Vom „Stüfken“ zum „Anger“

Bekannt wie zwei bunte Hunde: Rita und Siegfried Rhein lebten und engagierten sich Jahrzehnte lang in Werden, nun zog es sie nach Eichstätt.Foto:Uwe
Bekannt wie zwei bunte Hunde: Rita und Siegfried Rhein lebten und engagierten sich Jahrzehnte lang in Werden, nun zog es sie nach Eichstätt.Foto:Uwe
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Was wir bereits wissen
Dass Rita und Siegfried Rhein ihr geliebtes Werden verlassen haben, macht viele Mitmenschen fast traurig. Aus der Welt aber sind sie nicht.

Essen-Werden..  Rita und Siegfried Rhein sind neulich umgezogen. Von einem katholischen Kirchenstädtlein in ein anderes. Von Werden nach Eichstätt in Oberbayern mit 14 000 Einwohnern. Von der Basilika zum Bischofssitz. Von der Folkwang Universität der Künste zur Katholischen Universität. Vom Ruhrtal ins Altmühltal. Vom „Stüfken“ zum „Anger“. Parallelen, die für die Rheins nicht unwichtig sind, denn sie sind kulturell und sozial äußerst interessiert und engagiert – halt so, wie man sie kennt.

Er: Turnbruder

„Es ist schade, dass sie uns verlassen haben“, bedauert etwa Freddy Kleinfeldt, der dem Werdener Bürger- und Heimatverein angehört und die „Jedermänner“ vom Werdener Turnerbund leitet, in dem Siegfried Rhein jahrelang mitturnte. „Alte Bäume verpflanzt man nicht“ heißt es im Volksmund. Er ist 79, sie 78 Jahre. „Wir verpflanzen uns selbst“ lautet ihre Antwort.

„Der Anstoß dazu kam von unseren Kindern, die in der dortigen Region wohnen und tätig sind und uns eine altersgerechte Wohnung besorgt haben. Zudem wollten wir uns ohnehin kleiner setzen.“ Rhein: „Wir sind umgezogen, so lange wir es noch selber konnten. Außerdem wollen wir den Kindern die Mühe ersparen, ständig zu uns nach Essen zu kommen, wenn die Notwendigkeit besteht.“

Der gebürtige Berliner, ursprünglich studierte er sein „Jugend-Hobby Astronomie“ – bei dem Wort Astrologie reagiert er allergisch – und die Schlesierin haben sich in Jena kennengelernt. Seit 54 Jahren sind sie verheiratet. Ihr Studium abgeschlossen haben die Rheins in Würzburg, sie in Sport und Germanistik, er in der Mathematik. „In der Gegend wohnten wir auch, insofern ist uns der Süden der Repu-blik nicht unbekannt, zumal wir schon mehrfach Eichstätt besucht und dort auch in einem Kloster übernachtet haben.“

Siegfried Rhein leitete zuletzt die Datenverarbeitung eines großen Getränkeherstellers, seine Gattin unterrichte an der Ludgerusschule. Einst gewannen Andreas, Cornelius, Ulrike, Siegfried und Rita Rhein als Steuerfrau den Familien-Gig-Vierer bei der Club-Regatta des Essen-Werdener Ruder-Clubs.

Siegfried Rhein war in Werden ehrenamtlich auf mehreren Vorstandsebenen tätig. leitete 15 Jahre den Förderverein des Bürgermeisterhauses, das sich in der Zeit finanziell erholte und an musikalischer Bedeutung gewann. „Im Gefolge von Friedhelm Tanski organisierten wir für die Kulturgemeinde deutschlandweite Fahrten.“

Sie: SkF-Mitglied

Außerdem habe er auch Vorträge gehalten: über den Alt-Bürgermeister Joseph Breuer und den ehemaligen Tuchfabrikanten Matthias Wiese. Ohne ihn auskommen müssen jetzt auch die Werdener Sangesfreunde, für die er etwa die Pressearbeit erledigte. „Wir gehen mit einem weinenden und einem lachenden Auge“ betont Rita Rhein, die im Vorstand des Sozialdienstes Katholischer Frauen (Babyfenster u. a.) tätig war. Von ihren Ex-Kolleginnen der Ludgerusschule bekam sie zum Abschied einen Rucksack geschenkt: zum Wandern im Naturpark Altmühltal.

Weiterhin werden die Rheins auch ihr Ritual pflegen: nach dem Frühstück und nach jedem Mittagessen geht’s an die Spielesammlung. Und: „Laut einer Veröffentlichung des Focus liegt Eichstätt im Ranking der lebenswerten Städte Deutschlands ganz vorne.“