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Koks für die Cosa Nostra Zollfahndung

25.06.2008 | 18:47 Uhr

In einem der spektakulärsten Verfahren der letzten Jahre haben das Essener Zollfahndungsamt und die Kölner Polizei einen Drogenring zerschlagen. 54 Verdächtige sind immer noch nur "die Spitze des Eisbergs", sagen die Fahnder

150 Kilo Kokain und 50 Kilo Heroin soll eine international operierende Drogenschmugglerbande quer durch Europa geschleust haben. Die beiden mutmaßlichen Haupttäter, Türken im Alter von 32 und 41 Jahren, wurden mit fünf Kilo Koks im Auto geschnappt und sind inzwischen zu zehn und siebeneinhalb Jahren Haft verurteilt. Dennoch ermittelt die "EG Lima" aus Zoll und Polizei weiter: Jetzt sind die Zwischenhändler dran.

Das Kokain kam über die Niederlande aus Südamerika. Es ging entweder nach Italien oder wurde im Rheinland an regionale Abnehmer verkauft. Nach dem umfassenden Geständnis eines Haupttäters hat die Gemeinsame Ermittlungsgruppe von Zoll und Polizei im Juni zehn Haftbefehle gegen Dealer aus Deutschland, der Türkei, Griechenland. Italien und Montenegro vollstreckt. Trotzdem sprechen die Fahnder immer noch nur von der "Spitze des Eisberges".

Den Weg des Heroins haben sie aber schon nachgezeichnet. Es wurde aus Köln geordert, in der Türkei in Lastwagen versteckt und nach Italien ausgeliefert. Abnehmer waren Mafiosi: ein kalabresischer Clan der N'Drangheta und eine sizilianische Familie in Agrigento, die die Fahnder der Cosa Nostra zuordnen. "Obgleich die Heroin-Transporte von Köln aus gesteuert wurden, haben sie deutschen Boden nie berührt", sagt ein Ermittler. "Mit Lkws aus der Türkei gelangte die Ware unmittelbar nach Italien."

Die Struktur der Bande hat den Fahndern erneut bewiesen, dass der organisierte Drogenhandel sich inzwischen aufstellt wie ein internationaler Konzern: extrem mobil, extrem arbeitsteilig. "Die haben einen Investor, der das Geschäft vorfinanziert", sagt Ulrich Schulze, Sprecher des Essener Zollfahndungsamtes. "Die haben eine Logistikabteilung, die den Transport organisiert, und eine Technikabteilung, die sich um modernste Kommunikationstechnologie kümmert. Geld spielt da nicht wirklich eine Rolle." Zumal dann nicht, wenn es darum geht, die eigene Kommunikation gegen mögliche Telefonüberwachungen abzuschotten. Schulze: "Da sind nur Profis im Geschäft. Die handeln mit Drogen wie andere Firmen mit Kartoffeln."

Wenn sie allerdings erwischt werden, sind die Sanktionen meist heftig. Einen aus Leverkusen stammenden 41-jährigen Drogenkurier haben die Zollfahnder in Peru auffliegen lassen. Die Polizei in Lima stellte ihn mit 15 Kilo Kokain im Gepäck. Inzwischen ist er von einem Gericht in der peruanischen Hauptstadt abgeurteilt worden: 18 Jahre Haft.Das Zollfahndungsamt Essen mit Sitz an der Weiglestraße ist unter anderem zuständig für die Bekämpfung des Drogenschmuggels zwischen Aachen und Nordhorn. Gemeinsame Ermittlungsgruppen mit der Polizei bekämpfen die organisierte Drogenkriminalität.

Von Kai Süselbeck

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