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Evag-Lehrlinge im Einsatz

Sicher in den Linienbus

10.11.2011 | 16:23 Uhr

Essen-Kettwig.Öffentliche Verkehrsmittel haben so ihre Tücken. Selbst Menschen ohne jede Bewegungseinschränkung bekommen schon einmal Probleme beim Ein- und Aussteigen, auf dem Weg zum Sitzplatz oder beim Fahrkartenkauf beim Fahrer. Wie geht es dann erst Patienten nach Knie- oder Hüftoperationen? In der Reha-Klinik auf der Rötsch weiß man seit langem um die besonderen Herausforderungen, vor die eine eigentlich alltägliche Busfahrt gehandicapte Mitmenschen stellen kann. Im Garten hinter dem Hauptgebäude findet sich das vordere Drittel eines Linienbusses: Vordertür, Fahrersitz und einige Plätze. „Mercedes hat uns das Modell vor 20 Jahren zur Verfügung gestellt“, weiß Sylvia Neuhaus von der Fachklinik. Und diesen Zeitraum sieht man der Blechkiste deutlich an.

Deshalb kümmern sich drei Auszubildende der Lehrlingswerkstatt von Evag und den Mülheimer Verkehrsbetrieben um eine Auffrischung. Rainer Hermes, der das Projekt zusammen mit seinem Kollegen Alexander Kierstein leitet, und die Jugendlichen im zweiten Lehrjahr fanden etliche sanierungsbedürftige Details: Verrostete Leisten, defekte Abdichtungen und Scharniere an der Türmechanik, die sich auch ohne Hydaulik-Zylinder betätigen lässt.

„Ich habe meine Jungs mit den Aufgaben konfrontiert. Anschließend mussten sie sich selbstständig eine Strategie zurecht legen, klären, was in welcher Reihenfolge zu erledigen ist“, erläutert Hermes. Das Zusammenspiel klappte auf Anhieb. Angehende Kfz-Mechatroniker, Sattler und Schlosser haben ihre Aufgabe als Team-Projekt begriffen.

„Auf die zusätzliche Motivation kam es uns an“, sagt Hermes. „Problemlösung in Eigenregie stärkt das Zusammengehörigkeitsgefühl“. Was man im Sport gern „Team-Building“ nennt, ist auch entscheidend für die künftige Berufstätigkeit in den Betriebshöfen der Nahverkehrsanbieter. Es handelt sich also keineswegs um ein rein selbstloses Engagement. Lernziel klar formuliert, Herausforderung angenommen und gemeistert, auf diese Formel lässt sich die Arbeitswoche in Laupendahl bringen.

„Man sieht ganz genau, dass die jungen Leute mit einer Menge Spaß bei der Sache sind“, meint Sylvia Neuhaus, die sich freut, ihren Patienten bald eine aufgehübschte Trainingsmöglichkeit bieten zu können. Die ist allerdings, zumindest, was das mittlere Ruhrgebiet betrifft, etwas anachronistisch. ÖPNV-Kunden können sich im regulären Linienbetrieb, zumindest was Busse betrifft, seit geraumer Zeit auf barrierefreien Zugang verlassen. Vom Niederflur-Standard eines „Citaro“ war Mercedes vor zwei Jahrzehnten aber noch ein Stück entfernt. Das Modell MB O 405 verfügt noch über drei Trittstufen. Hinzu kommt ein massiver Bügel, der den Einstieg in zwei Hälften teilt. Mit einem Rollator hätte man hier keine Chance. „Üblich ist das heutzutage sicher nicht mehr“, räumt Hermes ein. „Aber gerade in ländlichen Gebieten kann man solchen Fahrzeugen immer noch begegnen.“ Umso besser also, auch auf diese Eventualitäten vorbereitet zu sein. „Wir möchten vermitteln, dass Busfahren nicht in Stress ausarten muss, auch wenn man nicht ganz so schnell ist wie andere Fahrgäste“, sagt Sylvia Neuhaus. „Im Zweifel wendet man sich an den Fahrer und macht ihn darauf aufmerksam, dass es etwas länger dauert.“

Jeder Linienbus verfügt über eine bestimmte Anzahl von Sitzplätzen, die bewegungseingeschränkten oder älteren Fahrgästen vorbehalten sind. Die Azubis der Lehrwerkstatt bringen in einem letzten Arbeitsschritt die entsprechenden und auch wirklich aktuellen Hinweisschilder an.

Henrik Stan

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Kommentare
11.11.2011
08:03
;inienbus nur Dekoration mit Alibi-Funktion
von muemumin | #1

Ich war selber 2008 nach einer Gehirn-OP mit nachfolgender Halbseitenlähmung zunächst bis zur Wiederherstellung der Gehfäigkeit zunächst in deiner Reha in Hattingen. Anschließend musste ich zur Wiederherstellung meiner Arbeitsfähigkeit in diese Klinik, da nur dort die BfA zahlte. Ich habe den Bus gesehen und meine Therapeuten angebettelt, mit mir das Ein- und Aussteigen zu üben, da ich zu der Zeit in Berlin arbeitete und wöchentlich von meinem Hauptwohnsitz in Essen nach Berlin pendeln musste. Wegen meiner Gangunsicherheit hatte ich Angst, das nicht bewältigen zu können.
Während der gesamten 6 Wochen meiner Reha wurde mir das "Bustraining" verweigert mit der Begründung, es wäre zu weit dahin. Bei einer Stunde Therapie könne man nicht 20 Minuten nur für Hin- und Rückweg opfern. Und ich solle mir keine Sorgen machen, die Stufen des ICE würden mit der Bahnsteigkante auf gleicher Höhe liegen.
Meiner Meinung nach sollte man dieser Klinik den Bus wegnehmen und einer anderen schenken, die ihn vielleicht wirkich nutzt.

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