Leiterin der Heckerschule geht in den Ruhestand

Corinna Seilbring geht am Mittwoch als Leiterin der Werdener  Heckerschule in den Ruhestand.
Corinna Seilbring geht am Mittwoch als Leiterin der Werdener Heckerschule in den Ruhestand.
Foto: Funke Foto Services
Was wir bereits wissen
Am Mittwoch wird sich Corinna Seibring verabschieden. Nach 15 Jahren als Leiterin der Heckerschule geht sie in den Ruhestand.

Essen-Werden..  Nach 15 Jahren als Leiterin der Heckerschule verabschiedet sich Corinna Seibring am Mittwoch, 24. Juni, von Schülern, Eltern und Kolleginnen in den Ruhestand. Was hat sich in den vergangenen Jahren verändert? Zum Glück nicht viel, sagt die Pädagogin mit Blick auf Stadtteile, in denen die Themen Integration und Inklusion eine viel größere Rolle spielen als an der Werdener Grundschule. Den Eltern der derzeitigen und künftigen Schüler rät sie: Geht das Thema Schule doch wieder ein wenig entspannter an.

Die Heckerschule gilt als sehr familienfreundlich, und das in mehrfacher Hinsicht. In der Schulverwaltung und der Lehrerausbildung an der Uni kursiert der Spruch: Wenn’s mit dem Kinderkriegen nicht klappen will, bewirb Dich mal an der Heckerschule. „Wir könnten eine eigene Betreuungsgruppe aufmachen“, scherzt die Schulleiterin: Sieben Schwangerschaften hat sie in ihrer Zeit als Schulleiterin im Kolleginnenkreis erlebt - in einem siebenköpfigen Team. Ein Zeichen dafür, wie geborgen sich die Kolleginnen an der Schule fühlen? „Auf jeden Fall ist es ein Vorteil, wenn eine Kollegin, wenn sie eine erste Klasse übernimmt, selbst gerade ihr Kind einschult.“

Der Wohlfühlfaktor spielt eine ganz wichtige Rolle an der Heckerschule, sagt Corinna Seibring. Das war schon so, als sie im Jahr 2000 als Konrektorin der Rüttenscheider Käthe-Kollwitz-Schule nach Werden wechselte: Als „unglaublich angenehm“ habe sie das Schulklima empfunden. Damit das so blieb, sagt sie, „mussten und müssen wir ganz besonders auf die Teamentwicklung achten“. Das gilt auch für die zwei neuen Kolleginnen, die zum Schuljahresstart zum Team stoßen werden. „Die haben wir uns selbst aussuchen können.“

Ein wichtiges Thema ist die musische Förderung

Auf das Team warten Herausforsderungen, die in Werden deutlich später auf den Schulalltag zukommen als in anderen Stadtteilen. Über Integration zum Beispiel wird wenig geredet: Wenn sie notwendig wird, findet sie gleichsam nebenbei statt wie bei dem Roma-Mädchen, das vor zwei Jahren an die Heckerschule kam.
Corinna Seibring: „Das Mädchen hat so schnell seine Defizite aufgeholt, dass es zum Schuljahresende überhaupt keine Frage mehr war, ob es in die dritte Klasse versetzt wurde.“

Mit einem wachsenden Migrantenanteil wird das nicht mehr ganz so mühelos funktionieren, doch sie sieht das Team für solche Aufgaben gut aufgestellt.

Ein wichtiges Thema an der Heckerschule ist die musische Förderung. Mindestens zwei Theater- oder Konzertbesuche pro Jahr hat Corinna Seibring ins Pflichtenheft geschrieben, Museumsbesuche, Theaterführungen sowie Kulturprojekte an der Schule stehen auf dem Wunschzettel, bei dessen Umsetzung der Förderverein eine wichtige Rolle spielt. Das größte Projekt hat Corinna Seibring 2010 angestoßen, als Regisseur Patrick Migas mit allen 167 Schülern das Lessing-Drama „Nathan der Weise“ einstudierte und aufführte. Aber auch Tanz und Bildende Kunst bekommen ihren Platz - etwa beim Hundertwasser-Projekt. „Da haben wir mal eben die Schule bunt angemalt.“

Lernfreude soll ein Leben lang halten

Das Erfolgsrezept der Heckerschule, sagt Corinna Seibring, ist eigentlich einfach: „Fast alle Kinder sind leicht zu begeistern und wollen lernen. Diese Lernfreude wollen wir ausbauen, damit sie im besten Fall ein Leben lang hält.“ Den Lehrern hilft es natürlich sehr, wenn diese Einstellung auch von den Eltern geteilt und unterstützt wird. Die Eltern der Heckerschule tun das - und engagieren sich noch ein wenig darüber hinaus. Die Stadt betreut an der Urbachstraße eine Schülergruppe bis zum Mittag. Zwei weitere Betreuungsgruppen sind Elterninitiativen mit Betreuungszeiten bis 14 und bis 17 Uhr.

Stichwort Eltern: Bei vielen von ihren Eltern hat die scheidende Schulleiterin in den vergangenen Jahren eine wachsende Unsicherheit registriert: „Die Eltern sind ängstlicher geworden. Das ist ganz auffällig.“ Schon an das erste Schuljahr gingen einige Eltern heran, als ginge es schon um die gesamte schulische Zukunft. Auch die Zeit außerhalb der Schule werde zunehmend verplant. „Seht das alles mal ein wenig entspannter“, rät die scheidende Schulleiterin den Eltern. Und: „Nehmt Euch mal unverplante Zeit für Eure Kinder. Manchmal sollten Kinder schlicht, einfach und zweckfrei spielen.“ Die Familien könnten es sich leisten: „Die Kinder in Werden sind nach wie vor gut erzogen und gut behütet.“