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Klasse 1b statt Bärengruppe

30.08.2010 | 16:19 Uhr
Klasse 1b statt Bärengruppe
Luis Oberbeck besucht die Schule an der Ruhr. Foto: Reiner Worm / WAZ FotoPool

Vor der Brücke.In NRW besuchen zum neuen Schuljahr knapp 160 000 Mädchen und Jungen erstmals die städtischen und konfessionellen Grundschulen - 138 sind es in Kettwig. Einer von ihnen ist Luis Oberbeck. Er ist sechs Jahre alt und seit gestern Schüler der Klasse 1b der Schule an der Ruhr, Standort Mintarder Weg. Seine Klassenlehrerin heißt Miriam Mannheims - ansonsten ist alles neu für ihn.

Am frühen Sonntagmorgen wirkt der Sechsjährige ziemlich gelassen. Die KiTa St. Matthias hat er bislang besucht, in der Bärengruppe war er. Barbara, Jörg und Jenni heißen seine Erzieher. „Die waren alle nett, und es war nie langweilig“, sagt er. Und nun? Die Schule? „Ich weiß, dass ich jetzt auf jeden Fall üben muss.“

Auf dem Stuhl neben Luis steht seine Schultasche. Fertig gepackt, mit allem, was man so braucht. „Sie hat viele kleine und große Taschen, aber eigentlich darf ich da noch gar nicht reingucken.“ Seine Eltern Isabelle und Reiner sind beruftstätig. Die junge Familie lebt in Ickten. Und Luis hat auch noch eine Schwester. Die besucht jetzt die KiTa, geht auch in die Bärengruppe. Zwei Wochen lang waren sie gemeinsam Kindergartenkinder. Luis hat sich um seine Schwester gekümmert, sie verteidigt. Ab heute muss die zweijährige Livia aber ohne den großen Bruder auskommen.

Denn der ist tagsüber Schulkind. Oberbecks haben sich bewusst für den Vor der Brücker Standort der Schule an der Ruhr entschieden. „Alles ist hell und freundlich, der offene Ganztag war wichtig, und der Schulbus hält direkt bei uns vor der Haustür“, sagt Isabelle Oberbeck.

Vom ersten Schultag hat Luis eine Menge zu erwarten. Die einen Großeltern sind schon da, die anderen reisen am Sonntagmittag aus dem Harz an. Natürlich werden seine Eltern dabei sein, Livia und auch sein Onkel Felix. Es wird den Gottesdienst in St. Joseph geben, ein nettes Wort für jedes Kind von Pfarrerin Christiane Wittenschläger, eine riesige Schultüte, eine Begrüßungsfeier in der Aula der Schule am Mintarder Weg. Und dann geht’s auch noch für eine Stunde in den Klassenraum. „Der Sascha geht in meine Klasse“, Luis überlegt, „und der Gabriel“. Schnell will er Lesen lernen. Und Mathe? Seine Mutter ist ein bisschen skeptisch, Luis nicht: „Die Zahlen unten auf den Buchseiten kenn’ ich schon...“

Neugierig aufs Lesen

Vielleicht wird Luis später einmal ein berühmter Biologe? Er mag Tiere, und er beobachtet gern. Er hat eine Schildkröte namens Emma und einen kleinen Holzkäfig mit einem engmaschigen Netz. Dahinein kommen die Insekten, die er auf der Wiese findet. Marienkäfer, Grashüpfer, Ohrenkneifer, Kellerasseln. Luis fängt ein, füttert und beoachtet - und lässt dann wieder laufen. Ein bisschen ärgert es ihn, dass er den wunderschönen blauen Käfer nicht bestimmen konnte. „Wir haben im Internet nachgeschaut, sind aber nicht weitergekommen“, sagt Isabelle Oberbeck.

Luis zeigt sein Zimmer. Ganz wichtig ist ihm der Schreibtisch. Der ist weiß, steht direkt am Fenster - und er ist aufgeräumt. Die Boxen einer kleinen Hifi-Anlage müssen da noch weg, findet Luis. Auf diesen Schreibtisch kommt nur, was auch mit Schule zu tun hat. Er ist also gut strukturiert und ganz ordentlich? „Das wirkt nur so“, sagt seine Mutter und lächelt. „Livia ist ordentlicher. Die hält alles beisammen.“

Im Wohnzimmer der Oberbecks brennen Kerzen, draußen nieselt es leicht, ein kalter Wind weht. Ein Herbsttag am Ende des Augusts. Aber auch ein Feiertag. Nicht so wie der Montag, aber fast...

„Gestern Abend war Luis noch ganz mutig“, erzählt seine Mutter nach dem Einschulungsgottesdienst. Und heute? Heute ist er still. So wie die anderen Erstklässler. Ein Foto mit Schultüte ist Pflicht. Livia fühlt sich bei dem Gewusele auf Mamas Arm am wohlsten.

Heute eher still

In der Aula der Schule am Mintarder Weg findet die offizielle Feier statt. Die „Neuen“ sitzen in den ersten Reihen, die Eltern da, wo noch Platz ist. Sie tragen jetzt die Schultüten und die Schultaschen. Auch Luis findet einen Platz, sucht immer wieder den Blickkontakt zu seiner Familie.

Auf dem Platz vor der Aula werden Polo-Shirts und Kapuzenjacken mit dem Schul-Logo verkauft. Zum Wohlfühlen. Es gibt Kaffee und Saft. Kennenlernen steht auch bei den Eltern im Mittelpunkt. Gespräche, während die Kinder in ihre Klassenräume gehen. Eine Schulstunde lang, die erste von vielen, die noch folgen werden.

Im Anschluss geht Luis mit seiner Familie essen. Und am Nachmittag gibt es Kaffee und Kuchen. Es ist halt kein Tag wie jeder andere. Es ist sein erster Schultag.

Jetzt wird er bald seinen Schreibtisch einrichten. Und sicherlich lernen, wie der wundervolle blaue Käfer heißt...

Sabine Moseler-Worm

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Kommentare
31.08.2010
03:16
Klasse 1b statt Bärengruppe
von Bananenstaat | #1

Ohrenkneifer, Kellerasseln ?? oh my godness

na dann, mal alles guter kleiner mann fürs weitere leben, leider ist ab jetzt deine sicher gut behütete kindheit vorbei, die rauhe reality der leistung bringer hält einzug. hoffentlich wird dir das beim **aussortieren** in der 4ten klasse erst bewusst. das wünsch ich dir luis;)

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