Kirche kann Zeitgeist nicht länger ignorieren
11.06.2010 | 10:02 Uhr 2010-06-11T10:02:00+0200
Essen.Franz-Josef Overbeck verkämpft sich unnötig. Wer Schwulsein offen ablehnt, dem nützt keine Berufung auf Meinungsfreiheit oder die Bibel, er wird - ob er will oder nicht - in die unappetitliche Nähe von Rassisten und Ewiggestrigen gerückt.
Es sind fast lutherische Züge, die Ruhrbischof Franz-Josef Overbeck derzeit umwehen: „Hier stehe ich und kann nicht anders.“ Der 45-jährige Theologe mag nicht abschwören von seiner aus der traditionellen Bibel-Auslegung herrührenden Überzeugung, wonach Homosexualität Sünde sei. Mit seinem im Fernsehen vor Millionenpublikum ausgesprochenen Verdikt hat sich der Bischof jedoch mit einer Interessengruppe angelegt, die nach Jahrhunderten verdruckster Heimlichkeit und harter Verfolgungserfahrung inzwischen offensiv und mit großem Sendungsbewusstsein für die Akzeptanz ihrer Lebensform kämpft. Vermutlich war ihm das so nicht klar.
Hier hört der Spaß auf
Wo noch vor 20 Jahren ein Wort wie das des Bischofs ohne große Folgen geblieben, allenfalls kopfschüttelnd belächelt worden wäre, setzt es inzwischen politischen und medialen Gegenwind, der schnell zum Sturm werden kann. Wer Schwulsein heute offen ablehnt, dem nützt keine Berufung auf Meinungsfreiheit oder die Bibel, er wird - ob er will oder nicht - in die unappetitliche Nähe von Rassisten und Ewiggestrigen gerückt. Das erklärt die selbstbewusste Wut, die sich im Dom Bahn brach, aber auch die Hilflosigkeit des Bischofs. Man wurde Zeuge eines Eiertanzes, in dessen Zentrum ein arg schlichter Zirkelschluss steht: Weil es in der Bibel steht, ist es so. Punkt, Aus, Ende.
Nun ist Overbeck natürlich kein Extremist, er lebt aber gewissermaßen in einem Paralleluniversum. Wo die Gesellschaft, jedenfalls in ihren tonangebenden liberalen Kreisen, Schwulsein mindestens als unproblematisch, teilweise durchaus als schick empfindet, wirkt der Traditionsflügel der katholischen Kirche wie aus der Zeit gefallen. Man könnte das nun stehenlassen nach dem Motto: Soll doch jeder denken, was er will. Bei bestimmten Themen, und dazu gehört die sexuelle Selbstbestimmung, hat die libertäre Gesellschaft aber eben einen Missionsdrang, der dem der Kirche in nichts nachsteht. Um es etwas flapsig zu lassen: Beim Schwulsein hört der Spaß auf. Die Kirche darf, ja soll in vielen Fragen widerborstig sein, nicht aber in dieser. Und so prallten im Essener Dom zwei Wirklichkeiten aufeinander, die auch mit gutmeinenden Gesprächsrunden kaum zu versöhnen sind.
Overbeck kann diesen ungleichen Kampf nicht gewinnen. Die Kirche ist nicht mehr in der Lage, den Zeitgeist zu ignorieren. Das haben die letzten Wochen bewiesen, als ein Bischof zurücktreten musste, letztlich weil er Kinder verprügelt hat - noch vor kurzem undenkbar. Overbeck muss nicht zurücktreten, aber er hat seiner Kirche keinen Gefallen getan. Es kann Fragen geben, bei denen man sich unter allen Umständen quer stellen muss. Diese ist - neben allem anderen - nicht wichtig genug. Wird der Kern kirchlicher Werte wirklich von der sexuellen Orientierung gefährdet? Doch wohl gewiss nicht.
21:25
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21:23
@#1 verregnet (statt Vieler)
Typen wie Sie, die hier von einer Neigung sprechen, gießen durch unüberlegte Wortwahl immer erneut Öl aufs Feuer derjenigen (z.B.diesem unerträglich kostümierten Overbeck), die in allem Anderen etwas Verwerfliches zu erkennen glauben!
Bei Schwulsein aber handelt es sich nicht um eine Neigung, wie ich eine z.B. gegen Fußball habe - sondern um eine genetische Disposition, die irreversibel, also ganz natürlich ist.
Wer das nicht anerkennt, ist eigentlich ein Feind einer freien Gesellschaft und müsste stattdessen umerzogen werden!
Nur damit keine Zweifel an meiner Neigung aufkommen - ich bin bekennender Hetero!
21:18
Passend zum Photo kann ich nur sagen:
Gayt Nicht!
Sünde ist ein christlicher Begriff über den säkulare Menschen und Atheisten nicht verfügen können. Genauso wenig steht es Nicht-Christen zu, von Christen eine Glaubensänderung zu verlangen. Sie können nur zu dem Schluss kommen, dass sie mit Christen nicht übereinstimmen. Das nennt man Demokratie. Alles andere ist anti-christliche Hetze.
21:04
Der Artikel ist genauso dumm wie die Äußerungen von Herrn Overbeck.
Herr Stenglein hat überhaupt nciht verstanden, worum es geht. Das hat doch nichts mit Zeitgeist zu tun. Wenn die Kirche dem Zeitgeist folgen würde, müsste sie doch zur Zeit auch den Materialismus gutheißen, müsste Kapitalismus pur und soziale Ausgrenzung akzeptieren. In der DDR hätte sie dann den Sozialsmus toll finden müssen.
Das ist doch absurd.
Hier geht es doch darum, dass Herr Overbeck einer bestimmten Gruppe von Menschen den respekt und auch die christliche Nächstenliebe verweigert. Und das nur, weil diese so sind, wie Gott sie geschaffen hat. (zumindest nach dem Verständnis der Kirche) Das ist nicht nur inhuman, das widerspricht auch der christlichen Botschaft.
Mit Zeitgeist aber hat das überhaupt nichts zu tun.
Aber wie man in vielen Kommentaren hier und vor allem beim Thema Wetsrewelle sieht, steht Overbeck mit seiner Meinung ja gar nicht so alleine da.
Vielleicht ist unsere Gesellschaft doch noch nicht so weit, wie wir mal glaubten.
20:48
und jetzt leben wir in einer kapitalistischen pseudodemokratie
20:47
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20:16
Bis 1945 hatten wir ein 1000jähriges Reich.
Bis 1918 ein Kaiserreich,
...
19:51
Immerhin bis 1994 : http://de.wikipedia.org/wiki/§_175
19:43
Tja,
19:33
Und ? #54