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Altkleidersammlung

Nicht immer für die gute Sache

19.02.2015 | 16:59 Uhr
Nicht immer für die gute Sache
Der Anbieter LOOP, der u.a. einen Altkleidercontainer an der Heidhauser Straße aufgestellt hat, stammt aus Norddeutschland und unterstützt dort soziale Projekte.Foto: Knut Vahlensieck

Essen-Werden. „Sammel Büro Essen” prangt – in eben dieser seltsam anmutenden Schreibweise – auf einem Zettel, den Martin Winking in seinem Briefkasten fand: Eine „Altkleider & Schuhe Sammlung” kündigt dieses Büro an. Für den Werdener Bürger verbirgt sich dahinter eine betrugsähnliche Masche. Und auch Sebastian Kuhlmann, Sprecher des Kreisverbands Essen des Deutschen Roten Kreuz (DRK) hält den Anbieter, der auf dem Zettel wirbt „das Original seit 1997” zu sein, für ziemlich dubios.

„Solche Fälle gibt es immer wieder”, sagt Kuhlmann. Dahinter stecken jedoch selten karitative Verbände, sondern Geschäftsleute, die die gesammelte Kleidung gleich bündelweise verkaufen. „Das geht zum Beispiel nach Afrika, wo die Kleidung zu Geld gemacht wird.”

Sprich: Auch wenn ein Sammlerunternehmer damit wirbt, dass die Kleidung in die Dritte Welt gehe, heißt das noch lange nicht, dass dies aus Gemeinnützigkeit und Nächstenliebe geschieht.

Im vorliegenden Fall ist jedoch überhaupt kein Verwendungszweck angegeben, was die Wahrscheinlichkeit für einen gewerblichen Zweck erhöht. Mit einem Unternehmen, das sich „Sammelbüro Essen” nennt, habe das DRK tatsächlich in der Vergangenheit eher unschöne Erfahrungen gemacht. Kuhlmann: „Die haben auch mal mit einem weißen Kreuz auf rotem Grund geworben.” Offenbar um eine Nähe zum DRK zu suggerieren. Jedoch mache das DRK schon lange keine Sammlungen mehr vor der Haustür, betont der Sprecher. Auch arbeite der Kreisverband Essen nicht mit privaten Sammelunternehmen zusammen, sondern mit Diakonie und Caritas. Das DRK stellt Sammelcontainer zur Verfügung, die Diakonie sortiert die Spenden. Gut erhaltene Kleidung kommt der Essener Kleiderkammer und damit bedürftigen Essenern und Obdachlosen zu Gute. „Kleidung, die nicht mehr weitergetragen werden kann, wird verkauft, um dann verwertet zu werden”, sagt Kuhlmann. Doch auch der Erlös daraus fließe in die Arbeit des DRK.

Anders bei gewerblichen Sammlungen: „Davon sehen die Kleiderkammer oder eine andere karitative Einrichtung im Regelfall nichts.”

Weitere Hinweise auf dem Zettel zeugen von mangelnder Seriosität: Das angebliche Sammelunternehmen „H-A Essen” ist ohne Adresse aufgelistet, unter der angegebenen Handynummer ist niemand zu erreichen. Versuche, herauszufinden, was mit den Kleiderspenden geschieht, laufen also ins Leere.

„Zudem wird eine Zusammenarbeit mit dem Umweltamt suggeriert”, wundert sich Winking. Denn dort steht: „Diese Sammlung wird laut §18 Kreislaufwirtschaftsgesetz beim Umweltamt der Stadt Essen angezeigt.” Tatsächlich habe ein Essener Einzelunternehmer diese Sammlung bereits 2014 angemeldet: für gewerbliche Zwecke, bestätigt Stefan Schulze, Pressereferent der Stadt. „Was jedoch mit der Kleidung, die dieser sammelt, geschieht, ob er sie zum Beispiel am nächsten Flohmarkt einfach weiterverkauft, können wir nicht nachprüfen.”

Auch sei dies grundsätzlich nicht zu verbieten. Denn es gibt in Nordrhein-Westfalen seit 1998 kein Sammlungsgesetz mehr: Damit sind auch jegliche Rechtsgrundlagen, um einen eventuell gemeinnützigen Zweck einer angemeldeten Sammlung zu überprüfen, weggefallen.

Für Winking ein Unding: „Da wird der gute Glaube von Menschen, die denken, etwas Gutes zu tun, ausgenutzt.”

Gordon K. Strahl

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http://www.derwesten.de/staedte/essen/kettwig-und-werden/nicht-immer-fuer-die-gute-sache-id10374277.html
2015-02-19 16:59
Kettwig und Werden