Kinder zünden Friedenslichter an

Frohnhausen..  Im Eingangsbereich der evangelischen Kindertagesstätte am Postreitweg in Frohnhausen steht seit den Anschlägen in Paris eine große, brennende Kerze. In Griffweite liegen schlichte Teelichter. Aus den Teelichtern werden Friedenslichter, wenn die Mädchen und Jungen sie anzünden und zu einem extra eingerichteten Lichtertisch bringen, wo die Kinder in einem Buch ihre Unterschrift für den Frieden geben können.

„Kinder bekommen durchs Fernsehen, die Zeitung oder durch Gespräche von Ereignissen wie zuletzt in Paris mit. Sie kommen mit solchen Ereignissen im Kopf in die Kita“, sagt Martina Sonnenberg. Die Kita-Leiterin kann sich noch gut an die Zeiten der beiden Irak-Kriege erinnern, als sich mittags in der Kirche der Gemeinde Menschen trafen, um für zehn Minuten inne zu halten und für den Frieden zu beten. Schon damals durften die Kita-Kinder mitmachen, wenn sie wollten. Da lag die Idee des heutigen Kita-Teams mit dem Lichtertisch nahe. „Eltern, die ihre Kinder bringen oder abholen, können gemeinsam mit ihren Söhnen oder Töchtern ein Zeichen für die Freiheit der Religionen und gegen jede Art von Gewalt und Fundamentalismus setzen, indem sie eine Kerze anzünden und Gedanken des Friedens in das Buch schreiben oder malen“, sagt Martina Sonnenberg. Mit ihrer Unterschrift bekräftigen sie: Ich bin Jüdin, Jude, Muslimin, Moslem, Christin und Christ. Wir sind Kinder einer Erde für Freiheit, Frieden und Gerechtigkeit – für Demokratie. „Wir werden wohl demnächst das zweite Buch brauchen“, freut sich die Kita-Leiterin über die positive Resonanz und über die Kinder. So wie über den sechsjährigen Hassan, der sagt: „Eine liebe Sonne, ein blauer Himmel und ein kleines Kind im Garten – das ist Frieden.“ Und Tom meint: „Bei uns gab es früher Krieg, aber in anderen Ländern auch heute. Das sieht man im Fernsehen. Eigentlich sind die Männer, die mit ihren Waffen alles kaputt machen, blöd.“ Lutz sagt einfach: „Im Frieden freut man sich.“ Und Stella weiß: „Im Frieden schenkt man sich Kuchen.“

Und wer von den Kindern noch nicht richtig schreiben kann, drückt sich beim Malen aus: Menschen, die einander an der Hand halten. Ein Mensch, der Gold mit anderen teilt. Ein Sternenhimmel oder eine Friedensblume.

Die Idee des Friedenstisches ließ das Kita-Team eine andere alte Tradition in der Evangelischen Kirchengemeinde Frohnhausen wieder aufnehmen und an jedem Montag um 9 Uhr für den Frieden zu beten. „Alle Menschen die das wollen, aus unserer Kindertagesstätte, aber auch aus unserer Kirchengemeinde und dem Stadtteil, kommen für zehn Minuten in einem besonderen Raum unserer Einrichtung zusammen, um miteinander zu beten, Texte zu hören und zu singen, um so dem Frieden in der Welt ein kleines Stück Heimat zu geben“, erklärt Martina Sonnenberg. „Wir freuen uns auf alle Menschen, die mit uns ein Zeichen für Frieden, Freiheit und Gerechtigkeit setzen wollen und den Friedensweg ein Stück mit uns gehen.“