Kontrollen wie bei einem Spitzensportler

Man ahnt angesichts der Zahlen: Mit Drogen am Steuer stehen die Chancen deutlich schlechter: Von den immerhin 524 Autofahrern, die die Beamten 2013 wegen Alkohols am Steuer aus dem Verkehr zogen, mussten am Ende gerade mal 20 ihren Führerschein bei der Straßenverkehrsbehörde abgeben. Von den 601 Drogenkonsumenten war dagegen mehr als jeder Dritte den „Lappen“ los: Genau 217 Führerscheine ließ die Justiz sicherstellen.

An Arbeit mangelt es auch in Zukunft nicht: Für 2014 stehen in der Bilanz der Polizei bereits 650 Frauen und Männer, die mit Drogen am Steuer erwischt wurden, 239 Führerscheine wurden eingezogen.

Da mag es ein schwacher Trost sein, dass die andere Hälfte der eingezogenen Führerscheine auf das Konto der „Punktesammler“ geht: Raser, Drängler, Rotlicht-Ignoranten, Autofahrer, die kein Überholverbot kennen, für die Verkehrsregeln nur gut gemeinte Hinweise darstellen. Für die Menschen, die ihren Führerschein wegen Drogen verlieren, ist der Weg zurück ans Steuer teuer, mitunter kann er sogar Existenzen zerstören, wie ein aktueller Fall vor dem Gelsenkirchener Verwaltungsgericht zeigt.

An diesen einen Fehltritt wird sich der 33-Jährige jedenfalls sein Leben lang erinnern. Er brachte ihm viel Ärger und hohe Kosten ein, möglicherweise verliert er dadurch sogar seinen Arbeitsplatz. Der Grund? Einen einzigen Joint hatte er geraucht, kurz bevor ihn die Polizei auf dem Weg zum Baldeneysee mit seinem Auto stoppte. Die Behörde entzog ihm den Führerschein, im „Sofortvollzug“, wie es im Juristendeutsch so schön heißt.

Dieser Tage kämpfte der 33-Jährige vor dem Verwaltungsgericht um seine Fahrlizenz. Mit einem für ihn ernüchternden Ergebnis, das ihm aber dennoch Chancen auf eine positive Wendung lässt. Vorausgesetzt natürlich, er kann nachweisen, dass er seit dem Cannabis-Vorfall Ende November 2014 „clean“ ist und nach Einschätzung eines Gutachters auch bleiben wird.

Mit Hilfe des Richters schloss der 33-Jährige mit der Behörde einen Vergleich: Er bekommt vorläufig seine Fahrerlaubnis sofort zurück, wenn die bereits erfolgte Auswertung seiner Urinprobe ergibt, dass er derzeit drogenfrei ist. Dazu musste er mit der Dekra einen Vertrag abschließen, wonach ihm wie bei Dopingkontrollen von Spitzensportlern in sechs Monaten viermal unangemeldet Urin entnommen wird. Jeder dieser Tests kostet 100 Euro. Für die Auswertung des ersten Röhrchens lässt sich die Dekra jetzt schon mehr als zwei Monate Zeit.

Sind alle vier Tests „drogenfrei“, muss der Betroffene sein Haar analysieren lassen. Kostenpunkt: etwa 250 Euro. Das soll der Behörde den Beweis liefern, dass der Delinquent seit Monaten den Drogen abgeschworen hat. Wie ein Alkoholsünder muss der Kläger natürlich eine medizinisch-psychologische Untersuchung (MPU) durchlaufen. Die kostet mindestens 500 Euro. Dort wird von Fachleuten geprüft, ob man mit ausreichender Wahrscheinlichkeit drogenfrei bleibt und keine Gefahr mehr für die anderen Verkehrsteilnehmer darstellt.

Eine MPU ist aber in der Regel nur dann erfolgreich, wenn man sich in einem Vorbereitungskurs vorher in den Fragestellungen schulen lässt. Dieser Kurs schlägt mit weiteren 1.000 Euro zu Buche. Macht summa summarum vorsichtig geschätzt rund 2.150 Euro. Hinzu kommen noch die Kosten für Rechtsanwalt und Gericht.

Für den Mann geht es um seine berufliche Existenz, ihm droht der Verlust des Arbeitsplatzes. Der 33-Jährige soll als Vorarbeiter bei einer Tiefbaufirma einen neuen Job antreten. Dazu braucht er aber unbedingt seinen Führerschein, weil er die oft weit auseinander liegenden Baustellen aufsuchen muss. Nun kann er nur hoffen, dass die Tests seine Drogenfreiheit beweisen oder der neue Chef Verständnis aufbringt. Wenn ihm allerdings Drogensucht bescheinigt wird, ist er die „Fleppe“ ohnehin für lange Zeit los. (AZ.: 7 K 1922/15)