Kettwiger schreibt über Streetart

Kettwig..  Was ist das Besondere an geschriebenen Worten auf Häuserwänden, an Mauern und Straßen? Wie stellt sich das in der globalen Welt des Graffiti dar? Mit all diesen Fragen rund um die Street Art Kultur hat sich der Kettwiger Autor Nicholas Ganz intensiv beschäftigt. Und dabei herausgekommen ist sein neues Buch.

Es gibt einen umfassenden Überblick über den historischen Hintergrund, über die unzähligen Nachrichten im öffentlichen Raum und ist mit umfangreichen Informationen und exklusiven Zitaten angereichert. „Es handelt sich bei den Graffiti um Slogans, um politische Gedanken, aber auch um Persönliches, um Gedichte und vieles mehr“, erklärt Ganz.

Er recherchierte rund eineinhalb Jahre auf der ganzen Welt bei Streetart-Künstlern, die er teilweise über persönliche Kontakte oder Dritte kennt. Der Auftrag an diese war ganz einfach: Sie sollten sich selbst präsentieren und ihm Fotos von ihren Werken schicken. Im Anschluss daran interviewte er sie dazu. „Die Resonanz war riesig. Es ist schon super, wenn man dank des Internets überall Kontakte pflegen und aufbauen kann. Außerdem kennt man sich in der Szene“, erklärt Ganz.

Das Werk zeigt unter anderem Arbeiten der britischen Streetart-Künstler Banksy, Mobstr und Ben Eine, des Norwegers Dolk, des Graffiti-Pioniers Flint oder des Israeli Know Hope.

Der freie Fotograf Nicholas Ganz sprühte 1994 seine ersten eigenen Bilder und dokumentiert seitdem weltweit Graffiti und die Streetart-Kultur. Mit seinem ersten Buch „Graffiti World“ landete er bereits kurz nach der Veröffentlichung im Jahr 2004 einen Bestseller, der in elf Sprachen übersetzt wurde.

Inzwischen habe der große Hype jedoch nachgelassen. „Graffiti ist eine ewig alte Geschichte, aber der Markt funktioniert inzwischen leider anders. Die Szene bewegt sich jetzt eher in Galerien und weniger auf der Straße im Vergleich zu früher“, erklärt Ganz.

Die Vorarbeit zu seinem neuen Buch finanzierte er mittels der sozialen Medien durch Crowdfunding. Crowdfunding ist eine Form der Finanzierung durch eine Menge von Internetnutzern. Zur Spende oder Beteiligung wird über persönliche Homepages, professionelle Websites und spezielle Plattformen aufgerufen.

So konnte Nicholas Ganz für seine Recherchen unter anderem nach Mexiko, Ägypten und Pompeji reisen. Ihm war wichtig, mehr über die Wurzeln der Graffiti zu erforschen. „Angefangen bei der Höhlenmalerei sieht man, dass es sich um eine sehr alte Kultur handelt“, erklärt er.

Auch in aktuellen Krisensituationen ist das Graffito Mittel zum Zweck. „In vielen Ländern - wie zum Beispiel in Ägypten - können sich die Menschen nicht öffentlich äußern und schreiben ihre Gedanken an die Wand. Das ist ihre Form der Kommunikation“, erklärt der 39-jährige.

Auch in seiner Heimatstadt Kettwig könne er sich ein Bauwerk besonders gut für Text-Graffiti, Slogans oder interaktive Gedanken vorstellen: „Den Bunker an der Straße Am Bilstein würde ich gerne für solch eine Aktion bemalen.“

Das 144 Seiten umfassende Werk „Street Messages“ ist bei Dokument Press verlegt und ab sofort im Buchhandel erhältlich - es kostet 22,90 Euro.