Kinder können Leben retten

Sitzt richtig und fest: Diese Schüler der Klasse 4b der Morungen-Grundschule in Steele-Ost können für den Notfall bereits Wundverbände anlegen. Ralf Frede zeigte ihnen, was dabei zu beachten ist. Er hat die Projektwoche in der Grundschule organisiert – und ist für die nächsten schon gebucht.
Sitzt richtig und fest: Diese Schüler der Klasse 4b der Morungen-Grundschule in Steele-Ost können für den Notfall bereits Wundverbände anlegen. Ralf Frede zeigte ihnen, was dabei zu beachten ist. Er hat die Projektwoche in der Grundschule organisiert – und ist für die nächsten schon gebucht.
Foto: Essen
Was wir bereits wissen
Möglich macht das auch DRK-Ehrenamtler Ralf Frede. Er hat schon 12.000 Essener Kindern das Einmaleins der Ersten Hilfe beigebracht.

Essen.. Sind so kleine Hände – und doch retten sie Leben. Kinder können das. Die Oma, die plötzlich zu Hause zusammensackte und wenig später von Sanitätern noch rechtzeitig wiederbelebt wurde, weil die kleine Enkelin sofort über den Notruf 112 die Feuerwehr alarmiert hatte. Kinder können auch ein Unfallopfer verbinden, das zu verbluten droht – oder einen Bewusstlosen in die stabile Seitenlage bringen. Dazu muss man kein Erwachsener sein. Das kann jeder Knirps, sogar ein Fünf- oder Sechsjähriger. Nur wenige Handgriffe müssen die Kleinen dafür beherrschen. Und die brachte der Rotkreuzler Ralf Frede schon 12.000 Essener Kindern bei. Der Mann, der aus Mädchen und Jungen Ersthelfer macht, die in Notsituationen ihren Mann oder ihre Frau stehen.

Der DRK-Mann ist Ehrenamtler – und das mit Herz und Seele. Erst vor wenigen Monaten erhielt er die höchste DRK-Auszeichnung. Auch weil das, was er auf die Beine gestellt hatte, bundesweit als vorbildlich gilt. Zwar wurde vom Deutschen Roten Kreuz schon in den 90er Jahren ein Leitfaden erstellt, wie man Kinder an die Erste Hilfe heranführt. Aber Frede hat das Projekt „Kinder helfen Kindern“ in Essen zu einem der größten in Deutschland ausgebaut. Und nirgendwo anders werden die DRK-Kurse und Mitmachaktionen in so vielen Kitas und Grundschulen organisiert wie in Essen.

Die ersten Handgriffe

Jeder fünfte Grundschüler hat bei Frede schon das Einmaleins der Ersten Hilfe geübt. Vor wenigen Tagen kehrte er von der Morungen-Grundschule in Steele-Ost zurück. Die Viertklässler übten mit ihm, wie man schwere Blutwunden und Knochenbrüche behandelt. Der Verband muss fest sitzen – und der gebrochene Arm wird leicht unterpolstert. Das reicht, bis die Profis vom Rettungsdienst kommen.

Schon zwölf Jahre läuft die Initiative mit Erfolg. Die Schulen und Kindergärten nehmen die verschiedenen Kurse von Frede zum Selbstkostenpreis von 30 bis 75 Euro pro Gruppe in Anspruch. „Ich bin nahezu ausgebucht“, sagt er. In diesem Jahr hat er schon 520 Kinder unterrichtet.

Mehr Sozialkompetenz

Ein kleiner Junge hatte Frede damals erst auf die Idee gebracht. Der Schüler sah die Uniform des DRK-Mannes, als dieser gerade seinen Sohn von der Schule abholte und fragte ihn gleich: „Erste Hilfe – wie geht das?“

Wie schnell sich Kinder für dieses Thema begeistern können, erfährt Frede stets aufs Neue. „Die haben keine Angst zu helfen.“ Die kippen auch nicht wie so mancher Erwachsener gleich um, wenn sie Blut sehen. Den Puls fühlen können sie noch nicht, reanimieren schon gar nicht. Dafür sind die Finger noch nicht geschickt und flink genug. Aber sie lernen, sofort die 112 zu wählen und dem Disponenten in der Leitstelle der Feuerwehr das Wichtigste in kurzen Sätzen zu sagen – sowie eine Erstversorgung beim Patienten vorzunehmen.

„Die Erfahrung, helfen zu können, ist eine wichtige Sache für die Kinder“, betont der ehrenamtliche Ausbilder in seinem Büro im DRK-Haus an der Hachestraße. „Das steigert ihre Sozialkompetenz.“ Am Ende von fünf bis zehn Unterrichtseinheiten erhalten die Schüler die Urkunde „Kleiner Juniorhelfer“. Frede: „Damit gehen sie stolz mit geschwollener Brust herum. Und wenn Kinder Freude haben, ist das die beste Dankbarkeit, die ich erfahren kann.“