Klinikum Essen: Wir sind besser als zu Broelsch-Zeiten
14.07.2009 | 08:42 Uhr 2009-07-14T08:42:00+0200Essen. Das Uni-Klinikum sieht sich bei Lebertransplantationen besser aufgestellt als zu Zeiten des seit 2007 suspendierten Transplantationschirurgen Prof. Christoph Broelsch.
„Die Qualität der Operationen ist besser geworden nach allen Parametern, die wir uns anschauen”, sagt der Ärztliche Direktor Prof. Gerald Holtmann. Die Zahl der Transplantationen sei zudem dauerhaft um 40 Prozent gestiegen.
Zur Kritik von Patienten, das Verfahren der Leber-Lebendspende in NRW sei „zusammengebrochen”, sagte Holtmann: „Die nackten Zahlen sprechen dagegen. Bei uns werden weiter Leber-Lebendspenden durchgeführt, sofern sie medizinisch notwendig sind und ein anderes Organ nicht zur Verfügung steht.” Im vergangenen Jahr wurden mehr als 100 Patienten für eine Lebendspende in Betracht gezogen, bei fünf von ihnen wurde sich auch durchgeführt. Im ersten Halbjahr 2009 haben nach Angaben des Klinikums 57 Patienten eine neue Leber erhalten, davon zwei Lebendspenden sowie vier Transplantationen von Teil-Lebern. Holtmann: „Damit ist das Universitätsklinikum weiter führend bei der Transplantation von Lebern.”
Das Klinikum hat nach eigener Einschätzung in den vergangenen Jahren nicht nur die Zahl, sondern auch die Qualität der Transplantationen steigern können. Soeben hat die Bundesgeschäftsstelle Qualitätssicherung (BQS) die Bundesauswertung 2008 vorgelegt und dem Klinikum „keine Auffälligkeiten” attestiert.
Über die Nachfolge von Prof. Broelsch will das Klinikum „in aller Ruhe und ohne die Unruhe, die jetzt durch die Hauptverhandlung entstent”, entscheiden. Ein Kandidat für den Direktorenposten ist immer ncoh Prof. Hauke Lang, bis 2007 Oberarzt in der Essener Transplantationsmedizin. Holtmann bestätigte: „Wir führen Gespräche.” Handlungsdruck bestehe jedoch nicht, denn mit dem kommissarischen Direktor Prof. Andreas Paul „haben wir einen exzellenten Operateur”.
09:26
Im heutigen Deutschland landet man auf der Anklagebank, wenn man sich etwas zu Schulden hat kommen lassen. Oder wenn der begründete Verdacht besteht. Da kann man sich auf den Rechtsstaat schon verlassen. Deshalb verstehe ich nicht, dass sich in diesem Forum so viele Leute hinter einen mutmaßlichen Rechtsbrecher stellen. Sollte er doch, wider Erwarten, unschuldig sein, hat er zumindest für sein menschlich inkompetentes Verhalten die gerechte Strafe bekommen. Wer Privatpatienten dermaßen bevorzugt behandelt, hat eine solche Abreibung mehr als verdient! Leider sah man keine Verdunkelungs- bzw. Fluchtgefahr, denn jeden anderen (ohne Promi-Bonus) hätte man in Untersuchungshaft gesteckt!
11:54
Der spektakuläre Prozess gegen den Essener Transplantationsmediziner Prof. Christoph Broelsch erinnert an den bekannten Spruch: Hurra, Operation gelungen; Patient tot.
Da wird ein international angesehener Chirurgen bereits zwei Jahre vor seinem Prozess suspendiert (und damit unwiderruflich vorverurteilt), der unzähligen Menschen das Leben gerettet hat. Damit bestraft der Rechtsstaat insbesondere auch die Patienten, für die ein Arzt dieser Güte überlebenswichtig wäre. Aber Ordnung muss schliesslich sein; zumindest da, wo keine Gegenwehr zu erwarten ist. Gesundheitsministerin Ulla Schmidt darf vergleichsweise ungestraft auf Kosten der Steuerzahler mit Luxuslimousine und Fahrer in den fernen Spanienurlaub. Und wenn man schon für mehr Menschlichkeit, Gerechtigkeit und Medizin im deutschen Gesundheitswesen sorgen möchte, dann müsste eben genau diese Dame auf die Anklagebank. Die staatsanwaltlich aufgeblasenen Vorwürfe gegen Prof. Christoph Broelsch sind nichts im Vergleich zu den desaströsen Folgen einer gescheiterten Gesundheitsreform, bei der nur noch über Geld und Strukturen, kaum aber über Gesundheit und Medizin debattiert wird. Mal abgesehen von dem öffentlichen Tabuthema Organspende. Immer wieder hat sich Christoph Broelsch für die dringende Notwendigkeit einer zu mobilisierenden Spendenbereitschaft engagiert; unentgeltlich und ungeachtet heftiger Reaktionen auf seine Vorschläge. Der traurige Prozess gegen diesen verdienstvollen Mediziner erscheint mir auch als langersehnte Reaktion auf eine patriarchische Person, dessen aufrichtige Liebe zu seinem Beruf allerdings immer größer war als die Fähigkeit zur Einordnung in hierarchische Strukturen. Und dafür kann man im heutigen Deutschland schon mal auf der Anklagebank landen.
14:07
Den Weg hätten Sie sich sparen können. Das Team, welches in HH, in Zeiten als Broelsch in Essen seinen Dienst tat, Lebertransplantationen durchgeführt hatte bestand aus Broelsch-Schülern. Insofern wären Sie also selbstverständlich als Kassenpatient in Essen durch hochkompetente und hochspezialisierte Oberärzte transplantiert worden. Übrigens sind diejenigen Chirurgen in HH, die (falls Ihre Lebertransplantation in die Essener Broelsch Zeit fiel) dort für Lebertransplantationen leitend tätig waren inzwischen nicht mehr dort tätig. Warum?
Glückwunsch zu Ihrer offenbar bisher erfolgreich verlaufenen Transplanation. Falls (was wir alle nicht hoffen) ein erneuter Eingriff notwendig werden sollte, kann man derzeit wohl am ehesten das Universitätsklinikum Schleswig-Holstein empfehlen, welches gemäß des vorliegenden externen Qualitätsberichts der Bundesstelle für Qualitätssicherung für das so genannte Patienten-Outcome, also den Überlebens- und Komplikationsraten in 2008 führend ist. Der Chef dort war übrigens vormals in Hamburg leitend tätig:
Beispiel: Ein Parameter für die BQS ist die so genannte in-hospital Letalität. Damit sind Sterbefälle von Patienten gemeint, die (hier nach durchgeführter Lebertransplantationen) das Krankenhaus nicht mehr verlassen haben. Gemäß BQS-Bericht liegt diese Rate für das UK-SH (Kiel) bei 3,7% aller Lebertransplantationen in 2008. Der Bundesdurchschnitt liegt bei 15,2%. Wenn Herr Prof. Holtmann ehrlich ist, wird er die Essener BQS-Daten, die er gegenüber der Presse als Quellen heranzieht jetzt auch veröffentlichen.
Aus Patientensicht zählt wohl die Anzahl durchgeführter Lebertransplantationen, und damit auch der hieraus erzielte kommerzielle Erfolg für eine Klinik überhaupt nichts: Aus Patientensicht zählt nur die Anzahl erfolgreich durchgeführter Eingriffe. Besser: Dasjenige Haus mit den niedrigsten Todes und Komplikationsraten ist vergleichsweise die beste Klinik. Herr Prof. Holtmann: Wie sind die Essener Ergebnisse???
11:37
Das ganze Zahlengewirr kann ich nicht beurteilen, möchte ich auch gar nicht. Ich kann allerdings als ehemalig Betroffener nur darauf hoffen, dass sich im Umgang mit den (Kassen-) Patienten so einiges geändert hat seit dem der Leibarzt auf seine Verurteilung (Verhandlung)wartet. Denn wenn man kein Privatpatient war, konnte man noch nicht einmal ein kurzes Gespräch mit dem tollen Prof. Broelsch führen. Wir waren dann zur Transplantation in Hamburg, dort war menschlich und auch medizinisch alles TOP!!! Ich will Herrn Broelsch nicht seine Fachkompetenz absprechen, seine soziale Kompetenz aber sehr wohl.
19:38
17.07.2009: Universitätsklinikum Schleswig-Holstein, Campus Kiel reklamiert ebenfalls unter Berufung auf BQS-Daten die bundesweite Spitzengsposition bei Lebertransplantation inne zu haben.
http://www.uk-sh.de/index.phtml?object=tx|676.1213.3&ModID=7&FID=1595.2903.3&La=3&sNavID=1595.26&mNavID=1595.25&qNavID=&ffmod=tx&ffsn=&
Weiterführend:
http://ulrich-coppel.de/www.ulrich-coppel.de/Transplantation/A046C4FF-0659-4B36-B7A6-ED0F5E0D8048.html
10:41
Die BQS-Bundesauswertung 2008 für die Lebertransplantation liegt hier jetzt vor! Dies ändert allerdings die Argumentation in vorstehendem Kommentar in keinem Punkt, denn unter Leseanleitung findet sich unter den Punkten 5-6 der Bundesauswertung 2008 der gleiche Text wie in der Bundesauswertung 2007. Hier:
http://www.bqs-outcome.de/2008/ergebnisse/leistungsbereiche/LTX/buaw/leseanleitung
Mehr noch:
Wie vollkommen intransparent und widersprüchlich die Dokumentatonszahlen des UK-Essen sind, zeigt auch der Vergleich zwischen den in vorstehendem Artikel genannten Klinikum Essen: Wir sind besser als zu Broelsch Zeiten genannten angeblichen 5 Lebend-Lebertransplantationen in 2008, und der derzeit auf der Homepage des Klinikums publizierten Anzahl der Lebertransplantationen (96) im Jahr, und des angeblichen Anteils an Lebend-Lebertransplantationen von 14% davon. Dies macht nach Adam Riese 13,44 Lebend-Lebertransplantationen (?!).
Quelle (Stand 15.07.2009):
http://www.uniklinikum-essen.de/index.php?id=allgpaedneuro0
Wie darf man dies interpretieren? Noch verwirrender wird die Dokumenation dann, wenn man sich diese Veröffentlichung anschaut: (Stand: 15.07.2009)
http://www.uniklinikum-essen.de/index.php?id=transplantation
Hier wird die Lebendspende gleich der Split-Lebertransplantation gesetzt, und darüberhinaus bemerkt, dass das Klinikum in dieser Transplantationstechnik führend sei. Bei einer Split-Lebertransplantation handelt es sich um eine Technik der postmortalen Organspende, nicht der Lebendspende. Es geht darum ein postmortal gespendetes Leberorgan zu teilen, damit in Anbetracht des Organmangels zwei Empfänger, in der Regel ein Erwachsener und ein Kind, damit versorgt werden. Eine Leber-Lebendspende hingegen ist eine Transplantationstechnik, bei der einem lebendigen Spender ein Teil seiner Leber entfernt, und auf einen schwerkranken Verwandten, oder eine ihm nahestehende Person verpflanzt wird. Das Klinikum macht in eigenen Publikationen da keinen Unterschied!
Noch verwirrender macht die Sache ein Blick in den Jahresbericht 2008 des Klinikums. Hier ist die Anzahl der Lebertransplantationen für das Jahr 2008 mit 134 (und nicht 96) angegeben, davon 6 Kinder. Quelle , Stand 15.07.2009 (S. 32/ 33):
http://www.uniklinikum-essen.de/fileadmin/user_upload/aktuelles/downloads/UK-Essen-Jahresbericht-2008.pdf
Münster, 15.07.2009
Ulrich Coppel
19:38
Der ärztliche Direktor des Universitätsklinkums in Essen, Herr Prof. Dr. Gerald Holtmann lässt sich in der WAZ mit den Worten „Wir sind besser als zu Broelsch Zeiten“ zitieren. Demnach habe die Bundesstelle für Qualitätssicherung dem Klinikum für Lebertransplantationen „keine Auffälligkeiten attestiert“. Dazu wird die Bundesauswertung der Bundesstelle für Qualitätssicherung (BQS) 2008 herangezogen, die hier nicht vorliegt, zumal für 2008 im Internet noch nicht veröffentlicht.
Die Bundesstelle für Qualitätssicherung selber hat in der im Internet veröffentlichten Bundesauswertung 2007 enthaltenen „Leseanleitung“ feststellt:
... „5. Wechsel der Grundgesamtheit
Allgemein ist bei der Interpretation von statistischen Kennzahlen darauf zu achten, welche Bezugsgröße für die Berechnung gewählt wurde. So ergeben sich z. B. unterschiedliche Auslegungen eines prozentualen Anteils, wenn einmal das Patientenkollektiv und ein anderes mal die Opreationen die Bezugsgröße bilden.“...
...“6. Interpretation der Ergebnisse
Statistiken geben keinen direkten Hinweis auf gute oder schlechte Qualität, sondern bedürfen fachkundiger und ggf. weitergehender Analysen.“...
Quelle:
http://www.bqs-outcome.de/2007/ergebnisse/leistungsbereiche/LTX/buaw/leseanleitung
Grundsätzlich lässt aus hiesiger Sicht die öffentlich zugängliche „Bundesauswertung“ leider lediglich nur sehr bedingt Rückschlüsse für die Behandlungsqualität der überprüften Behandlungsweisen zu. Keineswegs ergeben sich Rückschlüsse auf die Behandlungsqualität einzelner Kliniken. Insofern wäre eine Reformierung der Bundesauswertung der BQS in Richtung mehr Transparenz btr. der Behandlungsqualität einzelner einmeldender Kliniken hin wünschenswert. So wäre es sinnvoll beispielsweise die Einmeldekriterien bundesweit zu präzisieren und vereinheitlichen, um die Auswertungen der einzelnen Kliniken dann zu veröffentlichen.
Da sich der ärztliche Direktor auf die Auswertung der Essener Daten bezieht, möchten ich dies zum Anlass nehmen ihn darum zu bitten die Essener BQS Daten für 2008 doch einfach zu veröffentlichen, damit jedermann sie im Sinne des o. g. Punkt 6 der Leseanleitung auswerten kann. Insofern wäre dies dann ein bundesweiter Vorstoß für mehr Transparenz in der Qualitätskontrolle, und ausserordentlich begrüßenswert.
Im Zusammenhang mit der gemäß der gestrigen WAZ veröffentlichten 2008 angeblich vorgenommenen 5 Lebend-Lebertransplantationen möchten ich auf die folgende Veröffentlichung vom 09.11.2008 verwiesen, welche in keinem Punkt an Aktualität eingebüßt hat. Gleiches trifft auch auf das in dem WAZ-Artikel angesprochene laufende Berufungsverfahren zu:
http://ulrich-coppel.de/www.ulrich-coppel.de/Transplantation/8171CA36-8042-425E-BEB6-4FB693446B95.html
Münster, den 14.07.2009
Ulrich Coppel
PS.: Hier gibt es auch noch etwas:
http://www.egms.de/de/meetings/dgch2009/09dgch657.shtml
10:59
die Kartoffel
und aufgeflogen
natürlich
10:58
Ich empfinde es als äusserst bedenklich, dass ein so ehemals hochgelobter und protegierter Professor, und wohlgemerkt erst, als alles aufgefogen war, nun so offensichtlich fallengelassen wird wie dei berühmte heisse Kartoffel.
Das passiert natürlich auch anderen Zeitgenossen, die finanziell nicht so abgesichert sein dürften, aber schofel ist die ganze Sache schon, unter Ehrenmännern...
10:36
Sehr geehrter Herr Holtmann, wieso meldet sich eigentlich nicht der nach Ihren Worten exzellente Operateur Prof. Paul in Sachen Transplantation zu Wort, sondern immer Sie als Internist? Im übrigen findet man auf den Internetseiten Ihres Hauses einen Hinweis auf die Forschergruppe 117 zur Optimierung der Leber-Lebend-Transplantation. Gibt es diese Gruppe noch und wie passen diese Aussagen- 25% der Transplantationen seien Leber-Lebend-Spender- zu Ihren Ausführungen? Sie werden um diese Fragen nicht wie bisher einfach durch Nichtbeantwortung herum kommen!
Dr. Werner Joraschky