Klärschlamm-Kalk Ursache für Fischsterben
05.12.2011 | 16:02 Uhr 2011-12-05T16:02:00+0100
Essen. Der mit Kalk behandelte Klärschlamm aus dem Überlaufbecken an der A 44 ist die nachgewiesene Ursache für das Massen-Fischsterben in der Ruhr bei Kupferdreh. Tests am Montagnachmittag gaben den Ermittlern letzte Gewissheit.
Umweltdezernentin Simone Raskob und die Umweltermittler der Polizei sind sich einig: Der Kalk aus dem Regenbecken an der A 44 hat wohl das Fischsterben am Freitag in der Ruhr ausgelöst. Letzten Aufschluss müssen die Analysen des Landesumweltamtes geben. Die Dezernentin gab Entwarnung für den Baldeneysee: Sie erwartet „keine weiteren Schäden“.
Die toten Fische allerdings zählen nach Zehntausenden. Auch gestern sammelten Helfer die verwesenden Kadaver ein.Mit einem Experiment haben Polizei und Feuerwehr gestern bewiesen, dass Schadstoffe aus dem Becken des Landesbetriebs „Straßen NRW“ in die Ruhr gelangen können. Zu Lande und in der Luft verfolgten sie den Weg von Signalfarbe, die in das Becken gespült worden war, in den Deilbach und dann in die Ruhr.
„Unser Umweltalarmplan hat sich bewährt"
Das Ergebnis war keine Überraschung mehr für Ingrid Scholtz, Sprecherin des Straßenbaubetriebes: „Es ist inzwischen klar, dass der Kalk die Ursache war.“ Nach ihren Angaben hat Straßen NRW eine Firma beauftragt, wegen einer anstehenden Sanierung den Klärschlamm aus dem Becken zu beseitigen. Der Kalk wird eingesetzt, um den Schlamm zu trocknen. „In dieser Phase muss es ein Problem gegeben haben.“
„Dies ist ein herber Rückschlag für unsere Bemühungen zur Verbesserung und Aufwertung des Baldeneysees. Wasserqualität und Fischbestand haben erheblichen Schaden genommen“, sagt Thomas Kufen, Vorsitzender der Essener CDU-Fraktion. Er sieht aber auch Positives: „Dank und Anerkennung gebührt der Feuerwehr und den freiwilligen Helfern für die großartige und schnelle Hilfe.“ Das sieht auch die Umweltdezernentin so: „Unser Umweltalarmplan hat sich bewährt. Ich danke allen Beteiligten für schnelles, kompetentes Handeln und großen Einsatz.“
12:26
"Wenn der Kalk nicht die Fische umgebracht hätte, wäre die Ruhr mit Schwermetallsalzen schwer belastet worden."
In einem Regenrückhaltebecken haben solche Mengen von Schwermetallen, die zu einer "schweren Belastung" der Ruhr führen können, weder im Normalzustand noch bei Bauarbeiten etwas zu suchen. Schlämme, die zur notwendigen Sanierung im Weg sind und noch zuviel Wasser enthalten, um sie sicher ausbaggern zu können, können mit Sand verdichtet werden.
Also entweder verschweigt Straßen.NRW eine übermäßige Belastung des Beckens schon *vor* den Bauarbeiten oder die Baufirma hat geschlampt.
10:18
Kalk dient bei solchen Arbeiten dazu, dass Schwermetalle, die sich abgesetzt und oxidiert sind auf keinen Fall bei den Bauarbeiten ausgeschwemmt werden.
Wenn der Kalk nicht die Fische umgebracht hätte, wäre die Ruhr mit Schwermetallsalzen schwer belastet worden.
Die Firma hat nur zu langsam gearbeitet.
07:49
#Hier geht es weniger darum, genau zu lesen. Die journalistische Pflicht verlangt einfach, sehr differenziert zu formulieren. Das ist hier unterblieben. Der Artikel ist bei dem Schaden einfach zu unkritisch. Und Fakt ist auch, dass der Alarmplan gar nichts verhindert hat. Oder wie muss ich den Tod von zehntausenden Fischen verstehen. Man hat nach einigen Tagen den Verursacher gefunden. Das wäre auch ohne Plan gelungen.Da fällt es mir einfach schwer, irgendetwas Positives zu sehen. Der Schaden ist einfach zu groß und dann noch bei einem öffentlichen Auftragnehmer entstanden. Jeder weiss, dass in der Nähe von öffentlichen Gewässern Vorsicht geboten ist. Ich hoffe, der Text war sachlich genug, auch wenn ich schon Lust hätte, anders zu formulieren.
02:24
Feinkalk oder Kalkhydrat wird meines Wissens nicht dazu verwendet, anorganische Substanzen zu hygienisieren. Um es auf Klärschlämme sinnvoll anzuwenden, müssen dort schon schädliche Mikroorganismen in großer Menge vorhanden sein. In Regenrückhaltebecken haben solche Mikroorganismen aber normalerweise nichts verloren und zusätzlich werden Schlämme aus solchen Becken auch nicht zuerst hygienisiert, bevor man sie sicher zwischen- oder endlagert.
Ich habe eher den Verdacht, dass sich dort Jemand den Aushub des Schlamms einfach nur durch Trockenlegung mittels Kalk unerlaubt erleichtern wollte und dabei nicht gepeilt hat, dass es "plötzlich" wieder Regen gab, der den ganzen Schmodder dann in den Deilbach spülte.
02:13
Die Kommentare hier lassen mich nicht zur Ruhe kommen.
Wenn man den Artikel oben so liest, wie er tatsächlich geschrieben steht, sehen weder Thomas Kufen noch Simone Raskob etwas Positives in dem Umweltunfall!
Der Vorsitzende der CDU-Fraktion und die Umweltdezernentin danken nach obigen Zitaten den Helfern und sprechen ihnen ein Lob für schnelles und kompetentes Handeln aus. Das wars. Keiner von beiden sagt, es gebe einen positiven Aspekt an dem Schadenseintritt. Positiv sehen die beiden nach Auffassung von Herrn Süselbeck den Einsatz der Helfer, was das Zitat unterstreicht und ja auch tatsächlich sehr richtig zu sein scheint. Das sie das Wort "positiv" im Zusammenhang mit der eigentlichen Verschmutzung verwendet haben, ergibt sich hier in keiner Weise!
An vielen anderen Stellen hadern Sie, liebe Mitkommentatoren, oft mit Herrn Süselbeck. Hier wäre es wirklich angebracht, da - wie aus den meisten Kommentaren ganz klar ersichtlich - seine Formulierung bei ungenauem Lesen leicht missverstanden wird.
Auch ich möchte hier den vielen Helfern danken, die sich - vielfach ehrenamtlich - das Wochenende um die Ohren geschlagen haben, damit wir den See nach dem Schaden zumindest schon mal äußerlich wieder genießen können.
Außerdem hoffe ich, wie einige andere Kommentatoren auch, dass die genaue Ursache für das fehlerhafte Einleiten des Kalks gefunden, die Gefahr für die Zukunft abgestellt und der Verursacher für den entstandenen Schaden zur Rechenschaft gezogen wird. Gerade auch dann, wenn es sich um eine Landesbetrieb handelt!
Zuletzt wünsche ich mir noch, dass Sie, liebe Mitleser und vor allen Dingen Mitkommentatoren, die Artikel vorm Kommentieren noch genauer lesen und Ihren Text vor dem Klick auf senden ein zweites Mal überdenken. Ich bin der Meinung, dass neben mir viele weitere Leser von - verzeihen sie die drastische Ausdrucksweise - dahingerotzer Meckerei nur abgeschreckt werden. So abgedroschen es auch klingen mag: der Ton macht die Musik! Falsch gewählt kann er sehr leicht Menschen mit eigentlich gleichen Ansichten, zur Opposition treiben. Mit durchdachten Argumenten dagegen, können hier sicher viele Mitbürger zu verstärktem Nachdenken bewegt werden!
Gute Nacht!
01:11
Eigentlich ist es ein tragischer Fall. Denn dieses (und andere) Überlaufbecken sind dazu da, dass mit Ölresten und Reifenabrieb verschmutztes Wasser von den Straßen dort zu Ruhe kommt und die Umweltgifte sich als Schlamm absetzen, dem dann im Zuge der weiteren "biologischen Reinigung" eben dieser Kalk zugesetzt wird, der jetzt selbst die Umweltkatastrophe ausgelöst hat.
Vielleicht wären die jetzt toten Fische mit den Ölresten und dem Reifenabtrieb besser klar gekommen als mit diesem Umweltschutz.
00:59
Es ist sehr schlimm was passiert ist. Aber irgendwie bin ich trotzdem erleichtert. Meine anfänglich Befürchtung, da wären im großen Stil Schwermetalle, Pestizide, andere Lösungsmittel oder Gifte "entsorgt" worden, hat sich offenbar nicht bestätigt. Der Kalk bzw. dessen drastische pH-Verschiebung ins alkalische als Folge der Anwendung hat eine desaströse Wirkung gehabt, aber nur zeitlich begrenzt. Da bleibt nichts dauerhaft zurück, wie etwa bei Schwermetallen oder anderen Giften. Ich bin überzeugt, dass sich der Fischbestand und das darunterligende Ökosystem von Kleinkrebsen bis zu Algen ziemlich bald davon erholen werden.
Sehr dringlich sollte aber die Sensibilität für die Verletzlichkeit für ein Natusrschutzgebiet erhöht werden. Angefangen von diesen und anderen Bauarbeiten jeglicher Art in Seenähe bis zu allem was sich motorisiert übers Wasser bewegt. Sowohl von auftraggebenden Behörden als auch denen, die die Schaufel in die Hand nehmen.
00:30
Ich bin immer wieder erstaunt über den Sachverstand mancher Kommentare... der Frust muss verdammt tief sitzen... ;-) Wie wäre es denn mal mit konstruktiven Anmerkungen?
Das gefällt mir. :-)
21:20
Wie schön für (fast) alle Beteiligten, dass man so wirklichkeitsgetreu ´üben´ konnte - hat doch alles so prima geklappt
21:19
@6
Ob die Angelvereine für den Fischbesatz mit verantwortlich sind, weiß ich nicht mit Bestimmtheit, aber vielleicht kann ein kompetenter Mitforist darüber Auskunft geben? Die Rotfedern, die in den letzten Jahren in großer Zahl (vor ca. 14 Tagen erst 5000) ausgesetzt wurden, setzt der Ruhrveband als natürliche Waffe gegen die Elodea (= Wasserpest, eine Pflanze) ein, die von den Fischen vertilgt wird. So muss die Wasserpest, die eine große Plage darstellt, nicht händisch bzw. mit großem technischen Aufwand entfernt werden. Das ist natürlich ein herber Rückschlag für das sehr erfolgreich angelaufene Programm.
@10
Mir erschließt sich nicht, was die Bauaufsicht mit der Trockung von Klärschlamm am Hut hat. Die sogen. Hygenisierung bzw. Trockung von Klärschlamm u.a. mit ungelöschtem Kalk ist von der EU unter strengen Richtlinien erlaubt. Ich stimme Ihnen natürlich zu, dass da was schief gelaufen ist, und das sieht Straßen.NRW ja genauso (siehe Artikel). Allerdings tut uns allen gut, erst einmal abzuwarten, was die Ermittlungen ergeben bzw. wer an welcher Stelle etwas übersehen bzw. Fehler gemacht hat. Bei aller Wut und allem Ärger wäre etwas mehr Gelassenheit von Nöten. Da Umweltsünden gottlob hierzulande kein Kavaliersdelikt mehr sind, wird die Sache auch aufgeklärt werden.