Klima-Vorbilder für alle
19.08.2010 | 20:00 Uhr 2010-08-19T20:00:00+0200
Essen.In der Sommerpause ist es beim 2,5 Milliarden Euro schweren Wettbewerb der Ruhrgebietsstädte um den deutschlandweit einzigartigen Titel „Innovation City“ ein wenig ruhig geworden. Doch jetzt läutet Essen die heiße Phase ein.
Denn das 20-köpfige Essener Projektteam muss schon in knapp zwei Monaten die Jury des Wettbewerbs-Initiators „Initiativkreis Ruhr“ mit ihrer Bewerbung überzeugen - und die vier verbliebenen Konkurrenten, die Städte Bottrop, Mülheim, Bochum und Gelsenkirchen/Herten mit ihrem Entwurf aus dem Feld schlagen.
Dabei soll in der Bewerbung eine Vision entwickelt werden, wie innerhalb von zehn Jahren mit neuesten Technologien ein stinknormales Wohn- und Industrie-Mischgebiet des Ruhrgebiets entwickelt werden kann – zu einem weltweiten Vorzeige-Stadtteil an Energie-Effizienz und Klimaschutz mit hoher Lebensqualität.
„Das ist eine Zukunftsaufgabe für Essen und für ganz Deutschland. Was wir verändern wollen, betrifft sämtliche Lebensbereiche - und es geht auch darum, ob Bürger gerne hier in Essen leben“, macht Oberbürgermeister Reinhard Paß „Innovation City“ zu seinem zentralen Arbeitsprojekt.
Als Pilotgebiet hat Essen die Stadtteile Altendorf, Frohnhausen sowie das West- und Nordviertel ausgesucht. Und weil der Wettbewerb ein wenig darunter leidet, dass sich normale Bürger kaum etwas Konkretes unter der Idee vorstellen können, lud das „Innovation-City-Team“ Paß und Journalisten am gestrigen Donnerstag ein, Vorzeigeprojekte in den Vierteln zu besichtigen.
So sieht sich die Universität Duisburg/Essen unter Leitung des Nachhaltigkeitsbeauftragten Ulrich Schreiber in der Pflicht, Vorbild für Studenten im Umgang mit wertvollen Ressourcen zu sein.
Elektrorad für Studis
„Wir können nicht Solarstrom predigen und Atomstrom verbrauchen“, sagt Schreiber, der die Uni in Zukunft als „Green Urban Campus“ sieht. Da sind dann alle Unigebäude aus den 70er Jahren wärmegedämmt, auf den Flachdächern erzeugt man mit Solarzellen und vertikalen Windrotoren Strom, das Licht in den Fluren geht nur per Bewegungsmelder an, Studenten wohnen in der Nähe und fahren Rad. Und mit dem selbst erzeugten Ökostrom geladene Leih-Elektroräder darf jeder Student benutzen, um auf den neuen Radwegen zwischen den Campi in Essen und Duisburg zu pendeln.
Der Uni-Leitung schwebt jedenfalls eine „Sanierung als Leuchtturm für Essen“ vor. An den Gebäuden sollen nach Vorstellungen von Prorektor Michael Farle sogar Erfindungen der eigenen Professorenschaft ausprobiert werden: Etwa Nanotechniken oder ausrollbare Photovoltaik-Matten - Prototypen für die Welt.
Hirtsiefer-Siedlung
Ortswechsel Altendorf, Hirtsiefer-Siedlung: Klaus Grewer, Vorstand der Wohnungsgenossenschaft Essen-Nord, hat hier die Wohnungen für über fünf Millionen Euro sanieren lassen - Wärmedämmung, Zentralheizung statt Nachtspeicheröfen, Balkonanbauten, farbige Anstriche.
Mit den Holzläden an den Fenstern und gepflegten Grünflächen sieht es nun unerwarteterweise ein wenig nach der putzigen Margarethenhöhe aus. „Die Mieter müssen nun zwar etwas höhere Mieten zahlen, aber die meisten honorierten unsere Investition. Junge Leute wollen jetzt sogar wieder in die Siedlung zurückziehen“, berichtet Grewer.
Mieter Manfred Dzwonkowsky kostet die Sanierung 40 Euro mehr Miete im Monat, doch die zahlt er dank niedrigerer Heizkosten und barrierefreier Dusche gerne. Auch wenn der lange Mann nun beim Gang zur Waschmaschine an die wärmegedämmte, um zehn Zentimeter niedrigere Kellerdecke stößt.
In Frohnhausen hat sich der mit einem kleinen Betrieb selbstständige Heizungs- und Sanitärbaumeister Martin Grave eine zweistöckige Haushälfte gekauft - und will das graue Gebäude aus den 60er Jahren vorbildlich sanieren. „Meine Kunden sollen hier sehen, was alles machbar ist“, sagt Grave. „Innovation City“ im Kleinen. In zehn Monaten soll das Haus ein neues Dach mit Solarmodulen, neue Isolierfenster, Wärmedämmung auf der Fassade und womöglich ein kleines eigenes Kraftwerk im Keller erhalten - eine Investition von stolzen 150 000 Euro, die sich in 15 Jahren rentieren soll.
Dass auch Arbeitgeber klimafreundlich denken, zeigt der letzte Besuch: Die RWE-Handelstochter Supply&Trading hat das frühere Kassenhäuschen des „RWE-Meteoriten“ für 90 000 Euro zum Badehaus mit Duschen und Spinden umgebaut - für diejenigen Arbeitnehmer, die mit dem Rad zur Arbeit fahren. Bei schönem Wetter wird das auch gut genutzt: 50 Leute, zehn Prozent der Mitarbeiter, radeln dann - und dürfen dafür bei Dienstfahrten ein leises Elektroauto benutzen.
Paß zeigt sich nach der Tour beeindruckt und hofft auf Wirkung bei der Jury. „Wir müssen denen zeigen, was wir schon alles haben, und dass wir Menschen bewegen können, den Vorbildern nachzueifern.“
15:54
Leibniz, so ein Nachhaltigkeitsbeauftragter muss ja auch nicht rechnen können...
14:38
Kann mir mal einer erklären, wie der Schlaumeier darauf kommt, dass sich eine Investition von 150.000€ nach 15 Jahren rechnet? Wenn hoch kommt hat der zur Zeit 3.000€ Energiekosten pro Jahr. Selbst wenn er die komplett einspart und das Kraftwerk im Keller keine Energie benötigt und er auch keine Zinsen dafür bekäme, wenn er die 150.000 auf die Bank legt (geschweige er muss sich die Kohle leihen), selbst unter allergünsigen Bedingungen holt er grad mal 45.000€ rein, und nicht 150.000€.
13:28
In Essen wird von den Verkehrsbetrieben mit aller Macht für den Autoverkehr geworben.Ausdünnung der Fahrpläne, Anschlüsse nicht einhalten, unfreundliches Fahrpersonal ( nicht alle, aber die Überzahl ) Randale in den Fahrzeugen Verschmutzte Wartehäuser, überquellende Mülleimer, auch im Bereich des Kundencenters am Bahnhof,das Fahren nach 20.00 Uhr wird von A nach B zu einen langen Reise. Der einzige Lichtblick ist der Nacht-Express, aber auch oft von schlecht gelaunten Fahrern besetzt, wir sind im gesetzten Alter und möchten sicher, und ohne Störung an unser Ziel gebracht werden. Wenn Herr Szymaniak über die Studenten schreibt so schreibt er auch für viele Normalbürger die durch unsere Verkehrsbetriebe gezwungen werden das Auto zu benutzen. Auch wir trotz - Bärenticket -haben noch ein KFZ, um die immer schlechtere Leistung des öffentlichem Nahverkehr auszugleichen. Ein Tip: Wenn alle Bediensteten, vom Vorstand über die Räte und dem Rest des Personals mit Ihren eigenem Unternehmen sich befördern ließen würden wir Bürger eine neue Zeit erleben. PS: und die riesigen Parkplätze für das Personal könnten wirtschaftlicher Nutzung zugeführt werden.
12:33
Die Studenten der Uni Essen wohnen in der Nähe und fahren Rad? Schön wärs, aber momentan nur ein unrealistischer Traum.
Aktuell wohnen die Studenten am Niederrhein und fahren Auto. Ein paar wenige wohnen dann noch in Rüttenscheid und Holsterhausen und fahren U-Bahn. Wer will auch schon im Essener Nordviertel, Altenessen oder Altendorf wohnen, in eine solch sympathischen Nachbarschaft?
Momentan steht in Essen das klassische Paradebeispiel einer Auto-Pendler-Uni: Kein studentisches Leben, dafür vierspurige Autostraßen in alle Richtungen und riesige unbewirtschaftete Parkflächen, die die Hälfte des Campusgeländes belegen und trotzdem immer übervoll sind.
Daher wäre mein erster Vorschlag: Die Parkflächen deutlich reduzieren und mit Parkuhren ausstatten. Auf dem Rest der Fläche dann Bäume pflanzen. Einzig der Heller-Markt am Samstag müßte sich dann einen neuen Platz suchen.