Von wegen: Unkraut

Von wegen Kraut und Rüben: Ursula Stratmann kennt sich aus mit Wildkräutern und hat zahlreiche Tipps auf Lager.
Von wegen Kraut und Rüben: Ursula Stratmann kennt sich aus mit Wildkräutern und hat zahlreiche Tipps auf Lager.
Foto: WAZ
Was wir bereits wissen
Ursula Stratmann ist Diplom-Kräuterfrau und entdeckt bei ihren Kräuter-Rundgängen in nahezu jeder Wiese etwas Wertvolles.

Esen-Kettwig..  „Hier noch etwas Hexenkraut. Stecken Sie sich das ruhig bei einem Bewerbungsgespräch an die Kleidung.“ Hexenkraut soll für besseres Charisma sorgen, während gebratener Spitzwegerich als Pilz-Ersatz im Frühling oder die Große Klette als Toilettenpapier dienen. Ursula Stratmann hat für jede Lebenslage ein passendes Gewächs samt Nutzungstipp oder Rezeptidee parat – die Frau ist Biologin und diplomierte Kräuterfrau.

Seit einigen Jahren veranstaltet sie Kräuter-Rundgänge im gesamten Ruhrgebiet und versucht dabei, ihren Zuhörern die grüne Vielfalt vor der eigenen Haustür schmackhaft zu machen. Dabei setzt sie vor allem auf die gesunde Ernährung, die durch viele Kräuter garantiert ist. „Gänseblümchen haben zwölf Mal so viel Vitamin B1 als etwa Knoblauch. Die Brennnessel den dreifachen Vitamin C-Gehalt von rohem Brokkoli.“ Solche Zahlen imponieren und sprechen für die Vitaminflut, die jede Wiese bietet.

Auch im Kettwiger Regen haben sich an diesem Tag allerlei Zuhörer eingefunden, um bei einem Spaziergang entlang der Ruhr mehr über die Pflanzen zu erfahren, an denen sie sonst ohne weitere Gedanken vorbeilaufen. Im Mittelpunkt steht dabei immer Stratmanns Ziel, den Ruf der vermeintlichen Unkräuter zu verbessern. „Jede Pflanze hält ein Geschenk oder eine Verwendung für uns bereit“, erklärt Stratmann und geht davon aus: „Fast jede Pflanze ist zu uns gekommen, damit wir sie nutzen.“

Die Kräuterfrau nennt es den Stadt-Dschungel, den es zu erkunden gilt. Ihre Vision ist, dass in den Städten zusätzlich zu den wild wachsenden Kräutern wieder mehr Essbares angebaut wird und die Bürger dieses Angebot auch zu nutzen wissen. In Kettwig sei dies zum Teil mit der Anpflanzung von Obstbäumen geschehen, so Axel Kudoweh (61). Er selbst habe schon oft aus diesen Früchten Marmeladen und Kompotte gekocht. „Beim Äpfelsammeln bin ich aber auch schon gefragt worden, was ich denn da überhaupt pflücke. Viele Leute wissen gar nicht, was da vor ihrer Nase wächst. Oder sie haben Angst, dass es giftig sein könnte.“

Genau diese Angst möchte Stratmann den Menschen nehmen – und erzählt von der Heilkraft der Wurzeln des japanischen Staudenknöterichs, von Hustentee aus weißen Kastanienblüten und der präventiven Wirkung von Löwenzahn gegen Diabetes. Eine Informationsflut, die beeindruckt und dank Stratmanns Eifer dazu anregt, ebenfalls am Wegesrand die Augen offen zu halten.