Kinderlärm – Essener Gastronomen setzen auf Rücksicht

Nicht immer haben alle Menschen Verständnis für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern.
Nicht immer haben alle Menschen Verständnis für die Bedürfnisse von Eltern und Kindern.
Foto: dpa
Was wir bereits wissen
Nach einem Fall in Düsseldorf, bei dem ein Wirt eine „hunde- und kinderfreie Zone“ einrichtete, betonen Essener Wirte: Ohne Verständnis geht es nicht.

Essen.. „Kinder und Hunde verboten“ – mit diesem Schild entfachte ein Düsseldorfer Wirt eine hitzige Debatte. In einem Café in Essen gab es einen ähnlichen Vorfall: Zwar waren die Kinder gerne gesehen, aber die Kinderwagen nicht. Die sollten aufgrund der Platzprobleme draußen abgestellt werden.

„Also, ich würde dort nicht mehr hingehen“, sagt Ivonne Pausch. Die 33-Jährige ist Mutter von zwei Töchtern im Alter von acht Jahren und 14 Tagen. Den Kinderwagen vor dem Restaurant abzustellen, das kommt für sie nicht in Frage: „Der wird doch geklaut.“ An der Seite im Café den Wagen irgendwo abzustellen, dagegen schon. Wenn sie sich dagegen mit mehreren Müttern treffen würde, würde sie vorher im Café anrufen, ob der Platz für eine Kinderwagen-Kolonne auch gegeben sei. „Ich denke, man muss Rücksicht nehmen.“

Eigene Speisekarte für Kinder

Das Rüttenscheider Café Miamamia hat sich auf Eltern mit Kindern eingestellt. „Wir möchten, dass sich alle Menschen bei uns wohlfühlen – Eltern mit ihren Kindern, wie auch Singles“, sagt Brigitte Trautvetter, Mitarbeiterin im Miamamia. Bei ihnen könnten die Kinder im Sommer im Sandkasten draußen spielen, im Winter gibt es eine kleine Ecke mit Maltisch und Spielzeug. „Die meisten Mütter wissen schon, wie sie ihre Kinderwagen am besten platzieren“, erklärt Trautvetter. Probleme gab es bei ihnen noch nie. „Wir erklären unseren Gästen ja auch, dass die Gänge frei bleiben sollten, wegen der Unfallgefahr.“ Denn niemand möchte, dass ein heißes Getränk über den Kinderwagen schwappt. „Diplomatie ist wichtig. Wenn ich nett frage, sind die Eltern auch nett zu mir“, erklärt Trautvetter.

Janine Khosravi (41), Mutter der dreijährigen Alea, kennt sich bestens aus in Essen. „Wir Mütter wissen eigentlich, wo man sich gut mit mehreren Kinderwagen treffen kann“, erklärt sie. So sei der Gastrobetrieb „Insel“ ein guter Anlaufpunkt, ebenso wie das Familiencafé Spielwerk, beide in Rüttenscheid. Dort gibt es extra Kinderwagenparkplätze und sogar eine eigene Karte für die Kleinen.

Verhalten einiger bestraft am Ende alle

Auch im „Seitenblick“ in der Innenstadt, nahe des Grillo-Theaters, sind Kinder gerne gesehen. „Wir hatten bis jetzt nie Probleme mit Kinderwagen. Natürlich haben wir wenig Platz, aber wir finden immer eine Stelle für den Wagen und vergeben die Tische auch so“, sagt Restaurantleiter Sebastian Storch (33). Den Kinderwagen mitten im Gang stehen zu lassen, sei aber keine Option. „Unsere Kellner und anderen Gäste sollen sich ja auch noch frei bewegen können, ohne zu stolpern.“ Rücksichtnahme auf beiden Seiten also.

Das fordert auch ein Rüttenscheider Vater (40). Er kann den Düsseldorfer Gastwirt ein Stück weit verstehen. Er hat drei Kinder im Alter von vier Jahren bis sechs Monaten. „Manche Eltern lassen einfach zu viel durchgehen. Es ist schade, dass das Verhalten einiger Eltern am Ende alle bestraft.“