Krimiautor mit dem Herzen eines Cowboys

Der Essener Krimiautor und Schauspieler Arnd Federspiel.
Der Essener Krimiautor und Schauspieler Arnd Federspiel.
Foto: FUNKE Foto Services

Essen-Werden..  Es hätte alles in schön geordneten Bahnen laufen können bei Arnd Federspiel. Sein Jura-Studium hätte ihm alle Türen geöffnet für eine steile Karriere. Doch er entschied sich für einen unebenen Trampelpfad, um sich zu verwirklichen. Und so verdingt sich der Fischlaker nun als Schauspieler und Autor. Doch irgendwie bleibt er dem Justizwesen treu, schließlich hat er sich als Schriftsteller auf Krimis spezialisiert. Am Mittwochabend liest er zwei seiner Geschichten in der Buchhandlung Folgner.

Die schwarze „Drei ???”-Tasche, mit der Arnd Federspiel zum Interview ins Café Kika’s kommt, deutet bereits an: Er war schon von klein auf Krimifan. Doch zu denen, die schon als Kind die berühmte Hörspielreihe verschlungen haben, gehört er nicht. „Die gab’s damals noch nicht”, sagt der 49-Jährige. „Ich habe die Abenteuer noch ganz klassisch in Buchform gelesen.”

Vielleicht waren es Geschichten wie diese der drei Detektive, die sein Interesse für den Kampf ums Recht weckten und den gebürtigen Oberhausener, der in Heiligenhaus aufwuchs, motivierten, in Gießen ein Jurastudium aufzunehmen. Aber: „Ich habe früh gemerkt, dass dieser Beruf nicht das Richtige für mich ist.” Begeisterung weckte bei ihm das Studententheater, bei dem er mitmischte. Auch auf einer englischsprachigen Bühne für US-Soldaten in Gießen trat er während der Studienzeit regelmäßig auf.

Schon bald stand fest: Er wollte ein Schauspielstudium beginnen, am besten in England. Er wurde an einer Schule in Loughton, nahe London, angenommen.

Der Liebe wegen kehrte Federspiel nach Abschluss seiner Schauspiel-Ausbildung zurück ins Ruhrgebiet. „Meine Frau – damals noch meine Freundin – hatte hier einen Job bekommen.” Nahe seiner frühen Heimat, in Fischlaken, haben sich die beiden niedergelassen und sind Eltern zweier Kinder geworden. Neben seinem Job als Übersetzer und Autor steht Federspiel regelmäßig im Theater Courage auf der Bühne und arbeitet in kleinen Rollen bei Fernsehproduktionen mit.

„Für eine Leiche im Tatort hat’s noch nicht gereicht, aber das wär’ mal was”, lacht er.

Dafür bringt er seine eigene „Tatorte” zu Papier, denn als Krimiautor hat er sich bereits einen Namen gemacht. Er ist im „Syndikat” organisiert, der Autorengruppe deutschsprachiger Kriminalliteratur, stellt mit seinen Kollegen Mischa Bach und Reinhard Jahn alias H. P. Karr jedes Jahr am 8. Dezember einen Krimitag im Ruhrgebiet auf die Beine. In einigen Anthologien konnte Federspiel bereits Geschichten veröffentlichen. Darüber hinaus hat er 2011 mit „Bei Hitze Mord” sein Romandebüt auf dem Markt gebracht.

Die Story „Geschlossene Türen” etwa, die er heute im Rahmen der Lesung vorstellen will, ist in der 2013 erschienenen Sammlung „Küche, Diele, Mord” enthalten. „Es geht um einen Jungen, der nach dem Unfalltod seiner Eltern von seinem Onkel aufgenommen wird ”, verrät Federspiel. „Schnell merkt der Junge, dass im Haus des Onkels etwas nicht stimmt.”

Die Story sei im Stile düsterer Schwarz-Weiß-Krimis erzählt, so Federspiel, „irgendwo zwischen Film Noir und Edgar Wallace.” Die zweite Geschichte, „Stein im Bein”, sei dagegen lustiger: „Sie spielt am Wehr des Baldeneysees. Dort wollen einige Männer den Ich-Erzähler mit einem Stein am Bein in den See werfen. Er erzählt dem Leser, wie er in diese Situation gekommen ist.”

Typisch sind ein durchaus schwarzer Humor und ein lockerer Schreibstil

Ein gewisser – durchaus schwarzer – Humor sowie ein lockerer Schreibstil seien typisch für seine Texte, findet Arnd Federspiel.

Und auch wenn er aktuell wieder an seiner nächsten Geschichte arbeitet: Für die richtige Rolle würde er glatt den Griffel beiseite legen. Denn in dem Fischlaker Krimiautoren schlummert das Herz eines Cowboys: „Auf einen Pferd sitzend durch die Gegend ballern”, lacht Federspiel, „das wäre das Richtige für mich!”


Die Lesung
von Arnd Federspiel in der Buchhandlung Folgner in Essen-Werden, Heckstraße 10, beginnt am Mittwoch um19.30 Uhr. Der Eintritt ist frei. Im Anschluss an der Lesung beantwortet der Autor Fragen des Publikums und signiert Bücher.