Kleine Revolution mit Mozart

Besiegelten die Vertragsverlängerung: Chefdirigent Johannes Klumpp (li.), Dieter Kükenhöner, Vorstandsvorsitzender des Folkwang Kammerorchesters.
Besiegelten die Vertragsverlängerung: Chefdirigent Johannes Klumpp (li.), Dieter Kükenhöner, Vorstandsvorsitzender des Folkwang Kammerorchesters.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Johannes Klumpp, Chefdirigent des Folkwang Kammerorchesters, hat seinen Vertrag verlängert. Der Erfolg seines frischen Konzert-Konzeptes gibt ihm Recht

Essen.. Wer mit dem Taktstock die Revolution ausruft, der findet in deutschen Orchestergräben manchmal nicht allzu viele Mitstreiter: Doch die vielen althergebrachten Regeln und Rituale sind für Johannes Klumpp, Chefdirigent des Folkwang Kammerorchesters, kein Grund, nicht mal an den Grundfesten des Konzertbetriebes zu rütteln. Klassische Musik während des Konzertes zu moderieren, und zwar ohne Dünkel und Fachsprache, sondern mit Witz und „spielerischer Leichtigkeit“, das hat Klumpp längst eingeführt. Dazu wurde jetzt auch noch die Trennung der ersten und zweiten Geigen aufgehoben.

Was in Traditions-Orchestern für mittelschwere Erschütterungen gesorgt hätte, wird in diesem jungen, hoch flexiblen Ensemble offenbar gut angenommen. Und weil das Arbeiten mit diesen „bis in die Haarspitzen motivierten Musikern“ die reine Freude ist, macht der 34-jährige Chefdirigent auch mit der ihm eigenen Begeisterung in den nächsten vier Jahren weiter. Hinzu kommt: Das vor wenigen Jahren noch von existenziellen Finanznöten bedrohte Orchester kann sich inzwischen wieder über breite Unterstützung und „beste Reputation“ bei Publikum wie Geldgebern freuen, betont Vorstandsvorsitzender Dieter Kükenhöner. Damit kann man nicht nur hochkarätige Solisten nach Essen locken, sondern auch namhafte Gastdirigenten: Gottfried von der Goltz, Künstlerischer Leiter des Freiburger Barockorchesters, wird als Experte für Alte Musik und als Erster Gastdirigent die Nachfolge von Reinhard Goebel antreten.

Experimente wagen und Spielräume öffnen

Neuer Name, neues Programm: Auch 2015/16 will das Folkwang Kammerorchester wieder Experimente wagen und Spielräume öffnen, beispielsweise mit Tango und Tanz der Essener Choreografin Jelna Ivanovic. Oder mit Stadtteilkonzerten für Kinder von Kray bis Frohnhausen.

Dass man das Stammhaus, die erlauchte Villa Hügel, inzwischen ab und an verlässt, um neues Publikum an neuen Spielorten zu erreichen, sei der Identität des Orchester nicht abträglich, ist sich Klumpp sicher. So wird man die Extra-Reihe mit einem Auftritt von Moderator Roger Willemsen erstmals auf die Zeche Zollverein verlegen. Die im Vorjahr erfolgreich gestartete „Konzert für Generationen“-Reihe in der Lichtburg wird fortgeführt (20. September u. 11. Februar). Und das beliebte Silvesterkonzert findet im „Lighthouse“ in Frohnhausen statt. Lohn der Mobilität: Eine Steigerung der Abo-Zahlen um 3,8 Prozent, bilanziert Geschäftsführerin Weneta Scazzi nicht ohne Stolz, die ihren Vertrag ebenfalls verlängert hat.

Die kleine Revolution auf dem Hügel, sie scheint beim Publikum gut anzukommen.

Tickets: 0201-23 00 34.