sondern für die Fotografen. Über 3835 Euro durfte sich Martz in seiner Eigenschaft als Vorsitzender des Vereins zur Förderung des Leistungssports dort oben auf der Bühne freuen - erzielt aus dem Losverkauf beim Ball des Sports. 350 Gäste spendeten Applaus. Eine nette Geste, und doch war der Tombola-Erlös nicht viel mehr als ein sprichwörtliche Tropfen auf den heißen Stein angesichts von 100 000 Euro an Spenden, die der Verein einsammelt und sich dabei von Jahr zu Jahr schwerer tut.

Mit Werbeplakaten wie diesen setzt Rot-Weiss Essen auf Emotionen.

Sport und Sponsoren - in Essen, der selbsternannten Sportstadt, scheint dies ein besonders mühsames Geschäft zu sein. Das mag daran liegen, dass Essener Sportler Spitzenleistungen vor allem in jenen Disziplinen erbringen, die es allenfalls bei Olympia, bei Welt- und Europameisterschaften in den Fokus der breiten Öffentlichkeit schaffen: im Schwimmen, im Kanusport oder beim Rhönradfahren zum Beispiel. In populäreren Sportarten wie Fußball, Handball oder Eishockey kämpfen selbst Traditionsvereine ums Überleben, siehe Tusem, Moskitos oder Rot-Weiss Essen.

Ja, ohne die finanzielle Unterstützung der städtischen Tochtergesellschaften wären die Lichter wohl nicht nur an der Hafenstraße längst ausgegangen; auch dies führte der Neujahrsempfang der sportinteressierten Öffentlichkeit vor Augen. Der Dank galt der Sparkasse , den Stadtwerken, den Entsorgungsbetrieben und ihren Schwestergesellschaften aus dem großen Konzern Stadt, was das finanzielle Engagement der vielen kleinen und mittelständischen Unternehmen nicht schmälern sollte, aber dennoch alles sagt.

Workshops zum Thema „Sportevents und Metropolstrategien“

Sportjahrbuch 2010

Mit 1,5 Millionen Euro pro Jahr fördert allein die Sparkasse den Sport in Essen, wobei sich das Geldinstitut aufgrund seines öffentlichen Auftrages naturgemäß leichter tut, Zahlen preiszugeben. Andere sind da weniger auskunftsfreudig. Auch weil man keine „Neiddebatte“ entfachen möchte, wie es heißt.

Sehnsüchtig schauen Interessenvertreter und Vereinsvorstände deshalb in Richtung der großen Konzerntürme. „Was wäre doch alles möglich“, dachte sich Espo-Geschäftsführer Wolfgang Rohrberg als sein Blick während eines Workshops zum Thema „Sportevents und Metropolstrategien beim Regionalverband Ruhr (RVR) an den Bürotürmen in der Innenstadt heften blieb. Bundesweit stehe das Ruhrgebiet bei Sportgroßveranstaltungen an der Tabellenspitze, bekam Rohrberg da wissenschaftlich untermauert dargelegt, und dies im Bewusstsein, dass es im Tabellenkeller doch ziemlich düster aussieht, wenn es vor Ort um die Vermarktung geht. Rohrberg erinnert sich noch gut, wie die Stadt sich bemühte, die Namensrechte für die schmucke Sportanlage Am Hallo an einen Sponsor zu vergeben. „Interesse? Null! Obwohl gleich drei Bundesligavereine ihre Spiele Am Hallo austrugen.“ Eine Erfahrung, die die Verantwortlichen in Politik und Verwaltung angesichts einer Investition von 30 Millionen Euro in ein neues Stadion an der Hafenstraße nicht in Euphorie versetzen dürfte.

E.ON Ruhrgas engagiert sich lieber im Kultursponsoring. Foto: Kerstin Kokoska

Wie aber macht sich eine Sportart, wie ein Verein für zahlungskräftige Geldgeber interessant? Für den NRW-Ligisten Rot-Weiß Essen ist es eine Überlebensfrage, will der Club nicht auf immer und ewig in den Niederrungen der Amateurligen verschwinden, weiß Michael Welling. Der Vorstandschef von RWE kennt sich um Marketing-Geschäft, war selbst bei einer Sportagentur tätig, bevor er an der Hafenstraße anheuerte. Als dort vor Saisonbeginn der aktuelle Tabellenführer der Fußballbundesliga, Borussia Dortmund, zu einem Freundschaftsspiel auflief mit dem Schriftzug „Evonik“ auf den Trikots, zeigten sich RWE-Fans empört: „Warum sind die nicht bei uns auf der Brust?“

„Unsere Hauptzielgruppe sind die Fans“

Video
Was sagen die treuen Anhänger zur Krise? DerWesten hat sich umgehört: Bei Fans mit Herzblut.

Dass der Essener Konzern in Sachen Werbung „fremd geht“, überrascht Welling nicht. „Ein Sponsor stelle sich die Frage, wie er seine Ziele am besten erreichen kann.“ Evonik will sich als kreatives, innovatives Unternehmen darstellen und hat in der jungen, erfrischend aufspielenden Dortmunder Mannschaft den perfekten Botschafter gefunden. Ein Glücksfall, wie Markus Langer, bei Evonik verantwortlich für Marketing und PR, einräumt. Es gehe um Leistung und Gegenleistung, sagt Welling. Nur die Hand aufhalten und ein paar Transparente aufhängen, das sei nicht genug. Eine Erkenntnis, die längst noch nicht bis zu jedem Verein durchgedrungen sei, wie es aus dem Kreise der städtischen Tochtergesellschaften mit hörbarem Bedauern heißt.

Auch bei Rot-Weiss Essen hatte sich Evonik engagiert. „Leider war das Engagement wenig erfolgreich“, bedauert Langer und nennt die sportliche Talfahrt sowie Querelen in der Vereinsführung als Ursachen. Dass der Konzern den Traditionsverein noch einmal unterstützten könnte, schließt Langer aus, das gelte auch für das Stadionprojekt. „Wir konzentrieren uns auf Leuchtturmprojekte“, so Langer.

Übersetzt heißt das: RWE ist ein zu kleines Licht. Welling will sich davon aber nicht entmutigen lassen. Aktuell bastelt er an einem neuen Marketingauftritt, mit viel Selbstironie will er zeigen, was RWE so einzigartig macht: Leidenschaft, Leidensfähigkeit. „Unsere Hauptzielgruppe sind die Fans“, betont Welling und zeigt sich optimistisch, darüber den Zugang in die Zentralen zu finden: „Ohne Fans keine Sponsoren.“

Dass es um mehr geht als um Fußball, vor allem für die Jugend, ist die zweite Seite einer Medaille. Mit dem RWE-Konzern , langjähriger Sponsor der Nachwuchsarbeit von Rot-Weiss, weiß der Verein zumindest eines der großen Essener Unternehmen an seiner Seite. Und die anderen? Thyssen-Krupp unterstützt die olympischen Ruderer und aus Tradition den Breitensport beim Etuf. Profivereine, und als solchen stuft Thyssen-Krupp auch RWE ein, bekommen nichts. Und Eon-Ruhrgas unterstützt lieber die schönen Künste und setzt beim Sport allein auf Biathlon. Schade eigentlich, dass es in Essen so selten schneit.

Marcus Schymiczek

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Kommentare
18.04.2011
00:16
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von samson84 | #32

Stimmt, RWE verschleudert das Geld seiner Kunden nicht sinnlos, es bereichert sich sinnlos durch das Geld seiner Kunden.
RWE ist und bleibt ein kapitalistisches und unsoziales Unternehmen.
Und deshalb möchte ich auch keine RWE-Werbung auf rotweissen Trikots!

10.02.2011
21:43
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von 1980yann | #31

@25/26 grindhouse
Die Behauptung, Evonik stünde bei Rot-Weiss-Essen in der Kreide stammt von xyleser - das ist ein zweiter User, der sich vor Ihnen dazu schön geäußert hat. Deshalb standen zwei @s über dem Absatz.
Also: haben Sie jetzt Anzeige erstattet wegen dieses Deals? Sie haben ja offenbar Kenntnisse einer Straftat.

@28
Das ist keine Namensgleichheit - das ist eine Abkürzungsgleichheit. Und welches erfolgreiche Unternehmen hängt schon gerne an die große Glocke, dass die eigene Marke durch irgendeinen Provinzligisten verwässert und geschädigt wird. Nicht dass noch jemand auf die Idee käme, bei RWE gäbe es ein ähnliches Finanzgebaren wie bei Rot-Weiss-Essen.

Schön, dass RWE das Geld seiner Kunden nicht mehr sinnlos verschleudert.

10.02.2011
01:49
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von theorethisch | #30

Muß ich mit meiner Stromrechnung auch noch den Fußball mitfinanzieren, der mich nicht im geringsten interessiert.
Für die Polizeieinsätze werde ich doch auch schon über die Steuer wiederwillig abgemolken.

Die Fans sollten den gesamten Fußball finanzieren,
denn mit Sport hat dieses Millionärsgetummle auf dem Rasen nichts mehr zu tun.
Eine Weide voller grasender Kühe tönrt mich mehr an als dieser korrupte UNSPORT:

09.02.2011
23:48
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von Ehemaliger_Essener | #29

Achja, jetzt hat es endlich mal wer auf den Punkt gebracht.
Danke Vanagas!

09.02.2011
22:44
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von Vanagas | #28

Negativ unvergessen auch die über 30 Millionen € die alleine das Rheinisch - Westfälische Elektrizitätswerk von 2000 - 2007 in die Trikotwerbung eines Plastikvereins am Rhein steckte .
Damals spielten die Roten in der 3 . Liga .
Mit dem Geld und einem soliden Concept wären die Roten in 2 - 3 Jahren in der 1 . Liga gewesen .

Wie man diese Namensgleichheit der beiden RWE Marketingtechnisch deutschland - und europaweit brachliegen lassen kann , ist schon unglaublich !

Danke für Nichts , Rheinisch - Westfälisches Elektrizitätswerk !

09.02.2011
18:59
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von Ehemaliger_Essener | #27

Ich habe keine Lust jetzt zu suchen. Wann war denn damals? Ohne zu suchen tippe ich mal auf mindestens drei Jahre zurück.
In der Verwaltung ist das eine umgeschlagene Aktenseite, in der Wirtschaft ein Jahrhundert.

09.02.2011
18:54
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von grindhouse | #26

außerdem hat Evonik diese Zusage der Stadt gegenüber gemacht, und nicht dem Verein. Schließlich ist die Stadt der Bauherr und nicht der Verein. Dementsprechend ist ihre Anmerkung bzgl. des Insolvenzverwalters nur heiße Luft.

09.02.2011
18:51
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von grindhouse | #25

#23

über den Deal hatte seinerzeit die WAZ (derwesten.de) berichtet. Den entsprechenden Artikel sollten sie mit etwas Suche hier bei derwesten.de finden können, sofern dieser Artikel noch online verfügbar ist.

09.02.2011
17:29
Konzerne zeigen Essener Sport die kalte Schulter
von Ehemaliger_Essener | #24

@23 1980yann
Sie haben mir aus der Seele geredet.
Danke dafür!

09.02.2011
17:18
Essener Vereine profitieren kaum von Konzernen
von 1980yann | #23

Die ganze Diskussion ist doch absurd. Aus der Tatsache, dass die Register, in denen ein Verein und eine Firma bei Gericht registriert sind, möglicherweise Tür an Tür liegen, kann man doch keine Sponsoringverpflichtung ableiten.
Vor allem dann nicht, wenn die Gegenleistung eine Bandenwerbung in einem Stadion ist, das dem Verein nicht einmal gehört, und ein Firmenlogo auf der Autogrammkarte des Insolvenzverwalters (obwohl: Karstadt und Herr Berggruen würden sich vielleicht drauf einlassen).

@3 xyleser @19 grindhouse
Gäbe es eine verbindliche Zusage von EVONIK an ROT-WEISS, hätte der Insolvenzverwalter diese als offene Forderung einklagen müssen, um die Gläubiger zu befriedigen. Dass er das nicht getan hat, zeigt, dass diese Behauptung nur heiße Luft ist.
Wenn aber die andere Behauptung mit dem Fernwärme-Deal stimmt und Sie dafür Beweise haben, sollten sie diese der Staatsanwaltschaft zur Verfügung stellen. Sollte der Essener Fernwärme-Kunde durch eine manipulierte Auftragsvergabe gemolken worden sein, ist das Korruption: Unabhängig davon, ob mit der Milch ein Stadion finanziert wurde oder ob sie in die Bilanz von Evonik gebuttert wurde.

@16 oberschlau
VW hat also bei seinem lokalen Club Früchte geerntet. Können Sie diese Früchte auch beziffern? Wieviele Autos wurden mehr verkauft, nur weil das Logo auf dem Trikot prangt? Oder sind die Früchte doch nur ein feuchter Händedruck? Oder wären sie wirklich kleiner, wenn es kein Verein aus der gleichen Stadt wäre. Wieviele VfL-Fans sind VW-Mitarbeiter oder Angehörige und kaufen eh nur VW und bekommen eh gigantische Rabatte, die nicht gerade die gleiche üppige Gewinnmarge bringen?

Ach ja: natürlich kann man auf Fünftligisten setzen, aber wenn man auf ein Bundesligatrikot will, dann wird schon irgendwo rechtzeitig eins frei. Bei Evonik hat es ja auch geklappt.

@17 Rike57 und @21 Papageiengeplapper
Ja, boykottieren Sie mal schön: Kaufen Sie Ihre Rolltreppen nicht mehr bei ThyssenKrupp und Ihre Halbleiterbeschichtung nicht mehr bei Evonik. Zeigen Sie es denen so richtig - die sollen mal sehen, wie die schönen Umsätze, die die mit Ihnen in den letzten Jahren gemacht haben, so richtig wegbröseln.

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