Schönheits-OP
28.05.2007 | 08:42 Uhr 2007-05-28T08:42:27+0200Sechs Wochen lang arbeiteten Bildhauer-Meister Andreas Fischer und sein Gehilfe an den Portalen der Evangelischen Kirche am Markt. Versiegelung folgt noch
Die Fassade ist fertig, der Turm war es, bis Orkan Kyrill an ihm rüttelte. So hätten eigentlich nur noch die beiden Außenportale restauriert werden müssen. Und dann hätte die Kirche am Markt wieder in alten Glanz gestrahlt.
Letztlich machte Kyrill aber der Planung einen Strich durch die Rechnung: Der Turm ist nicht mehr im Lot und muss demnächst saniert werden. Was aber die beiden Außenportale betrifft, ist die Arbeit so gut wie beendet. Bildhauer-Meister Andreas Fischer von der Firma Kalenborn und sein Gehilfe Matthias Garnkäufer werkelten sechs Wochen lang von Montag bis Freitag an den Seiteneingängen, entfernten die alte Patina auf dem Sandstein mit feinen Meißeln, kratzten die Fugen frei, um sie anschließend wieder zu verfüllen. "Das Problem ist die Verwitterung. Der Regen und die Salze aus dem Boden, die durch die Kapillarwirkung eindringen, sorgen dafür dass der Sandstein schneller verwittert als andere Steine", erklärt der 37-Jährige. Deshalb sei eigentlich alle 50 Jahre eine Restaurierung notwendig.
Dass die fast 400 Jahre alte Kirche bereits "kosmetisch" behandelt wurde, stellte der Bildhauer auch bei seiner Arbeit fest, nur wann die letzte Schönheits-OP anstand, das sei auf den ersten Blick nicht zu erkennen. "Hier haben schon Steinmetze gearbeitet - meiner Meinung nach aber nicht gerade professionell", sagt Fischer und deutet auf eine auch für den Laien sofort erkennbare Unregelmäßigkeit. Der Farbton des aufgebrachten Mörtels passt nicht, zudem ist er nicht richtig an den Stein angepasst. Fischer zeigt auf eine Klammer, die die Steine der Treppenstufen verbindet. Diese ist nicht mit Blei sondern mit Beton verfüllt worden. Darüber seine Arbeit - selbstverständlich mit Bleifüllung. Doch dieser ältere "Pfusch am Bau" bleibt, denn laut Denkmalamt haben auch diese Arbeiten mittlerweile einen historischen Wert.
So arbeiteten Fischer und Garnkäufer auch eng mit der Denkmalamt zusammen, sprachen die Vorgehensweise immer wieder ab, welche fehlenden Profilteile ausgetauscht werden mussten, und welche "Fehlstellen" mit Mörtel aufgefüllt werden sollten. Die fehlenden Profilteile rekonstruierte Fischer beispielsweise nach Maßen, die er an anderer Stelle genommen hat, und setzte sie später ein. Auch hätte er gern die stark angegriffenen Engelsköpfe, die sich direkt oberhalb der Portale befinden, rekonstruiert. "Doch das wollte das Amt nicht", sagt der Bildhauer.
Und so werden die beiden die letzten Handgriffe in dieser Woche durchführen. Unter anderem wird der Sandstein noch mit einer speziellen Festigungsflüssigkeit versiegelt, die die Oberfläche für "so etwa fünf Jahre schützen wird".
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