Klaus klingelten die Ohren
26.01.2012 | 19:37 Uhr 2012-01-26T19:37:00+0100
Essen.24-jähriger Musikstudent der Folkwang Universität entlarvt Kandidaten-Trick bei der ZDF-Sendung „Superhirne 2011“.
Vielleicht hätte Gerhard Wolters für seinen Auftritt als Kandidat bei der ZDF-Sendung „Deutschlands Superhirne 2011“ Ende Dezember den Musiktitel als Omen verstehen sollen: „Mission: Impossible“. Die Titelmelodie des Films mit Tom Cruise spielte ein 40-köpfiges Jugendsymphonieorchester für den Musiklehrer. Beim zweiten Vorspiel wurden ihm die Augen verbunden, umso mehr spitzte er die Ohren. Die Wette lautete: Wolters kann heraushören, welche Musiker aus dem Ensemble beim Spielen aussetzen. Am Ende beglückwünschte der Moderator Jörg Pilawa dem außergewöhnlichen Hör-Könner, das Publikum staunte.
So weit, so gut. Dass sich dieser angebliche Genie-Akt nun als fauler Zauber herausstellt, ist dem Essener Klaus Kauker zu verdanken. Der 24-Jährige wohnt in Werden und studiert seit 2008 an der Folkwang Universität der Künste „Integrative Komposition Pop/Jazz“. Anfang Januar erklärte er in einem Videobeitrag für das Internet-Magazin „fernsehkritik.tv“, warum bei Wolters’ Aktion in der Unterhaltungssendung mehr Streich als Genie im Spiel war.
Signaltöne als Trick
„Das ZDF lässt es so aussehen, als spiele das Orchester das Lied zweimal exakt gleich“, sagt Kauker im Internetvideo, während er mit Laptop an einem Keyboard sitzt und im Hintergrund der Ausschnitt aus der Pilawa-Sendung auf einem Monitor zu sehen ist. Tatsächlich fehlten vier Musiker, aber das übrige Ensemble spielte andere Töne, um damit dem Kandidaten zu signalisieren, welcher ihrer Mitstreiter nicht mehr dabei ist. Das muss man zwar auch erst einmal raushören können, aber geschummelt ist es trotzdem.
Der Student veranschaulicht haarklein die Signaltöne, an denen der Laie hören kann, was an dieser Wette nicht stimmt. Etwa beim vierten Spieler der ersten Violinenreihe: Der fehlte, und deshalb spielten die übrigen Streicher im vierten Takt ein höheres Echo. Kauker weist auch daraufhin, dass die Originalversion bis zum Beginn des Themas nur vier Takte habe, in der ZDF-Sendung spiele das Orchester jedoch sechs Takte. Für ihn kein Wunder bei sechs Spielern in der ersten Violinenreihe. Das gleiche Prinzip macht er bei der zweiten Violine im sechsten Takt aus und bei der ersten Bratsche im ersten Takt. Beim Cello geschehe dies hingegen durch eine Pause im zweiten Akt. Zur Herausstellung änderte der Student einfach Höhen und Tiefen, um die überdeckenden Töne des Horns zu entlarven.
Kauker beschreibt sich selber als einen Musikbegeisterten. Auf seinem Youtube-Kanal veröffentlicht er regelmäßig Videos mit Lehrgängen, Tipps und Diskussionen. Die „Superhirn“-Sendung hat er sich erst angesehen, nachdem er gelesen hatte, dass bereits bei einem anderen Kandidaten ein System bei der Bewerkstelligung der Aufgabe aufgedeckt wurde. „Ich finde den Beitrag in der Show alles andere als unterhaltsam“, sagt Kauker im Gespräch mit der NRZ. Und eine magische Gabe stecke auch nicht dahinter. Die Akustik im Studio sei wohl schlecht gewesen, vermutet er als Grund für das deutliche Herausstellen der Signaltöne. „Die Reaktionen an der Uni auf meine Kritik waren positiv, mein Professor war sehr angetan“, erzählt er.
Im Vorfeld seines Videobeitrages kontaktierte der 24-Jährige auch die Pressestelle des ZDF – ohne Reaktion. „Es hat in der Tat ein gewisses System gegeben, mit dem der Kandidat angetreten ist“, erklärte ein Sprecher des ZDF. „Unsere Experten haben uns dennoch gesagt, dass man für die Aufgabe ein gewisses Gehör braucht. Weitergehende Absprachen zwischen dem Orchester und dem Kandidaten sind mir nicht bekannt“. Übrig bleibe eine Leistung, die man beachtlich nennen könne. Das sieht Kauker nicht so, er ist aber nicht wütend: „Immerhin hat der Kandidat 40 jungen Musikern einen Auftritt im Fernsehen ermöglicht.“
20:57
Gute Güte, wer glaubt, dass diese "Best of the Best"- Präsentationen ohne Tricks abgehen, der glaubt auch, dass Zitronenfalter Zitronen falten.
Aber er kann seinen Preis (er hat doch eien bekommen, oder?) dem Jugendorchester weitergeben. Wenn dies in der Lage ist, ad hoc ohne Üben mal eben diese Morsezeichen spursicher einzuspielen, dann gebührt ihm ganz sicher alle Ehre.
17:46
@1
Ganz einfach - wenn ein Kandidat behauptet, er könne hören, welches von zig gleichen Instrumenten, die das Gleiche spielen, gerade pausiert, verspricht er absolutes Gehör. In Wirklichkeit hat er nur in den Noten versteckte Morsezeichen bekommen.
Das ist Lügenfernsehen, das gerade im öffentlich-rechtlichen Fernsehen nichts zu suchen hat.
05:27
Gut, nun haben nach einem Musiklehrer und einem Jugendorchester auch ein Essener Student einen Auftritt gehabt. Illusion, das haben die Zuschauer bekommen, und das haben sie auch gewollt. Wo ist da ein Problem oder gar ein Skandal?