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Landwirtschaft

Jetzt kriegen die Erdbeeren Farbe

20.05.2010 | 14:59 Uhr
Jetzt kriegen die Erdbeeren Farbe

Meisenburg.Es ist ein Bild des Jammers: Gelb-weiße Blüten strecken alle Blättchen von sich. Was sich zu einem Fruchtstand entwickeln sollte, klebt an einer Folie fest, die eigentlich als Schutz vor der Kälte dienen sollte. Es stand in den vergangenen Wochen schlecht ums Wetter, also stand es auch schlecht um heimische Erdbeeren.

Jochen Unterhansberg kann ein Lied davon singen. Zwar verkauft er die Lieblingsfrüchte schon in seinem Buchholzhof an der Meisenburg. Doch dieses Obst kommt aus dem Treibhaus. Es erstrahlt in sattem Rot und duftet verführerisch. Die Geschmacksprobe aber lässt den Naschenden mit gemischten Gefühlen zurück. Das Aroma ist unschlagbar. Aber süß ist etwas anderes.

„Wir sind gut 14 Tage hinten dran“, konstatiert der Landwirt. Er steht im matschigen Erdbeerfeld gleich hinter seinem Hofladen. Auf gut drei Hektar sollte hier eigentlich schon fleißig geerntet werden. Sechs Fachkräfte stehen Gewehr bei Fuß. Allein, beim Blick unter die schwarze Folie wird klar, dass die grün-gelben Kümmerlinge noch keinen Genuss versprechen. Die schwarzen Tunnel bieten viele Vorteile. „Bei zehn Grad Außentemperatur werden unter der Folie bis zu 20 Grad erreicht“, weiß der 47-Jährige. Umgekehrt besteht aber auch die Gefahr, dass leichter Bodenfrost alles zerstören kann. Da schafft auch das die Pflanzen umgebende Stroh keine Abhilfe.

Landwirtschaft ist wie die Börse

Unterhansberg nimmt’s sportlich. „Landwirtschaft ist wie die Börse. Abgerechnet wird zum Schluss, also nach der Ernte, nicht bei der Aussaat.“ Dazwischen liegt sein unternehmerisches Risiko.

„Ich kann mich nicht erinnern, dass wir zu dieser Jahreszeit jemals so schlechte Bedingungen hatten.“ Unterhansberg muss es wissen, denn er führt Buch. Gewissenhaft notiert er Höchst- und Tiefsttemperaturen. „Das hilft mir, ein Gefühl zu bekommen. Außerdem lassen sich Organisation und Logistik so deutlich besser planen.“

Denn in den unscheinbaren Kunststoffbahnen steckt High-Tech. Die sensiblen Früchte vertragen nicht mehr als 25 Grad. Steigt die Temperatur im Tunnel über diesen Wert, schlägt ein Sensor Alarm und warnt den Bauern per SMS auf seinem Handy. „Dann muss alles ganz schnell gehen“, weiß Unterhansberg. Denn auch wenn alle sechs Festangestellten sofort zur Stelle sind, dauert es seine Zeit, die Beeren, die eigentlich „Sammelnüsse“ und eng verwandt mit der Hagebutte sind, von ihrer wärmenden Decke zu befreien.

Für den Betrieb an der Meisenburgstraße ist das derzeit das geringste Problem. Und auch über die Qualität zerbricht sich Jochen Unterhansberg nicht den Kopf. „Langsameres Wachstum hat keine Auswirkungen auf den Geschmack“, weiß der versierte Landwirt. Er hält eine Vielzahl an Sorten vor. „So können wir ständig nachpflanzen.“ Bis in den September hinein kann dann immer wieder geerntet werden.

Was den Erdbeeren schadet, lässt die Kartoffeln und Kürbisse hingegen völlig unberührt. „Ist der Mai kühl und nass, füllt’s dem Bauern Scheun’ und Fass“, diese Weisheit trifft nämlich zu, zumindest, was Feldfrüchte betrifft, die uns den Herbst verschönern. Der soll, der Witterung zum Trotz, noch nicht angebrochen sein.

Aromatisch sind sie, Kettwigs Erdbeeren, und bei der Süße kann man nachhelfen. Würzen Sie gezuckerte Erdbeeren (Honig geht auch) mit Minze, Basilikum, einem Spritzer Balsamessig und – jetzt kommt’s – einigen Körnern jungem grünen Pfeffer. Das Ganze durchrühren, einige Minuten ziehen lassen. Das Rezept verspricht eine Geschmacksexplosion, die Sie so schnell nicht vergessen werden. Wer’s sahniger mag, legt eine schöne Kugel Vanilleeis dazu.

Henrik Stan

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