Klassentreffen der Achtundsechziger

Bunte Farben gehören dazu: Regenbogenfahnen mit Friedensbotschaften
Bunte Farben gehören dazu: Regenbogenfahnen mit Friedensbotschaften
Foto: Fabian Strauch
Was wir bereits wissen
Die Teilnehmerzahl beim Ostermarsch stagniert seit Jahren. Die Aktivisten werden grau, der Nachwuchs fehlt.

Essen.. „Hasta siempre, commandante“ steht in schwarzen Buchstaben auf rotem Grund geschrieben, darunter das Konterfei von Ché Guevara. Eine Frau hält die regenbogenfarbene Friedensflagge mit der Aufschrift „Peace“ in ihrer Hand. Es ist der Treffpunkt zum Ostermarsch, der in Essen traditionell auf dem Fahrrad absolviert wird und die Aktivisten über Gelsenkirchen und Herne bis nach Bochum bringt. Ungefähr 100 Leute sind am Sonntag zum Willy-Brand-Platz gekommen, um an die Befreiung vom Faschismus zu erinnern, für Frieden und gegen jegliche Atomkraft zu demonstrieren.

Das Ganze wirkt wie ein Klassentreffern der 68er-Bewegung. Die Haare der Friedensfreunde sind sichtlich ergraut, viele umarmen sich zur Begrüßung, man kennt sich halt. Zwischen DKP- und MLDP-Ständen haben sich nur wenige junge Leute verirrt. Die Friedensbewegung ist derzeit offensichtlich nicht allzu angesagt, dabei gebe es angesichts der vielen Krisen in der Welt genug Grund zum demonstrieren. „Es gab bei den Ostermärschen immer Wellen und Täler“, sagt Bernhard Trautvetter vom Essener Friedensforum. „Wir halten die Glut am Glimmen.“ Trotz der konstant niedrigen Teilnehmerzahlen in den vergangenen Jahren verweist Trautvetter nicht ohne Stolz auf die Langlebigkeit der Protestform: „Ostermärsche gibt es jetzt seit 55 Jahren. Wer schafft das sonst schon, eine Organisationsform so lange zu erhalten?“

Ostermarsch als bunte Radtour

Nur der Nachwuchs, der ist eben ziemlich rar. Gründe dafür? „Politikverdrossenheit“, meint Conny Swillus-Knöchel, die seit Anfang des Jahrtausends in Essen dabei ist und die Proteste gegen den zweiten Irakkrieg miterlebte – es war der bisher letzte große Gipfel der Bewegung. „Die jungen Leute haben aber auch andere Protestformen, das hat man in Frankfurt gesehen mit Blockupy“, sagt Swillus-Knöchel. Zehntausende gingen dort auf die Straße, nicht alle friedlich, es brannten Autos. Der Ostermarsch ist gemütlicher: Eine bunte Radtour bei schönem Wetter.