Koalition kassiert Flächen für Gewerbe ein

Es ist erst ein paar Tage her, da herrschte Champagnerlaune bei der Essener Wirtschaftsförderung, konnten Dietmar Düdden und sein Team doch den bevorstehenden Umzug der Brenntag AG von Mülheim nach Essen vermelden. Der weltgrößte Lieferant von Chemikalien wird sich 2017 auf der ehemaligen Festwiese ansiedeln, womit die Wirtschaftsförderer dort auch das letzte Filestück an den Mann gebracht hätten. Und nun? Bleibt Schmalhans Küchenmeister, wenn es darum geht ansiedlungswilligen Unternehmen einen Standort in Essen schmackhaft zu machen. Düdden hat à la carte nichts mehr zu bieten, und was Essens Planungsverwaltung in Form neu auszuweisender Gewerbeflächen als Patentrezept empfohlen hat, haben CDU und SPD mit einem dicken Rotstift zusammengestrichen.

„In Haarzopf und Kettwig passiert definitiv nichts“, formuliert Thomas Rotter (SPD), womit der Vorsitzende des Planungsausschusses das von der Verwaltung ausgeguckte Areal an der Alten Hatzper Straße entlang der Autobahn A 52 meint sowie weitere Flächen an der Straße Im Teelbruch. Rotter weiß sich darin mit Uwe Kutzner (CDU) einig. Der planungspolitische Sprecher seiner Fraktion legt noch einen oben drauf: Auch der Acker am Heuweg in Überruhr falle „zu 99 Prozent“ hinten runter. Damit blieben von 81 Hektar, die das Planungsamt der Politik für die Ansiedlung von Gewerbe- und Industriebetrieben nahe legt, gerade noch „ein paar Hektarchen übrig“, wie Kutzner einräumt.

CDU wie SPD führen als Argumente die Stimmung vor Ort ins Feld. Dort seien die Vorschläge „nicht gerade mit Begeisterung aufgenommen worden“, formuliert Kutzner. Wer hätte schließlich gerne einen Gewerbebetrieb vor der Haustür, wo der Blick heute über Feld und Wiesen schweift? Auf die Frage, ob seine Fraktion vor der Meinung der Basis eingeknickt sei, antwortet der Ratsherr mit einem knappen wie entwaffnenden „Ja“. Stadtplanung und Wirtschaftsförderung machten es sich zu einfach, indem sie Freiflächen bebauen wollten. „Gegen die Meinung vor Ort setzen Sie so was nicht durch“.

Das sitzt. Dietmar Düdden ist bedient. „Die Stadt muss sich entscheiden, ob sie Wachstum zulassen will“, konstatiert Essens oberster Wirtschaftsförderer und schreibt der Politik folgenden Satz ins Stammbuch: „Man kann es sich nicht immer nur einfach machen und ,Nein’ sagen.“

Dabei macht es sich die Große Koalition alles andere als einfach, würden Kutzner wie Rotter dem entgegen halten. Beide Fraktionen wollen noch vor der politischen Sommerpause eine Liste mit alternativen Flächen vorlegen. Ein Areal im Besitz von Thyssen-Krupp an der Schederhofstraße wird wohl darunter sein wie auch das ehemalige IBM-Gelände nahe der Karstadt-Hauptverwaltung in Haarzopf und der Flughafen Essen-Mülheim; 2022 würden dort die ersten Grundstücke frei. Nichts, das den Hunger auf die Schnelle stillen würde. Dazu kommen laut Kutzner ganz viele kleinere Grundstücke. Häppchen statt Hauptspeise lautet das Rezept. Ob es satt macht?

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