KG Wanderfalke feiert
02.09.2010 | 16:05 Uhr 2010-09-02T16:05:00+0200
Werden.Emu, Kiwi, Milan, Tölpel. Namen für Kleinflugzeuge könnten das sein. In der Abteistadt bezeichnen die wohlklingenden Vogelarten aber Kanus und Kanadier. Sie sind bei der KG Wanderfalke zu finden. Hier im Löwental besteht einer der ältesten Wassersportvereine an der Ruhr. Seit nunmehr 85 Jahren.
„Die Sache mit den Bootsnamen hat der Gründungsvorstand beschlossen und in der Satzung festgelegt“, erklärt der Vereinsvorsitzende Joachim Schwarzrock. „Wir haben keinen Grund gesehen, daran etwas zu verändern.“
Rund 200 Sportsfreunde versammeln sich an diesem Tag am Ruhrufer. Friedo Reit, 1950 erster Deutscher Meister aus den Reihen der KGW, Barbara Schüttpelz, die 1984 Silber und Bronze in Los Angeles gewann, und all die anderen schwelgen in Erinnerungen. Schwarzrock hat sich für den späteren Abend ein Quiz einfallen lassen. „Ich werde mir einzelne herauspicken und die Runde fragen: Na, mit wem saß er wohl in einem Boot?“
Die Kommunikation soll im Mittelpunkt stehen, auf ein Unterhaltungsprogramm wurde verzichtet. „Einen einarmigen Geiger werden sie bei uns nicht finden“, sagt Schwarzrock und schmunzelt.
Früh hatte sich die KGW auf die damals völlig unbekannte Sportart Kanupolo besonnen. Auf der Wiese in unmittelbarer Flussnähe sind alte und aktuelle Modelle ausgestellt. „Das erste Polo-Boot haben wir uns für 350 Mark in Frankreich besorgt“, weiß der Vereinsvorsitzende. „Kostenpunkt heutzutage: ab 1500 Euro.“ Im Bundesliga- und Trainingsbetrieb arg strapaziert muss es nach etwa drei Jahren ausgetauscht werden.
Schweren Herzens opferte der Club die Sparte Rennsport, um sich auf die Jagd nach dem Ball konzentrieren zu können. Dabei hatten die Schnellpaddler stetig für spektakuläre Erfolge gesorgt: Gold im WM-Vierer 1938, erster und zweiter Platz bei den deutschen Meisterschaften 1949, nicht weniger als 30 nationale Titel für Barbara Schüttpelz, die den Wanderfalken seit ihrem zwölften Lebensjahr die Treue hält. „Der Rennsport wurde einfach zu aufwändig und zu teuer“, erläutert Schwarzrock.
Eine Vernunftsentscheidung, die angesichts der wechselvollen, stets spannenden und hier und da meisterlichen Leistungen in der Kanupolo-Bundesliga wenig Raum für Wehmut lässt. Mit Kanupolo beginnen bei der KGW schon Grundschüler.
Der Club mit dem stetig in Schuss gehaltenen Gelände in idealer Lage bietet aber auch jenen eine Heimstatt, die weniger auf Wettbewerb als auf Bewegung in der Natur aus sind. Außer Wildwasser durchpflügen die KGW-Paddel alle Reviere bis hinauf zum Wattenmeer. Wem es während der finsteren Jahreszeit auf dem Wasser zu schattig ist, kann sich in der Walkinggruppe fit halten.
„Zu ihrem großen Bedauern konnten viele Ehemalige nicht hier sein“, sagt Schwarzrock. Deshalb wollen wir uns schon im Mai 2012 wieder treffen.
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