Kleingärtner sauer auf Stadtplaner

In Haarzopf, nicht weit von der A52, gibt es Pläne für ein Gewerbegebiet. Dafürmüsste dann allerdings die Kleingartenanlage Hohe Birk weichen.
In Haarzopf, nicht weit von der A52, gibt es Pläne für ein Gewerbegebiet. Dafürmüsste dann allerdings die Kleingartenanlage Hohe Birk weichen.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Verbandsvorsitzender Holger Lemke sieht in Haarzopf und Borbeck rund 600 Parzellen in Gefahr, pocht auf Eigentumsrechte und mahnt Informationen an.

Essen.. Wenn Kleingärtner sauer werden, dann war in der Vergangenheit immer langwieriger Streit programmiert. „Ich möchte nicht, dass es wieder so kommt, aber so langsam kann ich meinen Vorgänger verstehen“, sagt Holger Lemke, Vorsitzender des Stadtverbands der Kleingartenvereine und als solcher Nachfolger des überaus kämpferischen Heinz Schuster.

Was Lemke aufregt, ist die Art, mit der die Stadtverwaltung und die Essener Wirtschaftsförderung jüngst große Kleingartenflächen für Wohnen und neues Gewerbe ins Gespräch brachten. „Keiner hat mit uns vorher auch nur geredet, wir haben von den Plänen aus der Zeitung erfahren“, empört sich Essens oberster Kleingärtner.

Parzellenbesitzer in Unsicherheit versetzt

Konkret geht es um immerhin 350 Kleingartenparzellen an der Est-straße in Haarzopf und um bis zu 250 weitere am Weidkamp in Borbeck. „Das sind Dimensionen, da sage ich jetzt schon klipp und klar: Nicht mit uns!“ Lemke erinnert daran, dass der Stadtverband Eigentümer dieser Flächen ist und sich schon deshalb ein solches Vorgehen der Planungsverwaltung unter Dezernent Hans-Jürgen Best verbiete. Nicht einmal der städtische „Grün und Gruga“-Betrieb - verantwortlich hier: Umweltdezernentin Simone Raskob - sei informiert gewesen.

Neben der menschlichen Rücksichtslosigkeit, mit der Parzellenbesitzer in Unsicherheit versetzt würden, klage der Kleingartenverein „Hohe Birk“ auch zu Recht über Geschäftsschädigung: „Wer investiert denn noch viel Arbeit in eine Parzelle, wenn in drei Jahren vielleicht Schluss ist?“

„Wollten verhindern, dass alles im Vorfeld zerredet wird“

Hans-Jürgen Best bestätigt, dass es vorab keine Informationen gab, und zwar für niemanden. „Aber nicht weil wir nickelig sind, sondern weil wir verhindern wollten, dass schon im Vorfeld alles zerredet wird.“ Man habe daher in diesem, noch frühen Stadium auf jegliche Beteiligung verzichtet, wohlwissend, dass dies nachzuholen ist, sobald die Pläne konkret werden.

Für Lemke die falsche Reihenfolge. „Es ist ja nicht so, dass wir prinzipiell nicht kompromissbereit wären.“ Für den Niederfeldsee mussten zuletzt 60 Parzellen weichen, für ein Regenrückhaltebecken in Frohnhausen auch einige Dutzend. Das habe man weitgehend geräuschlos über die Bühne gebracht. „Ich bin angetreten, um potenzielle Konflikte anders abzuwickeln als früher - aber dazu gehören natürlich immer zwei.“ Lemke räumt allerdings ein, für eine Gewerbeansiedlung sei er ohnehin wenig geneigt, Gelände herzugeben, unabhängig vom Stil der Stadtverwaltung. „Ich kenne so viele freie Flächen in Essen, es muss nicht unbedingt diese sein.“

Dezernent will Gespräch mit den Kleingärtnern suchen

Das allerdings sieht Planungsdezernent Hans-Jürgen Best anders. Die meisten Freiflächen seien aus den verschiedensten Gründen ungeeignet, oft stünden Gesetze einer Bebauung im Weg. Essen benötige aber Raum, um Menschen und Firmen, die sich ansiedeln wollen, etwas bieten zu können. „Will diese Stadt in Maßen wachsen oder nicht?“ Wenn die Antwort ja sei, dann werde es ganz ohne Konflikte sowieso nicht funktionieren.

Best kündigte allerdings gegenüber der WAZ an, Versäumtes bald nachzuholen und das Gespräch mit dem Stadtverband zu suchen.