Kita-Besuch auf der Demenzstation

Erna K. hält eine alte Puppe in der Hand und spielt andächtig mit ihr, Hans D. sitzt ihr gegenüber, macht Witze und redet über alte Zeiten und den FC Schalke 04, er betrachtet dabei interessiert kleine Zinnsoldaten. Beide sind dement und leben im Evangelischen Seniorenzentrum an der Wilhelmstraße.

Die Demenzstation bekommt einmal im Monat Besuch von sechs Kita-Kindern aus der Cornelius-straße. Dann wird zusammen gespielt, gekocht, gebacken, geredet.

„Spielzeug von früher und jetzt“ lautet das Motto des heutigen Zusammentreffens. Auf dem langen Tisch im Gemeinschaftsraum liegen alte Spielzeugautos und Puppen, auch ein Kaufmannsladen wird bewundert.

Die fünfjährige Lena hat ein Buch von Prinzessin Lilifee mitgebracht und erzählt den Senioren davon. Ihre gleichaltrigen Freunde Mathilda, Finn, Namendeeb und Simon haben zuvor mit den Bewohnern Murmeln über den Tisch rollen lassen. „Das war bei Groß und Klein heute der Renner“, erklärt Altentherapeutin Bärbel Schenkluhn. Sie ist begeistert von dem Projekt, das vor rund einem Jahr initiiert wurde. Altenpflegerin Chilluba Geiß absolvierte eine Weiterbildung zur Fachkraft für Gerontopsychiatrie und schlug in diesem Zusammenhang das Thema vor. „Jung trifft Alt“ ist eine Idee, die inzwischen auch in anderen Städten in Senioren-Einrichtungen und Schulen gut ankommt.

Die Absicht dahinter ist simpel – es geht um gegenseitigen Austausch und Abwechslung vom Alltag. „Hier profitieren alle voneinander. Es gibt immer wieder neue Situationen. Den Kindern macht es großen Spaß, und die Heimbewohner sind gerührt. Und im gemeinsamen Spiel gleichen sie sich alle“, berichtet Benjamin Bröhling, Leiter der Kita.

Ob Opa- oder Enkelersatz, die gemeinsamen Aktionen wecken nachhaltige Emotionen. „Die Kinder reden zu Hause sehr intensiv über die Erlebnisse mit den alten Menschen, einige haben ja auch keine eigenen Großeltern“, ergänzt der Pädagoge.

Gemeinsam mit Wohnbereichsleiterin Christina Hamann und den beiden Teams entstehen schnell neue Ideen, was man als nächstes zusammen machen kann. „Ob Marmelade kochen, Martinslaternen basteln, Turnen oder Backen, uns fällt immer etwas ein“, erklärt Schenkluhn. Die halbe Stunde ist schnell herum. Mit einem gemeinsamen Lied „Auf Wiedersehen, bleib nicht so lange fort“ klingt dasZusammensein aus.