Kinder- und Jugendarbeit - SPD will freie Kulturträger stärken
14.02.2012 | 19:43 Uhr 2012-02-14T19:43:00+0100
Essen.Dieses Nein tat weh: Als die SPD während der Ratssitzung im November den Vorschlag machte, endlich die freien Kultureinrichtungen für ihre Kinder- und Jugendarbeit finanziell mit dem Kleckersümmchen von 20.000 Euro pro Jahr zu unterstützen, schaltete das Viererbündnis aus CDU, Grünen, FDP und Bürgerbündnis auf Stur – und stimmte dagegen. Und weil Essen keinen absolutistischen Monarchen, sondern nur einen sozialdemokratischen Oberbürgermeister ohne eigene Mehrheit im Rat hat, blieb es beim Nein.
Hans Aring, kulturpolitischer Sprecher der SPD, ärgert sich noch heute über die Abstimmungsniederlage. „Völlig unverständlich“ sei das Vorgehen des Viererbündnisses. Bei den Haushaltsberatungen im Sommer will er seinen Antrag wieder einbringen, denn: „Die freien Kultureinrichtungen leisten wertvolle pädagogische Arbeit in den Stadtteilen.“ Das Kulturzentrum Grend etwa in Steele oder die Studiobühne in Kray.
„Kein ausgereiftes Konzept“
Kerstin Plewa-Brodam würde sich auf der Korumhöhe im Osten der Stadt freilich über eine weitere finanzielle Unterstützung durch die Stadt freuen. Vor allem, weil die Studiobühne so ihre pädagogische Arbeit langfristiger planen könnte, statt wie bisher nur von Schuljahr zu Schuljahr. Im Haus (Motto: „Drama, Wahnsinn, Kinderlachen“) engagieren sich zwei ausgebildete Theaterpädagogen, zum Beispiel in Kooperationsprojekten mit Schulen. Immerhin 5000 Euro konnte Plewa-Brodam an Fördergeldern im vergangenen Jahr einwerben.
Susanne Asche, die sonst gerne das Loblied vom „ungeheuer wichtigen Beitrag, den die freie Kulturszene leistet“ singt, begründet ihr Nein zum SPD-Antrag so: Hinter dem Fördervorschlag der Sozialdemokraten stecke „kein ausgereiftes Konzept“. Daran arbeitet jedoch bereits Kulturdezernent Andreas Bomheuer. Die städtischen Kultureinrichtungen haben ihm eine Bestandsaufnahme ihrer Angebote im Bereich „Kulturelle Bildung“ geschickt. Auf dieser Basis will Bomheuer ein Konzept erstellen, in dem die freien Kulturträger berücksichtigt werden. Was dort auf die Beine gestellt werde, sei „ein wichtiger Bestandteil in der Kulturarbeit dieser Stadt“.
Hans Aring will nicht aufgeben
Allein das Büchlein „TuP macht Schule“ der Theater und Philharmonie ist 140 Seiten dick. Mitmachkonzerte, Künstlerbegegnungen, Kinder-Opern und Jugendstücke, die Liste der Projekte ist lang – und werden mit Herzblut angegangen. Vier Theaterpädagogen arbeiten in den TuP-Häusern, ihre Stellen werden teilweise über Drittmittel aus Stiftungen finanziert. Auch das Museum ist eifrig im Bereich der Kinder- und Jugendarbeit engagiert. Offensichtlich jedoch so sehr, dass man – trotz mehrmaliger Anfragen – keine Zeit für eine Auskunft gegenüber der NRZ fand.
Das eine sind die großen Häuser. Das andere die freien Kultureinrichtungen, die im Schatten der Leuchttürme in den Stadtteilen ihre Nachwuchsarbeit betreiben. Und da in so kleinen Institutionen viel gelingt, nur nicht, große DAX-Konzerne als Sponsoren zu gewinnen, will Hans Aring hartnäckig bleiben. Wer die Spardebatten von morgen verhindern wolle, müsse heute in die Kulturpädagogik investieren. Und seien es Kleckerbeträge.
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