Kommissar Nachbar

Kupferdreh..  Dass Kupferdreh nicht die Bronx ist und nicht Bogota, muss man nicht erst im Polizeibericht nachschlagen. Auch die Welt an sich ist ja nicht schlecht, aber dennoch: Überall und immer wieder gibt es Betrüger, Ganoven und Strauchdiebe, die Tag für Tag überfallen, rauben und andere betuppen. In Deutschland, in Essen – und selbst in Kupferdreh und Byfang, wo sich Fuchs und Hase gerne auch mal gute Nacht sagen.

Fünf Raubdelikte in einem Jahr

Um a) herauszufinden, wie „verbrecherisch“ es wirklich zugeht in Kupferdreh und b) die Einwohner mit harten Fakten und nackten Zahlen von berufener Stelle zu füttern, veranstaltet die rührige Bürgerschaft in Zusammenarbeit mit den Profis der örtlichen Polizei in loser Reihenfolge, aber immer wieder mal durchaus spannende Informationsabende. Mit Antworten auf die Fragen, die sich im Grunde jeder schon einmal gestellt hat.

Das Ergebnis unterm Strich haute niemanden vom Stuhl und war durchaus erwartbar: In Kupferdreh ist es nach Angaben der Polizei verhältnismäßig ruhig, diese Statistik wird auch vom jährlichen Karnevalsumzug nicht wirklich ausgehebelt. Die vor Ort agierenden Polizisten Bodo Schäfersküpper und Gerhard Fleer standen mit Lutz Manthey, dem Leiter des Bezirks- und Schwerpunktdienstes der Polizei, nun Rede und Antwort.

Nackte Zahlen: Über 14 000 Delikte verschiedenster Art gab’s im Jahr 2014 in Essen, ganze 77 davon in Kupferdreh und zehn in Byfang. Im selben Zeitraum notierten die Behörden Essen weit 624 Raubdelikte, davon ganze vier in Kupferdreh und eins in Byfang.

Gerhard Fleer: „Im Vergleich zu meinen früheren Einsatzorten ist Kupferdreh eine Insel der Glückseligkeit. Hier wohnen eben nicht so viele schlimme Finger.“

Was viele der Gäste ebenfalls umtrieb: die Ausstattung der Polizei, personell wie materiell. Dass zahlreiche Beamte noch deutlich mehr Überstunden mit sich rumschleppen, ist kein Geheimnis. Ohne sich zu detailliert in die Karten schauen zu lassen, gab’s von den Profis auch diverse Infos zu Einsatztaktiken und Einsatznachlese.

Eine Hauptrolle bei der Verbrechensbekämpfung spielt der Bürger selbst. Schäfersküpper: „Scheuen Sie sich nicht, den Notruf 110 anzurufen. Besser einmal zu viel als einmal zu wenig. Der beste Kommissar ist der Nachbar.“ Wenn man gegenseitig auf einander aufpasse und verdächtige Sachverhalte nicht einfach ignoriere, könne man viele Verbrechen vereiteln.

Und was machen Polizisten wie Fleer und Schäfersküpper auf einer Insel der Glückseligkeit, wo es dort doch kaum Ganoven zu jagen gibt? Viel Stadtteilarbeit, Seniorenbetreuung, Schulwegsicherung oder, ganz wichtig: Opfernachsorge. Dass die zwei ihre Arbeit in Kupferdreh mögen, war ihnen fast an der Nasenspitze anzusehen. Wer präsent ist und stets ein offenes Ohr hat, der ist bei den Menschen gern gesehen. Freund und Helfer halt.