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Privatschutz für Kettwigs Altstadt

03.08.2010 | 06:00 Uhr

Essen-Kettwig.Ausgerechnet im beschaulichen Kettwig soll ab Freitag ein Sicherheitsdienst die Altstadt vor Vandalismus schützen. Hintergrund: An der Ruhr hat sich ein Krawall-Tourismus breit gemacht.

Kommentar
Die gekaufte Selbsthilfe

Umgeworfene Blumenkübel und brennende Papierkörbe, zerkratzter Autolack und Graffiti an der frisch gestrichenen Fassade. Alles nur Lappalien? Da nörgeln verwöhnte Menschen im Essener Süden, die eigentlich gar nicht wissen, wie gut es ihnen geht? Wenn sie wirklich wissen wollen, was Vandalismus ist, sollen sie doch mal in den Norden kommen?

Was leicht alle Klischees der so oft geführten Nord-Süd-Diskussion bedienen könnte, ist ein Ausdruck von Gemeinsinn. Klingt verstaubt? Ein zu großes Wort? Nun mal langsam.

Schön wollen es die Kettwiger in ihrem Stadtteil haben. Verständlich. Weltfremd sind sie deshalb noch lange nicht. Auch wenn sich die ganz großen Dramen woanders abspielen: Die Kettwiger sind nicht bereit, Zerstörungswut klaglos hinzunehmen. Und ihr Ärger über fehlende Polizeipräsenz hat dazu geführt, dass sie sich die vermisste Hilfe erkaufen.

Das darf, das sollte Schule machen. Denn Bürgersinn und die Bereitschaft, sich ums eigene Quartier zu kümmern, werden immer wichtiger. Denn Stadt und Land, das die Polizei bezahlt, werden sich mit ihren immer leereren Kassen immer weniger kümmern können.

Kettwigs Einzelhändler haben schon lange die Nase voll. Da wollen sie es sich und ihren Kunden so richtig nett machen, stellen teure Pflanzkübel vor die Geschäfte, investieren viel in attraktive Außenwerbung - und immer wieder montags müssen sie Besen und Kehrschaufel zur Hand nehmen, um Vandalismus -Spuren vom Wochenende zu beseitigen.

Jüngstes Beispiel: In der Nacht von Samstag auf Sonntag wurden auf dem Parkdeck des Einkaufszentrums nicht nur Pkw aufgebrochen. Einen Wagen fuhren Unbekannte gleich mit Karacho vor eine Wand. Besitzer Jörn Porankiwitz: „Die Polizei vermutet, dass es sich um die gleichen Täter handelt, die auch immer wieder auf dem Rathausplatz randalieren.“ Dort wurde in jüngster Vergangenheit einer wertvollen Lungwitz-Skulptur der Kopf abgerissen, die Papierkörbe werden regelmäßig abgefackelt, die Sitzbänke umgetreten.

25 Einzelhändler machen bereits mit

„KettIn“, der Zusammenschluss der Dienstleister vor Ort, hatte vor einigen Monaten die Initiative ergriffen und Beschwerden der Mitglieder gebündelt. Immer wieder ein Thema der hitzigen Diskussion: Da die Polizeiwache in Kettwig an Wochenenden nicht besetzt sei, hätten Randalierer leichtes Spiel. Polizeisprecher Raymund Sandach sagt dazu, am Wochenende werde Kettwig „im Rahmen des Streifendienstes“ von der Rüttenscheider Wache betreut.

Darauf wollen sich die Einzelhändler aber lieber nicht verlassen. An Wochenenden und vor Feiertagen sind ab Freitag Mitarbeiter der Vollmergruppe aus Mülheim unterwegs. Die Kosten teilen sich die Einzelhändler. 25 machen bereits mit. Sicherheit in Privathand - das gibt es also künftig nicht nur in den Einkaufszentren am Rathaus und am Limbecker Platz, sondern auch in Kettwig. Der Geschäftsführer des Einzelhandelsverbandes findet das im Prinzip gut.

Die Doppelstreife von Polizei und Ordnungsamt habe sich in der Innenstadt bewährt, sagt Theodor Damann, die privaten Sicherheitsdienste in den Zentren auch. „Wir reden hier vom subjektiven Sicherheitsgefühl der Geschäftsleute und der Passanten. Weder auf der Kettwiger Straße noch in Kettwig müssen Menschen Angst haben. Aber man hat schon das angenehme Gefühl, dass hier jemand aufpasst.“ Dieses Gefühl würde sich Damann morgens noch mehr für Besucher am Willy-Brandt-Platz wünschen. Er kennt aber die Gefahr der Übertreibung: „Wenn die Überwachung zu drastisch ausgeübt wird, dann schlägt das um ins Gegenteil. Der Kunde kriegt ein mulmiges Gefühl.“

Sabine Moseler-Worm und Kai Süselbeck

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Kommentare
15.08.2010
13:30
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von Erwin aus WAT | #46

Gelegenheit schaft Diebe: Wenn ich weiss, dass abends Strolche unterwegs sind, dann hoil ich abends meine Klamotten rein: Dieser ganze Firlefanz den die Ladenbetreiber und Kneipiers in Kettwig draußen stehen haben (z.B. stylishe Blumenpötte etc) nervt sowieso nur und versperrt den Fußgängern den Weg. Ist doch klar, dass Halbstarke froh sind für solche Gelegenheiten, um sich daran auszutoben.

08.08.2010
11:21
Blockierter Kommentar.
von Thompsonforsheriff | #45

Dieser Kommentar wurde von einem Moderator blockiert.

08.08.2010
11:21
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von Thompsonforsheriff | #44

.... selbstverständlich ist es ärgerlich, wenn die Verschönerungsaktivitäten einzelner Geschäftsleute sowie der Werbegemeinschaft der Zerstörungswut Einzelner, und das ist hier die entscheidende Bezeichnung, zum Opfer fallen. Und diese Einzelnen lassen sich hier nicht in irgendeine soziale Schublade pressen. Fest steht doch wohl, dass der übertriebene Genuß von Alkohol in allen Fällen gegeben ist und letztendlich dazu führt, das die Hemmschwelle zur Kriminalität eine leicht zu überwindene wird.
Jetzt hat man dem Bürger verboten in Kneipen und Restaurants zu rauchen, wer hat dem gleichen Bürger, allerdings schon seit Jahren erlaubt, sich ohne zeitliche Begrenzung in den Kneipen zu besaufen. Wenn die wenigen Kneipen die es hier in Kettwig gibt, wie früher, gegen 01:00 Uhr ihre Lokalität schliessen würden, hätten wir womöglich zwei Probleme weniger. Unter anderem auch, dass einige Leute ohne Ruhestörung ihren verdienten Wochenendschlaf geniessen könnten. Ich glaube, die fehlende polizeiliche Präsenz am Wochenende, hält auch einige davon ab, gleich bei jeder Ruhestörung die Polizei zu rufen, weil die Polizei ja solange braucht, bis sie aus Rüttenscheid hier ist, in diesem Fall ein Vorteil für den Gewerbetreibenden. Ich denke, wenn schon Gängelung des Bürgers, dann richtig.
Grundsätzlich ist aber erst mal jeder selbst für sein Eigentum verantwortlich. Ich kann mich nicht mit meiner Couch und dem Fernseher auf die Strasse setzen und laß alles draußen stehen, wenn ich zu Bett gehe. Kann ich schon, sollte mich allerdings nicht wundern, wenn am nächsten morgen etwas fehlt oder kaputt ist.
Im Vergleich zu allen anderen Stadtteilen Essens sowie dem Rest der Welt, herrschen hier in Kettwig doch vergleichsweise paradisische Zustände, was nicht heißen soll, das man den Vandalismus zu akzeptieren hat. Die Anheuerung eines privaten Schutzdienstes vor allem mit dieser Pressewirksamkeit halte ich als Schnellschuß und nicht wohl überlegt. Mit Kanonen auf Spatzen schießen fällt mir dazu auch noch ein.
Für den Nicht-Kettwiger und Touristen könnte der Eindruck entstehen, daß es in Kettwig so gefährlich ist; bleiben wir lieber diesem Ort fern.
Wenn schon diese Nummer mit dem Wachdienst, dann doch im Stillen. Es zwingt sich mir der Eindruck auf, dass es den dafür Verantwortlichen auch ein bischen um Aktionismus geht, der die ganze Geschichte zu einem Politikum werden läßt.
Mir bleibt nur noch zu sagen;
Wer nicht so fleissig sein will und seine Blumenkübel des nachts reinstellt, wird auch in Zukunft mit diesem Vandalismus leben müssen.
Ich habe Respekt vor der Arbeit der Leute des Wachdienstes und wünsche ihnen auch den Erfolg, den sie brauchen werden. Vor allem hoffe ich, daß niemandem etwas passiert, egal auf welcher Seite und alle Beteiligten sich wünschten, es wäre bloß eine Sachbeschädigung gewesen.
Ich bin auch dafür, dass es in Kettwig zumindest am Wochenende bis in die frühen Morgenstunden(bis die Kneipen alle zu haben) eine Streifenwagenbesatzung geben sollte.
Alles wid gut!

06.08.2010
18:17
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von Thomas75NRW | #43

Wie beteten es einst einige Politiker....mehr Privat vor Staat. Nun geht es los.
Selbst wenn die Geschäftsleute ihre Pflanzkübel und Werbetafeln in der Fussgängerzone (offener Verkehrsraum) aufstellen, wird die Polizei diese nicht vor Vandalismus schützen. Der Staat hat seine Geschäftsleute nicht zum Aufstellen veranlasst.

05.08.2010
15:24
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von RA NRW | #42

@35: Soll die Polizei dann demnächst auch die Security vor den Diskotheken übernehmen damit der sogenannte Staat auch noch entscheidet wer reinkommt ?

04.08.2010
20:26
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von truckdino | #41

@11 ,und31 die Durchfallquote bei der Sachkundeprüfung gem. §34a GewO. beträgt im Stadtgebiet Esen bei der schriftlichen Prüfung 50 % und bei der anschließenden mündlichen Prüfung ca. 70 %. Von schlecht ausgebildet kann hier nicht gesprochen werden. eher spricht der Kommentar dieser Forenteilnehmer von gravierender Unkenntnis.
Die Sachkundeprüfung umfasst folgende Themengebiete:
Recht der öffentlichen Sicherheit und Ordnung,BGB Straf-und Verfahrensrecht einschl. Umgang mit Waffen ,UVV (Unfallverhütungsvorschriften)
Umgang mit Menschen besonders Deeskalation und Verhalten in Gefahrensituationen.
Nur mit dieser Prüfung darf man im privatrechtlichen Raum mit tatsachlich öffentlichem Verkehr tätig werden.
Im übrigen sind ausreichende schriftliche und mündliche Deutschkenntnisse zur Ablegung der Prüfung erforderlich und werden durch die IHK gefordert. (Quelle IHK zu Essen).
Also bitte nur dann über den Sicherheitsdienst herziehen wenn man selbst ausreichend informiert ist.

04.08.2010
09:00
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von schranzbaum | #40

#31 von Wolfgang_R :
Hartz4 sollte begrenzt werden auf maximal 5 Jahre, so wie in den USA.

1. in den usa gibt es kein hartz4
2. und danach, verrecken lassen? wieso sollte ,man nur 5 jahre hartz4 bekommen, wenn man 30 jahre in einem betrieb gerbeitet hat und mit 50 aufgrund von managementfehlern auf der strasse steht und keinen job mehr bekommt, wohingegen die niete im nadelstreifen mit millionenabfindungen nach hause geht?
3. aha, sie möchten also nach den 5 jahren die gleiche verelendung haben, wie man sie in den usa vorfindet (kriminalität, crack-sucht, drogenverkauf).

ein guter rat meinerseits: machen sie mit bei der greencard-verlosung, gehen sie in die usa und überlassen sie uns unserem schicksal.

03.08.2010
22:41
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von dongiovanni | #39

Sicherheit darf nicht privaten Interessen vorbehalten sein, Sicherheit ist Pflicht des Staates. Genau so wenig wie ich private Söldner mit der Sicherheit des Landes betrauen möchte, so wenig sollten private Kräfte unser Eigentum sichern. Bei Bedarf muss eben die Polizei aufgestockt werden. Wenn diese Tag und Nacht für die Unversehrtheit irgendwelcher Moscheen Sorge zu tragen hat, können die Geschäfte und deren Umfeld auch rund um die Uhr geschützt werden. Es darf nicht sein, dass nur zahlende Händler keine Schäden an Läden und Umfeld erwarten dürfen.

Nicht alles was uns die Amis vormachen, ist nach Deutschland zu übertragen.

03.08.2010
20:44
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von Thomas75NRW | #38

Es ist ein absoluter Hammer, wie hier wieder gegen Hartz4-Empfänger gewettert wird.
Der Eine schreibt seine Situation selbst, der Andere bekommt sie geschrieben. Viele Menschen sind durch angeblicher Weltwirtschaftskrise, den Fall Nokia und aktuell durch die Arcandor-Insolvenz in dieses Netz gefallen. Wer einmal drin hängt, hat verloren.
Es ist eine absolute Frechheit, auf Mitmenschen zu schimpfen, die sich diese Situation nicht ausgesucht haben.
In vielen Haushalten sind beide Elternteile gezwungen zu arbeiten weil die Lebenshaltungskosten weiter steigen, die Einkommen dagegen sinken. Unsere Gesellschaft ist dermassen matieriell geprägt. Kinder werden nicht mehr richtig erzogen, Freizeiteinrichtungen und Sportvereine werden geschlossen. Wohin mit den Kindern und Jugendlichen ?
Bei uns in Borbeck gab es noch den guten alten Don-Bosco-Club Padders, wir hatten noch Erziehung. Zu damaligen Zeiten konnte die Mutter die Kinder erziehen und er Vater ging arbeiten und die Löhne reichten aus. Diese sozialen Unruhen und Unzufriedenheit in der Gesellschaft sind von der Politik gewollt denn sonst würden die Damen und Herren, die uns regieren anders entscheiden.

03.08.2010
20:12
Privatschutz für Kettwigs Altstadt
von Thomas75NRW | #37

@11 nie88
Erst informieren, studieren wir den $34a der Gewerbeordnung und dann versuchen wir nochmal die mangelnde Qualifikation dieser City-Streifen anzuzweifeln ;o)
Sicherheitspersonal im tatsächlich offenem Verkehrsraum und bei Veranstaltungen (Diskotheken und Großveranstaltungen) müssen mindestens eine Sachkundeprüfung bei der IHK abgelegt haben. Diese Prüfung ist kein Zuckerschlecken. Im 5 wöchigem Lehrgang gilt nichts anderes als Gesetze und Verordnungen zu fressen und zu beten. Die Prüfer der IHK in Essen sind harte Nüsse, mit denen ist nicht gut Kirschen essen.

Ich muss die Eigeninitiative der Geschäftsleute aber an dieser Stelle loben....sie schaffen ohne Zweifel weitere Arbeitsplätze und nehmen die Situation in ihrem Gebiet selbst in die Hand.
Noch dazu wird die Polizei entlastet, die werden nämlich an anderen Stellen dringender gebraucht.

Fördernd sollte man den Leuten diese Kosten bei der Steuererklärung anerkennen ;o)

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