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Den Atem des Vampirs spüren

14.12.2007 | 15:55 Uhr

Walk-Act-Company gastiert mit einem Dinner-Musical im Hotel-Restaurant Sengelmannshof.Songs werden in kleine Geschichten gebettet

Der Tod hat es nicht leicht. Nicht genug damit, dass er sich verkühlt hat und der Hals kratzt. Nein, Roxie schaut ihn auch noch von oben herab an, rümpft die Nase - und lässt ihn einfach stehen. Und mit Elisabeth ist's auch nicht viel einfacher: Obwohl er sie anschmachtet und weiße Rosen vor ihr ausstreut, bekommt er zu hören "Ich gehör' nur mir". Und dann mischt sich auch noch Andreas Zigann ein: "Jetzt keine Rosen mehr!"

Nun gut, auf Andreas Zigann muss der Tod alias Daniel Sprint hören - schließlich ist der der Regisseur und hat das Sagen bei den Proben fürs erste Dinner-Musical der Walk-Act-Company, die bereits im September in Wattenscheid begonnen haben. "Jetzt käme Joseph rein mit seinem schönen Mantel, aber der ist noch nicht da - der Mantel, nicht Joseph", erklärt Zigann. Also muss Joseph alias Oliver Fendl erst einmal ohne seinen Traummantel auf die imaginäre Bühne.

Erst "Chicago", dann "Elisabeth" und "Joseph" - wie passt das zusammen? "Wir tragen die Stücke beim Dinner nicht vor wie bei einer Gala, sondern betten sie in kleine Geschichten ein", erklärt der Regisseur. Eine Fahrt mit dem Musical-Express bildet die Rahmenhandlung, in der vom "Phantom der Oper" über "Tanz der Vampire" bis hin zu "Hair" und "My fair Lady" Songs aus fast allen bekannten Musicals ihren Platz finden. Und die Zuschauer sind mittendrin. "Alles passiert direkt neben den Gästen - sie können den Atem des Vampirs quasi spüren", verspricht Zigann. "So nah haben die Musical-Fans ihre Lieblingslieder bisher noch nicht genießen können."

Für die Darsteller heißt das: Es könnte zwischen den Tischen des Restaurants nicht nur ein wenig eng werden, sondern die Zuschauer sitzen quasi mit auf der Bühne. Oder, wie's der Regisseur formuliert: "Auf einer normalen Bühne muss der Vampir nur in eine Richtung beißen - hier steht er im Mittelpunkt und muss vor dem Biss seine Zähne erst einmal in die Runde zeigen." Darstellerin Sylvia Zimnik, die bereits beim Tatort-Dinner "Lord Moad lässt bitten" und "Mord im Variete? Paris" mitgewirkt hat, kennt das schon: "Man spielt ja nicht nur mit seinen Spielpartnern, sondern auch mit dem Publikum." Da müsse man damit rechnen, dass manchmal improvisiert werden muss. "Beim Mord im Variete? Paris muss ich als Desiree? viel flirten - da kommt schon der eine oder andere Spruch, wenn man sich bei einem Gast auf den Schoß setzt."

Elisabeth alias Michaela Kovarikova hat sich in der Zwischenzeit umgezogen: Jeans und Pulli statt der weißen Elisabeth-Robe. Denn jetzt ist ein Stück aus dem Queen-Musical "We will rock you" dran. "Das hätte im Lisbeth-Kleid nicht funktioniert", kommentiert Andreas Zigann und ergänzt: "In den nächsten Wochen wird es noch interessant, wenn die Kostüme kommen." Vier Ateliers fertigen die 50 aufwändigen Bühnenoutfits: "Das wird eine richtige Kostümschlacht." Dann sollen auch die Podeste fertig sein, die für die Darsteller im Stück die Bühne bilden: Als Koffer getarnt, werden sie in der ersten Szene in den Raum gebracht.

Noch müssen die Sänger mit normalen Koffern vorlieb nehmen: Im schönsten "Chicago"-Style kommen sie mit Hut und Schirm auf die Szene, wo Roxie wieder ihr "All that Jazz" anstimmt. Und dann dem Tod die kalte Schulter zeigt. . .

Von Annette Wenzig

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