Kötter: Verwirrspiel um Weiterbeschäftigung

Bei Kötter stehen rund 100 Jobs auf der Kippe, nachdem die „Grundstücksverwaltung Essen“ (GVE) die Verträge für Sicherheit und Service in der Philharmonie gekündigt hat.
Bei Kötter stehen rund 100 Jobs auf der Kippe, nachdem die „Grundstücksverwaltung Essen“ (GVE) die Verträge für Sicherheit und Service in der Philharmonie gekündigt hat.
Foto: WAZ FotoPool
Was wir bereits wissen
Hat die Stadt Essen dem Sicherheitsdienstleister in Aussicht gestellt, von Kündigung bedrohte Mitarbeiter zu übernehmen? Kötter behauptet das. Die Stadt widerspricht. Alles nur ein Missverständnis – oder Kalkül?

Essen.. Das Verhältnis zwischen der in Frillendorf ansässigen Unternehmensgruppe Kötter und der Stadt Essen ist offenbar nachhaltig belastet, seit die „Grundstücksverwaltung Essen“ (GVE) die Verträge für die Sicherheit und den Service in der Philharmonie gekündigt hat. Nach Angaben von Kötter verlieren dadurch rund 100 Beschäftigte zum 31. Juli ihre Jobs. Dabei las sich folgende Mitteilung, die der Dienstleister am gestrigen Mittwoch per Mitteilung an die Presse in die Welt setzte, wie eine frohe Botschaft für die von Arbeitslosigkeit bedrohten Mitarbeiter. Darin teilt Andreas Kaus, Mitglied der Geschäftsleitung von Kötter Sicherheits- und Ordnungsdienst, mit: „Die Stadt hat ihre Bereitschaft zur Übernahme der Mitarbeiter bekundet, die seit vielen Jahren dort tätig sind und ihre Arbeit stets zur vollsten Zufriedenheit der Kunden erbracht haben.“ Damit nicht genug. Kaus geht nach eigenen Worten davon aus, „dass sich die in der vergangenen Woche uns gegenüber getroffene Aussage der Stadt nicht auf einen Teil, sondern auf alle rund 100 betroffenen Beschäftigten bezieht“.

Der Schönheitsfehler: Bei der Stadt weiß man nichts von einer solchen Aussage. Ja, ein Gespräch habe es gegeben, sagt Dirk Miklikowski, Interimsgeschäftsführer der GVE. Es treffe aber schlichtweg nicht zu, dass eine Übernahme der Beschäftigten in Aussicht gestellt worden sei, wie Kötter behauptet, betont Miklikowski. Er habe lediglich dazu geraten, das Gespräch mit der städtischen „Reinigungs- und Servicegesellschaft Essen“ (RGE) zu suchen, um auszuloten, ob gegebenenfalls eine Kooperation möglich sei. Denn die Stadttochter GVE hat den Auftrag für die Philharmonie ihrer Schwestergesellschaft übertragen. Ein Gespräch zwischen Kötter und der RGE habe bislang aber nicht stattgefunden.

Haben sie bei Kötter also etwas missverstanden? Mitnichten, hieß es auf Nachfrage der Redaktion aus Frillendorf. Der Dienstleister bleibt ausdrücklich bei seiner Darstellung. Kontakt mit der RGE will Kötter demnach in der kommenden Woche aufnehmen, um Möglichkeiten für eine Dienstleistungs-Partnerschaft in der Philharmonie auszuloten. In der Pressemitteilung klingt das noch großzügiger: Dort heißt es, einer Kooperation werde Kötter sich nicht verschließen.

Will das Unternehmen die Stadt öffentlich unter Druck setzen, in dem es von einer vermeintlichen Bereitschaft zur Übernahme von Mitarbeitern seitens der Stadt berichtet? Oder hat die GVE mehr versprochen, als sie bereit ist zu halten? Schon die öffentliche Reaktion Kötters auf die Kündigung des Servicevertrages durch die GVE ließ durchblicken, dass es um das Verhältnis nicht zum Besten steht. Ärgerlich für die betroffenen Mitarbeiter, die sich Hoffnungen auf eine Weiterbeschäftigung gemacht haben: Sie hängen weiter in der Luft.