Ein Hauch von Patina
26.11.2007 | 16:45 Uhr 2007-11-26T16:45:40+0100Mit dem französischen Passepartout beleben Fotografin Katrin Reinke und Grafikerin Charlotte Schäfer ein altes Handwerk neu. Vorlagen gibt es nur noch wenige
Alte Stiche, Originale, Bilder oder Fotos brauchen nicht nur einen besonderen Rahmen, sondern auch ein besonderes Passepartout, findet Katrin Reinke. Und das sollte eine lebendige, individuelle Handschrift und einen Hauch von Patina haben - wie das französische Passepartout. In einem Seminar zum Einrahmen von Bildern stieß sie vor fünf Jahren zum ersten Mal auf diesen Begriff - jetzt bietet die Fotografin solche hand-dekorierten Passepartouts selbst in ihrem Geschäft an der Kirchfeldstraße an. Gestaltet werden sie von der Grafikerin Charlotte Schäfer.
"Wir hatten uns in dem Seminar selbst daran versucht, aber es war keinem gelungen, mit Tusche ordentliche Linien zu ziehen", erzählt Katrin Reinke. Also bat sie Charlotte Schäfer, mit der sie seit langem befreundet ist, um Hilfe: "Als Grafikerin hat sie eine ruhige Hand. Keiner kann so sauber Linien ziehen wie sie." Und saubere Arbeit sei gerade auf Passepartout-Karton wichtig: "Die Farbe muss auf dem Papier halten, darf es aber nicht total aufweichen", erklärt die Fotografin. Und das sei, gerade wenn für die zarten Linien Aquarellfarben verwendet werden, gar nicht so leicht: "Charlotte Schäfer hat dafür lange experimentiert."
Individuell für jeden Kunden werden die französischen Passepartouts angefertigt. Katrin Reinke: "Man muss ja schauen, welches Muster und welche Farben zu welchem Bild passen." Hat man sie gefunden, werden von der Grafikerin die zarten Tuschelinien gezogen, anschließend bestimmte Flächen mit einer speziellen Gold- oder Silberfarbe bestrichen. Um ihr die richtige Patina zu geben, kann man zusätzlich noch schwarze Tusche-Spritzer aufbringen: den so genannten Fliegendreck. Versilbert oder vergoldet werden kann auf Wunsch auch die Schrägschnittkante des Passepartouts. Und alles findet komplett in Handarbeit statt. "Man kann mit dem Computer ja schon sehr viel, aber das geht noch nicht", sagt Katrin Reinke und ergänzt: "Gott sei Dank."
Mit den Französischen Passepartouts beleben Katrin Reinke und Charlotte Schäfer ein altes Handwerk neu. Ein Handwerk, dessen Exponate man heute fast nur noch im Museum findet. "In den Weltkriegen ist vieles aus der Not heraus verfeuert worden, so dass viel an Vorlagen verloren gegangen ist", sagt Katrin Reinke. Auch in der Literatur finde sich der Begriff, "aber nirgends steht, wie es richtig gemacht wird". So haben die Fotografin und die Grafikerin ein weites Feld zum Experimentieren: Nachdem die erste Kollektion fertig ist, planen sie für die nächste mit handmarmoriertem Papier und Echtvergoldung.
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