Berleburger sehen Abraham
22.02.2012 | 14:41 Uhr 2012-02-22T14:41:00+0100
Essen-Kettwig. Die Erklärung mal schnell vorweg. Wer „den Abraham sieht“, feiert seinen 50. Geburtstag. Das sagt man so im Ruhrgebiet. Und der FSV Berleburg wird ihn sehen, den Abraham. Und zwar 2013.
Kettwigs kleinster Karnevalsverein ist in die Jahre gekommen. Das hat nicht nur positive Auswirkungen. Zwar können die Berleburger im kommenden Jahr so richtig feiern, aber sie müssen sich auch einige Sorgen machen. Denn ihnen geht der Nachwuchs aus. Das ist definitiv ziemlich schade, denn was der Verein - mit Stammsitz in der Gaststätte Deutsches Haus an der Corneliusstraße - in den vergangenen fünf Jahrzehnten so alles auf die Beine gestellt hat, ist aller Narren wert.
Session für Session geben die „Jungs“ so richtig Gas. Die drei tollen Tage liegen gerade hinter der Truppe um den Vorsitzenden Klaus Abelmann. Und er ist der starke Mann im Hintergrund. „Graf von Ickten“ - das war immer sein Spitzname. Jetzt ist er schon lange „Graf Karneval“. Viel Arbeit und Geld steckt er ins närrische Brauchtum. Kümmert sich, organisiert, hält den Laden zusammen. Und fürs Jubiläum hat er einen besonderen Wunsch. „In zwei Wochen setzen wir uns mit Vertretern der Stadt zusammen. Und wenn die ihre Sicherheitsbedinungen lockern, würden wir gern zu unserem 50-Jährigen wieder den Karnevalszug durch Kettwig rollen lassen“, sagt er. Gemeinsam mit dem KKC wollte er eigentlich auch am vergangenen Sonntag für Karnevalsstimmung in Kettwig sorgen. Doch erhöhte Auflagen, gestiegene Versicherungs- und Gema-Gebühren verdarben den Jecken den Spaß an der Freud. Der Zug wurde abgesagt.
Jetzt doch wieder - und das zum Jubiläum? Nicht alle organisierten Narren teilen seine Begeisterung für diese Idee. Einfach den Schlussstrich ziehen und sich dem gewachsenen Frohsinn der Ratinger Kollegen anschließen. Auch das wäre eine Alternative.
Doch wie auch immer - der FSV Berleburg wird ein wichtiger Teil des Kettwiger Karnevals bleiben. Und hinter ihnen liegt gerade wieder ein Veranstaltungsmarathon.
Galasitzung am Samstag, Teilnahme am Ratinger Rosenmontagszug, Hoppeditzbeerdigung am Dienstag.
Schön war’s. Auch dieses Mal. Dann wird das Deutsche Haus für einige Stunden zur „Berleburg“. Und Vereinspräsident Wolfgang Weber zum jecken Showmaster, der mit viel Herz durchs Programm führt. Am Samstag war’s eng im Vereinslokal. Und los ging’s bereits, bevor es losging. Der Ratinger Prinz kam ohne seine erkrankte Prinzessin und aufgrund seines engen Terminplans vor der offiziellen Eröffnung um 20.11 Uhr. Bei den Berleburgern ist vieles Tradition. So Wolfgang Webers „Präsidentlied“, der Schunkelmarathon ist einfach Pflicht. Die Garden von KKC und Fidelio gehören dazu, der „Pottkieker“ Mathias Eckardt, der außerdem gemeinsam mit Gerd Stränger die „Ruhrpenner“ gibt, die vielen Büttenreden, die Bützchen und die Orden. Und die ewig gute Laune des Berleburgers Hermann Eichholz. Wie macht der Mann das nur?
Am Dienstag dann die letzten Helaus. Hoppeditzbeerdigung und erneut viel Programm vorweg. So richtig traurig ist an diesem Abend keiner. Eher vielleicht ein bisschen müde. Die KKC-Prinzengarde hat so viel Platz wie noch nie. Die Berleburger haben umgeräumt. Musiker Ingo singt und orgelt nun eben vor der Toilettentür. Muss auch gehen. Geht auch. Es gibt schließlich einen zweiten Eingang.
Sechs Mädchen fehlen beim flotten Tanz. Grippe. Wen wundert’s? Bei dem Stress.
Karneval ist auch wie Familie. Vorab gab’s zu Hause bei Tanzgardenleiterin Angela Hahnke Spaghetti Bolognese für alle. Die Hebefiguren sind trotzdem Güteklasse A.
Ehrensenatorin Inge Rauch kommt mit deutlicher Verspätung geradewegs aus dem Büro - und landet sofort in den Armen des Fidelio-Präsidenten Peter Rohde. Getanzt wird zu „Und dann die Hände zum Himmel“... Im Karneval ist man eben spontan.
Elisabeth Leicht-Eckardt gibt in der Bütt die „Alte Frau aus Nürnberg“, die Fidelio schickt die Garde und die tollen Ommas Petra Jahns und Angelika Rohde, das Fanfarenkorps aus Neviges macht’s laut und bringt Stimmung, und, und...
Und irgendwann ist es vorbei. Der Hoppeditz muss dran glauben. Traurig ist noch immer keiner. Nicht wirklich. Denn der Kerl ist ja nicht weg. Er schläft nur...
Und so hat es angefangen:
Als Kinder und Jugendliche haben die heutigen Berleburger zusammen Fußball gespielt. Und später trank man zusammen ein Bierchen bei Connie und Willi Maul im Deutschen Haus. An einem Abend im März 1963 war - wie so oft - Fußball das beherrschende Thema. Ein Freundschaftspiel wurde vereinbart. Essener Straße/Fichtestraße gegen Bismarckstraße/Bergstraße/Bögel. Fritz König pfiff die Partie, und die Essener-/Fichtestraße gewann 2:1. Warum nicht gleich aus beiden Teams eine Thekenmannschaft bilden? Und da nur im Deutschen Haus das Bier aus der Stadt Berleburg ausgeschenkt wurde, war der Name für den Verein schnell gefunden: FSV Berleburg.
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